
Der ADAC fordert die Abschaffung der 12-Uhr-Regel an Tankstellen. Seit April dürfen die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland nur einmal täglich erhöht werden, und zwar um 12 Uhr. Preissenkungen sind dagegen jederzeit erlaubt. Nach Einschätzung des Automobilclubs hat die Vorgabe zwar die Zahl der Preisänderungen reduziert, Autofahrer aber nicht vor höheren Preisen geschützt.
Grundlage der Kritik sind unter anderem Preisdaten, die der ADAC seit Einführung der Regel ausgewertet hat. Eine Untersuchung von mehr als 14.000 Tankstellen im Mai zeigte einen ausgeprägten Preissprung zur Mittagszeit.
Demnach verteuerte sich Super E10 um 12 Uhr durchschnittlich um 14,6 Cent je Liter. Bei Diesel lag der durchschnittliche Anstieg bei 18,4 Cent. Besonders günstig war Tanken nach dieser Auswertung kurz vor Mittag. Danach gingen die Preise im weiteren Tagesverlauf meist wieder schrittweise zurück.
Der ADAC argumentiert deshalb, dass die Regel zwar den Zeitpunkt der Preiserhöhung berechenbarer gemacht habe, die Unterschiede zwischen günstigen und teuren Tageszeiten aber größer geworden seien.
Die Bundesregierung hatte die Vorgabe zum 1. April 2026 mit dem Kraftstoffpreisanpassungsgesetz eingeführt. Zuvor wurden an deutschen Tankstellen im Durchschnitt etwa 20 bis 22 Preisänderungen pro Tag registriert.
Seitdem dürfen Anbieter die Preise für Otto- und Dieselkraftstoffe nur noch einmal pro Kalendertag und ausschließlich um 12 Uhr erhöhen. Senkungen sind beliebig oft möglich. Verstöße können mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro geahndet werden.
Die Preise werden weiterhin über die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt erfasst. Rund 15.000 Tankstellen müssen Preisänderungen innerhalb weniger Minuten melden.
Die Bundesregierung hatte im Juni eine zunächst positive Bilanz gezogen. Nach ihren Angaben sank die durchschnittliche Zahl der Preisänderungen nach Einführung der Regel auf sechs bis sieben pro Tag. Nach der einmaligen Erhöhung um 12 Uhr handelte es sich dabei überwiegend um Preissenkungen.
Aus Sicht der Bundesregierung können Verbraucher dadurch besser einschätzen, wann Kraftstoffpreise steigen, und Angebote über Preisvergleichsdienste leichter vergleichen.
Das Gesetz soll nach einem Jahr auf seine Wirkung überprüft werden. Damit steht eine umfassendere Bewertung erst 2027 an.
Kritik an den wirtschaftlichen Folgen der Regel gab es bereits wenige Wochen nach ihrer Einführung. Forschende des ZEW Mannheim und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie untersuchten Kraftstoffpreise jeweils zwei Wochen vor und nach dem 1. April.
Bei E5 und E10 stellten sie einen Anstieg der durchschnittlichen Handelsmargen um etwa fünf bis sechs Cent je Liter fest. Für Diesel ließ sich in der kurzen Untersuchungsperiode dagegen kein eindeutiger Effekt nachweisen.
Die Studie erfasste rund 15.000 Tankstellen und verglich die Verkaufspreise unter anderem mit europäischen Großhandelspreisen. Die Forscher betonten zugleich, dass es sich um eine Untersuchung der kurzfristigen Auswirkungen nach Einführung der neuen Regel handelte.
Die deutsche Regelung orientiert sich an einem Modell, das in Österreich bereits seit Jahren eingesetzt wird. Auch dort sind Preiserhöhungen nur einmal täglich zu einer festgelegten Uhrzeit erlaubt, während Preissenkungen jederzeit möglich bleiben.
Das Grundprinzip soll kurzfristige Preissprünge begrenzen und Autofahrern die Suche nach günstigen Preisen erleichtern. Ob eine solche Vorgabe zugleich das durchschnittliche Preisniveau senkt, ist davon jedoch zu unterscheiden.
Mit seiner aktuellen Forderung stellt der ADAC deshalb nicht die größere Vorhersehbarkeit der Preise infrage. Der Club hält vielmehr die Auswirkungen auf das tatsächliche Preisniveau und die starken Unterschiede innerhalb eines Tages für problematisch und fordert deshalb die Rücknahme der seit April geltenden Regel.
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