
Die Aktie von Super Micro Computer ist am Mittwoch in New York deutlich unter Druck geraten. Der Titel des KI-Server-Spezialisten fiel im Handelsverlauf um gut 17 Prozent, nachdem das Unternehmen ein Paket aus Eigenkapital- und eigenkapitalnahen Finanzierungen über insgesamt 7,0 Milliarden US-Dollar angekündigt hatte. Der Vortagesschluss lag nach Marktdaten bei rund 40,64 US-Dollar. Am 10. Juni 2026 eröffnete die SMCI-Aktie bei 35,60 US-Dollar, erreichte ein Tageshoch von 36,50 US-Dollar und fiel bis auf 33,12 US-Dollar. Der Schlusskurs wurde bei 33,28 US-Dollar angegeben.
Der Kursrutsch zeigt, wie empfindlich Anleger derzeit auf die Finanzierungskosten des KI-Booms reagieren. Super Micro gilt zwar als einer der direkten Profiteure der Nachfrage nach KI-Rechenzentren. Gleichzeitig wächst der Kapitalbedarf, weil Komponenten für leistungsstarke Server frühzeitig beschafft werden müssen.
Super Micro Computer kündigte am 9. Juni 2026 mehrere parallel geplante Transaktionen an. Das Paket besteht aus öffentlichen Platzierungen im Umfang von 5,0 Milliarden US-Dollar und einem späteren At-the-Market-Programm über bis zu 2,0 Milliarden US-Dollar. Die Platzierungen umfassen rund 1,25 Milliarden US-Dollar neue Stammaktien sowie rund 3,75 Milliarden US-Dollar Depositary Shares, die Anteile an neu auszugebenden verpflichtend wandelbaren Vorzugsaktien repräsentieren.
Die Vorzugsaktien sollen spätestens um den 1. Juni 2029 automatisch in Stammaktien umgewandelt werden. Das ATM-Programm für weitere Stammaktien soll frühestens im dritten Quartal 2026 starten. Federführend eingebunden sind J.P. Morgan, Goldman Sachs und Citigroup. Die Gesellschaft stellte zugleich klar, dass die einzelnen Transaktionen nicht zwingend voneinander abhängig sind.
Der unmittelbare Zweck der Kapitalaufnahme ist klar umrissen. Super Micro will mit den Erlösen Komponenten kaufen, um Aufträge für fortschrittliche KI-Server abzuarbeiten. Das Unternehmen sprach von Bestellungen über rund 39 Milliarden US-Dollar, die in den vergangenen Wochen von mehr als 20 Kunden eingegangen seien. Dazu zählen nach Unternehmensangaben auch Data Center Building Block Solutions. Zugleich betonte Super Micro, dass die Aufträge noch Risiken wie Stornierungen, Verzögerungen und Erfüllungsbedingungen unterliegen.
Konkrete Kundennamen nannte das Unternehmen in der Mitteilung nicht. Deshalb lässt sich nicht belastbar sagen, ob einzelne Großaufträge direkt von xAI, Anthropic oder OpenAI stammen. Der Bezug zur breiteren Nvidia-Story ist dennoch offensichtlich: Super Micro liefert Server- und Rechenzentrumsinfrastruktur für KI, während Nvidia mit seinen GPUs den wichtigsten Engpass vieler KI-Rechenzentren prägt. Nvidia selbst nannte zuletzt Anthropic, OpenAI, ByteDance, CoreWeave, Lambda, Nebius, Nscale und Oracle Cloud Infrastructure unter Kunden oder Interessenten für neue KI-Infrastruktur, während Supermicro als Systemhersteller in Nvidias Ökosystem aufgeführt wird.
Operativ wächst Super Micro weiter stark. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 31. März endete, erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 10,2 Milliarden US-Dollar. Im Vorquartal waren es 12,7 Milliarden US-Dollar, im Vorjahresquartal 4,6 Milliarden US-Dollar. Die Bruttomarge lag bei 9,9 Prozent nach 6,3 Prozent im Vorquartal. Der Nettogewinn stieg auf 483 Millionen US-Dollar, nach 109 Millionen US-Dollar im Vorjahr.
CEO Charles Liang verwies in diesem Zusammenhang auf die beschleunigte Transformation zum Anbieter kompletter Rechenzentrumsinfrastruktur. Er hob die Margenerholung, das Wachstum bei Data Center Building Block Solutions und zusätzliche US-Fertigungskapazitäten im Silicon Valley hervor. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Bilanz, warum Anleger die neue Finanzierung kritisch sehen: Zum 31. März 2026 verfügte Super Micro über 1,3 Milliarden US-Dollar an Zahlungsmitteln, zugleich lagen Bankverbindlichkeiten und Wandelanleihen bei 8,8 Milliarden US-Dollar.
Der zentrale Belastungsfaktor ist die drohende Verwässerung. Die Stammaktienplatzierung über 1,25 Milliarden US-Dollar und das geplante ATM-Programm über bis zu 2,0 Milliarden US-Dollar können direkt neue Aktien in den Markt bringen. Rein rechnerisch entspräche allein dieser Stammaktienanteil bei Kursen um 33 US-Dollar knapp 100 Millionen zusätzlichen Aktien. Hinzu kommt die spätere Umwandlung der verpflichtend wandelbaren Vorzugsaktien. Da Super Micro zuletzt mit rund 695 bis 712 Millionen voll verwässerten Aktien rechnete, wäre der Effekt für Bestandsaktionäre spürbar.
Auch die Bewertung wurde durch den Kurssturz neu justiert. Nach aktuellen Marktdaten lag die Marktkapitalisierung intraday bei gut 20 Milliarden US-Dollar. Die 52-Wochen-Spanne reichte von 19,48 bis 62,36 US-Dollar. Damit bleibt SMCI trotz des Einbruchs deutlich über dem Jahrestief, aber weit entfernt vom oberen Ende der Handelsspanne. Die Aktie bleibt ein Hochrisiko-Titel im KI-Infrastrukturgeschäft: Der Auftragsbestand signalisiert enorme Nachfrage, doch Finanzierung, Margen, Kundenkonzentration und Lieferketten entscheiden darüber, wie viel davon am Ende bei den Aktionären ankommt.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu