
Der AfD-Rekord im ZDF-Politbarometer setzt die Bundesregierung und die Union weiter unter Druck. In der am Freitag, 31. Juli 2026, veröffentlichten Projektion der Forschungsgruppe Wahlen erreicht die AfD 28 Prozent. CDU und CSU kommen unverändert auf 23 Prozent. Der Abstand wächst damit auf fünf Prozentpunkte und ist so groß wie bislang noch nie im ZDF-Politbarometer. Die AfD stellt zugleich ihren bisherigen Höchstwert von 28 Prozent ein, den sie bereits im Juni erreicht hatte. Schwarz-Rot hätte nach diesen Zahlen keine Mehrheit.
Wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, wäre die AfD nach der Projektion mit 28 Prozent erneut die stärkste Kraft. Gegenüber der vorherigen Erhebung gewinnt sie einen Prozentpunkt hinzu. Die Union bleibt bei 23 Prozent. Die Grünen verlieren einen Punkt und kommen auf 13 Prozent. SPD und Linke liegen jeweils bei 12 Prozent, wobei die Linke einen Punkt abgibt. Die FDP erreicht unverändert 4 Prozent und würde damit den Einzug in den Bundestag verpassen. Alle übrigen Parteien kommen zusammen auf 8 Prozent.
Der Abstand zwischen AfD und Union hat sich innerhalb weniger Wochen vergrößert. Mitte Juni lag die AfD mit ihrem damaligen Rekordwert von 28 Prozent vier Punkte vor CDU und CSU, die 24 Prozent erreichten. Mitte Juli sank die AfD auf 27 Prozent, während die Union auf 23 Prozent zurückfiel. Im aktuellen ZDF-Politbarometer steigt die AfD wieder auf 28 Prozent, die Union bleibt bei 23 Prozent. Der Vorsprung wächst dadurch auf fünf Punkte. Der AfD Rekordvorsprung ist damit größer als bei den beiden vorherigen Erhebungen.
Die Projektion ist nicht mit der zusätzlich erhobenen politischen Stimmung gleichzusetzen. Bei der politischen Stimmung erreichen CDU/CSU und AfD jeweils 23 Prozent. Die Grünen kommen dort auf 18 Prozent, SPD und Linke jeweils auf 13 Prozent und die FDP auf 4 Prozent. Die Projektion berücksichtigt neben der aktuellen politischen Stimmung auch längerfristige Bindungen und taktische Überlegungen der Befragten. Für die Darstellung eines möglichen Wahlergebnisses verwendet das ZDF deshalb die Projektion, in der die AfD vor der Union liegt.
Das ZDF-Politbarometer zeigt zugleich eine ausgeprägte Unzufriedenheit mit der Bundesregierung. 68 Prozent der Befragten bewerten deren Arbeit als eher schlecht. Nur 28 Prozent stellen ihr ein eher gutes Zeugnis aus. Noch schlechter fallen die Merz Umfragewerte aus. 70 Prozent beurteilen die Arbeit des Bundeskanzlers negativ, 26 Prozent positiv. Auch der jüngste Personalwechsel in der Bundesregierung überzeugt nur wenige. Lediglich 17 Prozent glauben, dass sich die Regierungsarbeit dadurch verbessern wird. 61 Prozent erwarten keine größeren Auswirkungen.
Die personellen Veränderungen in der Bundesregierung werden grundsätzlich von 55 Prozent der Befragten begrüßt. Die konkrete Umsetzung durch Friedrich Merz wird jedoch überwiegend kritisch beurteilt. 57 Prozent finden, dass der Kanzler bei dem Personalwechsel eher schlecht gehandelt habe. Nur 21 Prozent bewerten sein Vorgehen positiv. Selbst unter den Anhängern von CDU und CSU überwiegt die Kritik knapp. Dort stellen 43 Prozent Merz ein schlechtes und 39 Prozent ein gutes Zeugnis aus. Ein politischer Neustart ist aus Sicht der meisten Befragten durch die Umbildung nicht gelungen.
Bei der Bewertung führender Politiker liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius weiterhin deutlich vorn. Auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf erreicht der SPD-Politiker einen Durchschnittswert von 1,5. Es folgen Cem Özdemir mit 0,9 und Außenminister Johann Wadephul mit 0,1. Friedrich Merz landet mit minus 1,5 im unteren Bereich der Rangliste. Noch schlechter werden Wirtschaftsministerin Katherina Reiche mit minus 1,6 und AfD-Chefin Alice Weidel mit minus 2,4 bewertet. Weidel bleibt damit trotz der hohen AfD-Projektion Schlusslicht der persönlichen Bewertung.
Neben den Parteiwerten fällt ein weiteres Ergebnis des ZDF-Politbarometers auf. 54 Prozent der Befragten sind mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland unzufrieden. Einen höheren Wert hatte die Forschungsgruppe Wahlen zuletzt im Oktober 2003 mit 55 Prozent gemessen. 44 Prozent äußern sich aktuell zufrieden. In Ostdeutschland liegt die Unzufriedenheit bei 64 Prozent und damit deutlich höher als in Westdeutschland mit 52 Prozent. Die Werte zeigen eine weit verbreitete Skepsis gegenüber dem politischen System und seiner aktuellen Leistungsfähigkeit.
Auch Klima- und Hitzeschutz waren Themen des ZDF-Politbarometers Juli 2026. 83 Prozent der Befragten halten die bisherigen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor großer Hitze für unzureichend. Genannt werden etwa mehr Begrünung, öffentliche Trinkbrunnen und kühle Aufenthaltsräume. Nur 13 Prozent glauben, Deutschland tue in diesem Bereich genug. Zudem sorgen sich 74 Prozent, dass extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Trockenheit und Hochwasser in den kommenden Jahren deutlich häufiger auftreten könnten. 25 Prozent teilen diese Sorge nicht.
Die Forschungsgruppe Wahlen befragte für die aktuelle Erhebung vom 28. bis 30. Juli 2026 insgesamt 1.405 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. Die Interviews wurden telefonisch und online geführt. Berücksichtigt wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern. Nach Angaben der Forschungsgruppe ist die Untersuchung repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der statistische Fehlerbereich liegt bei Ergebnissen um 40 Prozent bei ungefähr drei Prozentpunkten. Bei Werten um 10 Prozent beträgt er etwa zwei Punkte. Umfragen bilden daher eine aktuelle Stimmung ab und sind keine Vorhersage eines Wahlergebnisses.
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