
Der aktuelle Masernausbruch in den USA hat im laufenden Jahr bereits mehr bestätigte Erkrankungen verursacht als im gesamten Vorjahr. Bis zum 23. Juli 2026 registrierte die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention, kurz CDC, insgesamt 2.318 bestätigte Masernfälle. Damit wurde bereits im Juli die Gesamtzahl des Jahres 2025 übertroffen. Damals waren 2.289 Infektionen gemeldet worden.
Nach Angaben der CDC wurden 151 der im Jahr 2026 erkrankten Menschen in einem Krankenhaus behandelt. Das entspricht rund sieben Prozent aller bestätigten Fälle. Todesfälle im Zusammenhang mit Masern wurden in den USA im laufenden Jahr bislang nicht gemeldet. Die Behörde weist darauf hin, dass die Fallzahlen vorläufig sind und nachträglich korrigiert werden können.
Von den 2.318 bestätigten Fällen entfielen 2.302 auf Menschen mit Wohnsitz in den USA. Weitere 16 Erkrankungen wurden bei internationalen Besuchern festgestellt. Fälle bei US-Einwohnern wurden aus 43 Bundesstaaten sowie aus dem District of Columbia gemeldet.
Betroffen waren Alabama, Alaska, Arizona, Kalifornien, Colorado, Connecticut, Delaware, Florida, Georgia, Idaho, Illinois, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Maryland, Massachusetts, Michigan, Minnesota, Missouri, Montana, Nebraska, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, North Dakota, Ohio, Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, Wisconsin und Wyoming.
Die CDC zählte 2026 bislang 35 neu gemeldete Ausbrüche. Als Ausbruch gelten mindestens drei miteinander verbundene Erkrankungsfälle. Insgesamt waren 2.153 der 2.318 Infektionen und damit 93 Prozent einem Ausbruchsgeschehen zuzuordnen. Darunter befanden sich auch Infektionen aus Übertragungsketten, die bereits 2025 begonnen hatten.
Die nationale Impfquote bei Kindern im Kindergartenalter ist in den vergangenen Jahren gesunken. Im Schuljahr 2019/2020 verfügten noch 95,2 Prozent der Kindergartenkinder über die vorgeschriebenen Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln. Im Schuljahr 2024/2025 lag der Anteil nach Angaben der CDC bei 92,5 Prozent.
Damit wird die für einen zuverlässigen Gemeinschaftsschutz wichtige Marke von mindestens 95 Prozent landesweit nicht mehr erreicht. Rund 286.000 Kindergartenkinder waren im Schuljahr 2024/2025 nach Berechnungen der CDC nicht ausreichend gegen Masern geschützt.
Der nationale Durchschnitt verdeckt zudem große regionale Unterschiede. Auch in Bundesstaaten mit insgesamt relativ hohen Impfquoten können Gemeinden oder Bevölkerungsgruppen mit deutlich niedrigeren Werten bestehen. Wird das Virus in eine solche Gruppe eingetragen, kann es sich wegen seiner hohen Ansteckungsfähigkeit schnell ausbreiten.
Bei 93 Prozent der 2026 gemeldeten Erkrankten war keine Impfung dokumentiert oder der Impfstatus unbekannt. Drei Prozent hatten nach den vorliegenden Daten eine Dosis und vier Prozent zwei Dosen eines MMR-Impfstoffs erhalten.
Masern gelten in den USA seit dem Jahr 2000 als eliminiert. Elimination bedeutet nicht, dass überhaupt keine Erkrankungen mehr auftreten. Gemeint ist, dass im Land keine ununterbrochene, einheimische Übertragungskette über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten besteht.
Infizierte Reisende können das Virus weiterhin aus Ländern eintragen, in denen Masern verbreitet sind. Der Eliminationsstatus bleibt erhalten, solange daraus keine dauerhaft fortbestehende Übertragung innerhalb der USA entsteht.
Wegen der seit Anfang 2025 laufenden Ausbruchsgeschehen ist der Status inzwischen gefährdet. Die zuständige regionale Verifizierungskommission der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation prüft die Entwicklung in den USA und in Mexiko. Eine abschließende Bewertung wird für November 2026 erwartet. Bis dahin gilt der Eliminationsstatus der USA weiterhin. Er ist nicht automatisch allein deshalb verloren, weil die Zahl der Erkrankungen stark gestiegen ist. Entscheidend sind Dauer, epidemiologische Zusammenhänge und die genetische Untersuchung der Übertragungsketten.
Masern werden durch das Masernvirus verursacht und gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten. Die Übertragung erfolgt vor allem über virusbeladene Aerosole und Tröpfchen, die beim Atmen, Sprechen, Husten oder Niesen freigesetzt werden. In geschlossenen Räumen kann das Virus noch bis zu zwei Stunden infektiös bleiben, nachdem eine erkrankte Person den Raum verlassen hat.
Bei engem Kontakt infizieren sich nach Angaben der CDC bis zu neun von zehn nicht immunen Personen. Erkrankte können das Virus bereits ungefähr vier Tage vor Auftreten des typischen Hautausschlags übertragen. Die Ansteckungsfähigkeit hält in der Regel bis etwa vier Tage nach Beginn des Ausschlags an.
Die ersten Beschwerden treten meist sieben bis 14 Tage nach der Infektion auf. Typisch sind hohes Fieber, Husten, Schnupfen und eine Bindehautentzündung mit geröteten, tränenden Augen. Im Mund können kleine weißliche Flecken entstehen, die als Koplik-Flecken bezeichnet werden. Einige Tage später entwickelt sich gewöhnlich ein fleckiger Hautausschlag, der häufig im Gesicht oder hinter den Ohren beginnt und sich über den Körper ausbreitet.
Zu den häufigeren Komplikationen gehören Mittelohrentzündungen und Durchfälle. Schwere Verläufe können eine Lungenentzündung oder eine akute Entzündung des Gehirns, eine sogenannte Enzephalitis, verursachen. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kinder unter fünf Jahren, Erwachsene über 20 Jahre, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Sehr selten kann Jahre nach einer Maserninfektion die subakute sklerosierende Panenzephalitis auftreten. Diese fortschreitende Erkrankung des Gehirns verläuft tödlich. Eine spezifische antivirale Standardbehandlung gegen Masern gibt es nicht. Die medizinische Versorgung richtet sich nach den Beschwerden und möglichen Komplikationen.
Zwei Dosen eines Masernimpfstoffs schützen nach Angaben der CDC zu etwa 97 Prozent vor einer Erkrankung. Nach einer Dosis liegt die Schutzwirkung bei rund 93 Prozent. In Deutschland wird eine Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln empfohlen. Bei unklarem oder unvollständigem Impfstatus sollte die individuelle Situation ärztlich geklärt werden.
Auch in Europa treten weiterhin Masernfälle auf. In den 30 Staaten der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums wurden zwischen dem 1. Juni 2025 und dem 31. Mai 2026 insgesamt 2.928 Fälle registriert. Ein Todesfall wurde in diesem Zeitraum aus Frankreich gemeldet. Die höchsten Fallzahlen entfielen auf Rumänien, Italien, Bulgarien, Frankreich und Spanien.
Deutschland meldete in diesem Zwölfmonatszeitraum 138 Fälle. Für die ersten 24 Meldewochen des Jahres 2026 verzeichnete das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten 95 bestätigte oder wahrscheinliche Erkrankungen in Deutschland. Die Zahlen liegen damit deutlich unter denen der großen Ausbruchsländer. Sie zeigen jedoch, dass auch in Deutschland weiterhin Infektionen und lokale Übertragungsketten auftreten können.
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