
Die US-Technologiewerte zeigen sich am Donnerstag vor dem Handelsstart zweigeteilt. Der Nasdaq-100-Future lag laut Reuters um 07:24 Uhr New Yorker Zeit 0,98 Prozent im Plus. Damit deutete sich zunächst eine Erholung nach den jüngsten Verlusten im Technologiesektor an. Getragen wurde die Bewegung vor allem von Halbleiterwerten. Nvidia, Intel und Micron legten vorbörslich deutlich zu. Auf der anderen Seite stand Oracle stark unter Druck. Die Aktie verlor nachbörslich 8,9 Prozent, weil Anleger die hohen Investitionspläne für KI- und Cloud-Infrastruktur kritisch bewerteten. Der Markt unterscheidet damit zunehmend zwischen Profiteuren des KI-Ausbaus und Unternehmen, die hohe Vorleistungen finanzieren müssen.
Das Plus im Nasdaq-100-Future signalisiert eine Stabilisierung, aber noch keine vollständige Entwarnung. Der Technologiesektor war zuletzt von Bewertungsfragen, geopolitischer Unsicherheit und Zinssorgen belastet worden. Vorbörslich griffen Anleger wieder bei ausgewählten Chipwerten zu. Nvidia, Intel und Micron stiegen laut Reuters um bis zu 4,4 Prozent. Auch AMD rückte im Umfeld der KI-Hardwarewerte erneut in den Blick. Die Logik dahinter ist klar: Wenn große Cloud- und Softwarekonzerne weiterhin Milliarden in Rechenzentren, Server und KI-Infrastruktur investieren, können Halbleiterhersteller und Speicherchip-Anbieter unmittelbar von dieser Nachfrage profitieren. Genau diese Lesart stützte den Nasdaq-Future am Donnerstag.
Der Gegenpol war Oracle. Der US-Software- und Cloudkonzern übertraf zwar beim Umsatz und beim bereinigten Gewinn die Erwartungen. Entscheidend für die Kursreaktion waren aber die Investitionspläne. Oracle stellte für das Geschäftsjahr 2027 Investitionen von bis zu 95 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Das lag deutlich über den Markterwartungen. Zudem berichtete Reuters über geplante Finanzierungen von fast 40 Milliarden US-Dollar und Sorgen über Verschuldung, freien Cashflow und Margen. Anleger bewerteten deshalb nicht nur das Wachstum, sondern auch dessen Preis. Der Kursrückgang zeigt, dass der Markt bei KI-Investitionen stärker zwischen Umsatzchancen und Kapitalbindung unterscheidet.
Die Entwicklung zeigt eine klare Sektorrotation innerhalb des Technologiesegments. Hardware, Chips und Ausrüstung wurden gesucht, weil hohe KI-Ausgaben zusätzliche Nachfrage nach Prozessoren, Speicher, Netzwerkkomponenten und Rechenzentrumstechnik bedeuten können. Software- und Cloudwerte standen dagegen stärker unter Druck, weil hohe Infrastrukturkosten die Margen belasten können. Diese Trennung war auch in Europa sichtbar. Reuters berichtete, dass Softwarewerte wie SAP, Capgemini und Dassault Systèmes nachgaben. Halbleiterwerte wie BE Semiconductor und ASM International entwickelten sich dagegen freundlicher. Für ASML und Infineon ist das Signal gemischt: Der KI-Investitionszyklus stützt die langfristige Nachfrage, kurzfristig bleibt der Sektor aber anfällig für Bewertungs- und Zinsrisiken.
Zur Marktstimmung kamen am Donnerstag wichtige Konjunkturdaten hinzu. Die US-Erzeugerpreise stiegen im Mai stärker als erwartet. Reuters meldete ein Plus von 1,1 Prozent zum Vormonat und 6,5 Prozent zum Vorjahr. Gleichzeitig nahmen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe leicht auf 229.000 zu. Für Technologieaktien ist diese Kombination sensibel. Höhere Inflation erschwert schnelle Zinssenkungshoffnungen, während ein noch robuster Arbeitsmarkt der US-Notenbank wenig Druck für Lockerungen gibt. In Europa hob die EZB am Nachmittag den Einlagensatz auf 2,25 Prozent und den Hauptrefinanzierungssatz auf 2,40 Prozent an. Der DAX zeigte sich nach der Entscheidung schwächer, wobei SAP als Indexschwergewicht zusätzlich unter der Software-Skepsis litt.
Für den US-Handelsstart bleibt damit ein widersprüchliches Bild. Der Nasdaq-Future deutet auf eine Erholung hin, doch Oracle zeigt, dass Anleger KI-Ausgaben nicht mehr automatisch positiv bewerten. Chipwerte profitieren von der Aussicht auf anhaltende Infrastrukturinvestitionen. Software- und Cloudtitel müssen dagegen stärker beweisen, dass sich die hohen Kosten in stabile Margen und freie Cashflows übersetzen lassen.
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