
Der Transfer von Dorsch zu Toronto steht offenbar kurz vor dem Abschluss. Nach Informationen des kicker hat der 28-Jährige das Trainingslager des 1. FC Heidenheim vorzeitig verlassen und sich auf den Weg nach Kanada gemacht. Dort müssten demnach noch die medizinischen Untersuchungen, die Vertragsunterzeichnung und die letzten formalen Schritte erledigt werden. Die Ablöse solle rund 3,8 Millionen Euro betragen. Sky berichtete ebenfalls von einer Einigung und einem geplanten Vertrag bis 2031. Offiziell bestätigt haben die Vereine den Transfer bislang nicht.
Für Heidenheim käme der Abgang kurz vor dem Start in die neue Zweitliga-Saison. Die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt hatte sich vom 17. bis 25. Juli in Natz-Schabs in Südtirol vorbereitet. Am 8. August beginnt die Spielzeit für den Bundesliga-Absteiger mit einem Heimspiel gegen den VfL Osnabrück. Dorsch besaß beim FCH noch einen Vertrag bis zum Sommer 2028. Heidenheim hatte ihn im August 2024 für eine zweite Amtszeit vom FC Augsburg verpflichtet.
Sportlich war Dorsch in der Saison 2025/26 eine feste Größe im Heidenheimer Mittelfeld. In der Bundesliga kam er auf 32 Einsätze, davon 27 von Beginn an. Insgesamt stand er 2259 Minuten auf dem Platz, blieb ohne eigenen Treffer und bereitete ein Tor vor. Der defensive Mittelfeldspieler überzeugte vor allem als Verbindung zwischen Abwehr und Angriff sowie durch seine Passsicherheit. Den Abstieg konnte aber auch er nicht verhindern.
Sein von Transfermarkt zuletzt am 27. Mai 2026 geschätzter Marktwert liegt bei 2,5 Millionen Euro. Die kolportierte Ablöse würde damit oberhalb dieser Bewertung liegen. Für den FCH wäre das auch deshalb bemerkenswert, weil der Klub Dorsch 2024 nach Medienberichten für rund 3,5 Millionen Euro aus Augsburg zurückgeholt hatte. Wie der kicker berichtete, könnte ein Teil der Einnahmen aufgrund einer Weiterverkaufsbeteiligung an den FCA fließen.
Dorsch wurde am 15. Januar 1998 in Lichtenfels geboren und spielte in der Jugend zunächst für den 1. FC Baiersdorf, die Deutsch-Tschechische Fußballschule Rehau und den 1. FC Nürnberg. 2012 wechselte er in den Nachwuchs des FC Bayern München. Für die zweite Mannschaft absolvierte er zahlreiche Partien in der Regionalliga Bayern. Sein einziger Bundesliga-Einsatz für die Münchner Profis blieb zugleich in besonderer Erinnerung: Beim 4:1 gegen Eintracht Frankfurt im April 2018 erzielte er bei seinem Debüt das Führungstor.
Im Sommer 2018 ging Dorsch erstmals nach Heidenheim. In zwei Jahren entwickelte er sich in der 2. Bundesliga zum Stammspieler und bestritt für den Klub einschließlich Pokal und Relegation 69 Pflichtspiele. 2020 wechselte er zum belgischen Erstligisten KAA Gent, mit dem er auch international spielte. Nach einer Saison kehrte er nach Deutschland zurück und unterschrieb beim FC Augsburg. Für den FCA kam er zwischen 2021 und 2024 auf 63 Bundesliga-Einsätze, ehe er erneut nach Heidenheim wechselte.
Auch für deutsche Nachwuchsauswahlen war Dorsch regelmäßig im Einsatz. Für die U21-Nationalmannschaft bestritt er 13 Länderspiele und erzielte ein Tor. 2021 gewann er mit der Auswahl von Trainer Stefan Kuntz die U21-Europameisterschaft. Im Finale gegen Portugal gehörte Dorsch zur Startelf. Für die deutsche A-Nationalmannschaft wurde er bislang nicht eingesetzt.
Im Heidenheimer Zentrum würde mit Dorsch ein erfahrener Führungsspieler wegfallen. Im aktuellen Profikader stehen für das zentrale und defensive Mittelfeld weiterhin Jan Schöppner, Julian Niehues und Luca Kerber zur Verfügung. Hinzu kommen der offensiver ausgerichtete Adrian Beck sowie mehrere jüngere Spieler. Die Kaderplanung für die Zweitliga-Saison dürfte mit einem Verkauf jedoch neue finanzielle Möglichkeiten erhalten.
Der Klub befindet sich nach dem Abstieg in einer Phase des Umbaus, hält aber weiter an Frank Schmidt fest. Heidenheim setzt dabei auf einen Kern um Kapitän Patrick Mainka und mehrere Spieler mit Zweitliga-Erfahrung. Ob nach einem Dorsch-Transfer noch ein weiterer zentraler Mittelfeldspieler verpflichtet würde, ist bislang offen. Der Saisonauftakt gegen Osnabrück rückt unterdessen näher.
Beim Toronto FC würde Dorsch auf einen Klub treffen, der seine Mannschaft unter Trainer Robin Fraser neu aufstellt. Toronto verpasste 2025 die Playoffs und startete auch 2026 wechselhaft. Nach der 1:2-Niederlage bei D.C. United am Samstag steht das Team bei drei Siegen, sieben Unentschieden und sieben Niederlagen aus 17 Spielen. Damit befindet sich Toronto weiterhin außerhalb der Playoff-Plätze der Eastern Conference.
Der Kader wurde zuletzt mit erfahrenen Spielern wie US-Nationalstürmer Josh Sargent, Spielmacher Djordje Mihailovic und Innenverteidiger Walker Zimmerman verstärkt. Im zentralen Mittelfeld hatte die sportliche Leitung weiteren Bedarf gesehen. Dorsch könnte dort für Struktur, Zweikampfstärke und Erfahrung sorgen.
Die MLS umfasst insgesamt 30 Klubs, aufgeteilt in eine Eastern und eine Western Conference. Wegen der Weltmeisterschaft war die Saison 2026 mehrere Wochen unterbrochen worden und wurde Mitte Juli fortgesetzt. Das zweite MLS-Transferfenster ist seit dem 13. Juli geöffnet und endet am 2. September. Damit bliebe Toronto ausreichend Zeit, den Wechsel zu registrieren. Voraussetzung wäre, dass die ausstehenden Formalitäten abgeschlossen werden und beide Klubs den Transfer offiziell bestätigen.
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