
Eine Szene mit Pokémon-Karten hat im „ZDF-Fernsehgarten“ eine Debatte über anti-asiatischen Rassismus ausgelöst. Moderatorin Andrea Kiewel bezeichnete eine japanische Karte laut Berichten von t-online zunächst als chinesisch und verwendete anschließend eine lautmalerische Form des als rassistisch geltenden Ausdrucks „Ching Chang Chong“. Das ZDF veröffentlichte laut DIE WELT inzwischen eine Entschuldigung.
Der Vorfall ereignete sich am Sonntag, 12. Juli 2026, in der live ausgestrahlten Ausgabe unter dem Motto „90er Dance Party“. Passend zum Thema wurde in der Sendung auch der in den 1990er Jahren entstandene Pokémon-Boom behandelt. Zwei Sammlerinnen präsentierten laut ZDF-Programminfo ein Set mit Pikachu-Karten in neun verschiedenen Sprachen. Die Ausgabe hatte eine Laufzeit von 121 Minuten und wurde ab 12 Uhr aus Mainz übertragen.
Nachdem mehrere europäische Sprachversionen vorgestellt worden waren, zeigte Kiewel laut t-online auf eine japanische Karte und bezeichnete sie als „die chinesische“. Anschließend soll sie eine lautmalerische Wortfolge geäußert und dabei so getan haben, als würde sie die Schriftzeichen vorlesen. Die Äußerung wird in Medienberichten leicht unterschiedlich als „Ching Chong Chang“ beziehungsweise „Ching Chong Chaang“ wiedergegeben.
„Ching Chang Chong“ und ähnliche Wortfolgen sind laut dem Verein korientation keine Übersetzungen und bilden keine reale asiatische Sprache ab. Sie dienten als spöttische Lautimitation, mit der vor allem chinesische und andere ostasiatische Sprachen auf vermeintlich bedeutungslose Silben reduziert würden. Der Ausdruck gilt deshalb als rassistisches Stilmittel.
Andrea Kiewel und das ZDF haben sich nach eigenen Angaben für den Vorfall entschuldigt. In der Stellungnahme heißt es laut DIE WELT, die Äußerung sei nicht rassistisch gemeint gewesen, habe aber diskriminierende Stereotype reproduziert. Kritiker verweisen darauf, dass eine Aussage auch dann diskriminierend wirken könne, wenn keine böse Absicht bestanden habe. Eine weitergehende Anfrage an das ZDF blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Der aktuelle Fall ist laut korientation nicht der erste vergleichbare Vorfall im deutschen Fernsehen. Im März 2020 äußerte die frühere Schwimmerin Franziska van Almsick in der ARD-Sendung „Wer weiß denn sowas?“ denselben Ausdruck, nachdem die Kategorie „Asien“ ausgewählt worden war. Eine direkte Reaktion innerhalb der Sendung blieb damals aus.
Ebenfalls 2020 zeigte die ZDF-„heute-show“ im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie mehrere Wortspiele und Einblendungen, die von korientation als anti-asiatisch kritisiert wurden. Der Verein wies schon damals auf eine wiederkehrende mediale Normalisierung solcher Stereotype hin und forderte mehr Sensibilisierung und Diversität in den Redaktionen.
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