
Zwei der großen Profiteure des KI- und Infrastrukturbooms gehörten am Freitag zu den schwächsten Aktien im DAX. Siemens Energy verlor am Nachmittag rund 2,3 Prozent und fiel auf etwa 152,70 Euro. Für die Aktie war es bereits der dritte Handelstag mit Kursverlusten in Folge. Infineon gab rund 2,2 Prozent nach und bildete zeitweise das Schlusslicht im deutschen Leitindex. Ein neuer unternehmensspezifischer Auslöser war bei Siemens Energy zunächst nicht erkennbar. Vielmehr deutete das Handelsbild auf weitere Gewinnmitnahmen nach der starken Rally hin.
Der Rückgang der Siemens-Energy-Aktie muss vor dem Hintergrund einer außergewöhnlichen Rally betrachtet werden. Seit Jahresbeginn liegt das Papier trotz des jüngsten Rückgangs noch rund 27 Prozent im Plus. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von knapp 192 Euro hat die Aktie allerdings inzwischen etwa ein Fünftel eingebüßt.
Ein wesentlicher Kurstreiber war die steigende Stromnachfrage von Rechenzentren. Der Ausbau generativer KI benötigt nicht nur leistungsfähige Prozessoren, sondern auch neue Kraftwerkskapazitäten, Transformatoren, Schaltanlagen und leistungsfähige Stromnetze. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 stieg der Auftragseingang um 32 Prozent. Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März 154 Milliarden Euro. Allein die mit Rechenzentren verbundenen Aufträge im Netzgeschäft überstiegen in diesem Zeitraum zwei Milliarden Euro.
Bei Infineon dominierten am Freitag ebenfalls Gewinnmitnahmen. Parallel gab in den USA Micron rund 1,7 Prozent nach, obwohl der Speicherchipkonzern zuletzt starke Zahlen und einen positiven Ausblick geliefert hatte. Marktbeobachter verweisen darauf, dass die Erwartungen für viele Unternehmen im Halbleitersektor zunehmend schwer zu übertreffen seien. Investoren fragen zunehmend, ob die hohen Bewertungen bei KI-Werten dauerhaft gerechtfertigt sind.
Nvidia, Micron und ASML stehen für unterschiedliche Stufen der KI-Lieferkette. Nvidia liefert die zentralen Rechenbeschleuniger und profitiert direkt von den Investitionen großer Cloudkonzerne. Im Geschäftsjahr 2026 stieg der Nvidia-Umsatz um 65 Prozent auf 215,9 Milliarden Dollar. Allein im vierten Quartal erreichte der Rechenzentrumsumsatz 62,3 Milliarden Dollar.
ASML verkauft dagegen die hochkomplexen Lithografiesysteme, mit denen Chipproduzenten moderne Prozessoren und Speicherchips herstellen. Das niederländische Unternehmen erzielte im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 8,8 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,8 Milliarden Euro. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr wurde auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben.
Die fundamentale Nachfrage nach Chips, Speicher, Stromversorgung und Netzinfrastruktur bleibt damit hoch. Der aktuelle Rückgang bei Siemens Energy und Infineon zeigt jedoch, dass starke Geschäftszahlen allein nicht mehr automatisch für steigende Kurse sorgen. Nach der breiten Rally bei KI-Profiteuren prüfen Anleger genauer, ob Bewertungen, Investitionskosten und Ergebnisqualität dauerhaft zusammenpassen.
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