
Wenige Monate vor dem Start nimmt der Wettbewerb um das Altersvorsorgedepot 2027 deutlich Fahrt auf. Banken, Broker und Fondshäuser bereiten Produkte vor, erste Anbieter werben bereits mit kostenlosen Depots, entfallenden Ordergebühren oder zeitweise erstatteten ETF-Kosten. Auch die Deutsche Bank positioniert sich für die neue staatlich geförderte private Altersvorsorge. Konkrete Preise und klar benannte eigene Depotvarianten hat das Institut bislang allerdings nicht veröffentlicht. Andere Wettbewerber sind bei ihren Konditionen bereits weiter.
Das neue Altersvorsorgedepot ist Teil der grundlegenden Reform der geförderten privaten Altersvorsorge. Der Bundestag beschloss die Neuregelung im März 2026, der Bundesrat stimmte am 8. Mai zu. Ende Mai trat die Reform in Kraft. Neue Verträge können ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Damit öffnet Deutschland die staatliche Altersvorsorgeförderung erstmals umfassend für Wertpapierdepots ohne verpflichtende Kapitalgarantie.
Die Förderung unterscheidet sich deutlich vom bisherigen Riester-System. Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr zahlt der Staat künftig 50 Cent Grundzulage je selbst eingezahltem Euro. Auf die folgenden bis zu 1.440 Euro gibt es 25 Cent je Euro. Wer insgesamt 1.800 Euro pro Jahr einzahlt, erreicht damit die maximale Grundzulage von 540 Euro. Voraussetzung für die Grundzulage ist grundsätzlich ein Eigenbeitrag von mindestens 120 Euro jährlich.
Für Kinder kommt eine zusätzliche Zulage hinzu. Ein zulageberechtigter Elternteil erhält bis zu einem Eigenbeitrag von 300 Euro einen Euro Kinderzulage je selbst eingezahltem Euro. Maximal sind damit 300 Euro pro Kind und Jahr möglich. Wer zu Beginn des Beitragsjahres noch keine 25 Jahre alt ist und die Voraussetzungen erfüllt, kann zudem einmalig einen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro erhalten.
Insgesamt dürfen jährlich bis zu 6.840 Euro in einen solchen Altersvorsorgevertrag eingezahlt werden. Die direkte Zulagenförderung reicht allerdings nur bis zu 1.800 Euro Eigenbeitrag. Beiträge und Zulagen können zudem im Rahmen des Sonderausgabenabzugs berücksichtigt werden. Das Finanzamt prüft dabei, ob sich über die Zulagen hinaus ein zusätzlicher steuerlicher Vorteil ergibt.
Neu ist außerdem der erweiterte Kreis der Förderberechtigten. Neben vielen Arbeitnehmern werden künftig grundsätzlich auch bestimmte Selbstständige und Freiberufler sowie Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke einbezogen.
Der wesentliche Unterschied zur klassischen Riester-Rente liegt in der Kapitalanlage. Ein Altersvorsorgedepot darf ohne Garantie angeboten werden. Das ermöglicht Investments etwa in zugelassene ETFs und Fonds. Damit können Anleger stärker an den Kapitalmärkten teilnehmen, tragen aber zugleich das Risiko von Kursschwankungen und Verlusten. Eine bestimmte Rendite ist nicht garantiert.
Während der Ansparphase werden Wertsteigerungen und Erträge innerhalb des geförderten Vertrags nicht laufend besteuert. Die Besteuerung erfolgt grundsätzlich erst bei der späteren Auszahlung. Für geförderte Beiträge, Zulagen und die darauf entfallenden Erträge gilt die nachgelagerte Besteuerung.
Neben frei ausgestalteten Altersvorsorgedepots sieht das Gesetz ein sogenanntes Standarddepot vor. Dieses soll mit weitgehend voreingestellter Geldanlage besonders einfach nutzbar sein. Für das Standardprodukt sind die Effektivkosten gesetzlich auf durchschnittlich höchstens 1,0 Prozent pro Jahr begrenzt. Anbieter geförderter Altersvorsorgeprodukte müssen ein eigenes Standardprodukt oder das Standardprodukt eines Kooperationspartners zugänglich machen.
Wie intensiv der Wettbewerb bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart geworden ist, zeigen die jüngsten Ankündigungen der Onlinebroker. Flatex stellte am 24. September drei geplante Modelle vor: Standarddepot Core, Standarddepot Plus und das frei gestaltbare Altersvorsorgedepot Flex. Beim Standarddepot Core sollen weder Depot- noch Vertragsgebühren oder Orderprovisionen für Sparpläne und Einmalanlagen anfallen. Flatex kündigte zudem an, die laufenden Produktkosten der verwendeten Anlagen mindestens fünf Jahre lang zu erstatten. Danach sollen die laufenden Produktkosten dieses Modells maximal 0,07 Prozent jährlich betragen.
Smartbroker+ hat ebenfalls konkrete Konditionen vorgelegt. Das Unternehmen plant drei Varianten seines Standarddepots auf Basis der Aktienindizes MSCI World, MSCI ACWI und FTSE All-World sowie zusätzlich ein frei gestaltbares Altersvorsorgedepot. Für das Standarddepot nennt der Anbieter keine Depot-, Sparplan- oder eigenen Orderprovisionen. Die laufenden ETF-Kosten sollen nach den veröffentlichten Bedingungen zunächst drei Jahre lang erstattet werden. Für eine Erstattung über diesen Zeitraum hinaus gelten zusätzliche Voraussetzungen.
Scalable Capital unterscheidet ebenfalls zwischen einer Standardlösung und einem Modell für Anleger, die selbst entscheiden möchten. Konto, Depot, Sparpläne sowie Ein- und Auszahlungen werden nach den bislang veröffentlichten Konditionen mit null Euro ausgewiesen. Für ausgewählte ETFs im Standardmodell nennt Scalable für 2027 laufende Produktkosten von null Prozent. Das Unternehmen weist zugleich darauf hin, dass unter anderem Spreads, weitere Produktkosten oder Zuwendungen anfallen können und die Aktion für ausgewählte ETFs zeitlich begrenzt ist.
Auch comdirect, eine Marke der Commerzbank, hat mehrere Modelle angekündigt. Geplant sind ein Standard-Altersvorsorgedepot mit vorausgewählten Lösungen und ein allgemeines Altersvorsorgedepot mit größerer Freiheit bei der Auswahl von ETFs und Fonds. Zusätzlich nennt comdirect die geplante Frühstart-Rente. Konkrete Kosten der Altersvorsorgedepots sollen erst vor dem Marktstart veröffentlicht werden. Für bestimmte Interessenten hat die Bank außerdem eine Early-Bird-Prämie von 50 Euro angekündigt, die an mehrere Bedingungen geknüpft ist.
Damit unterscheiden sich die Ankündigungen erheblich. Manche Häuser veröffentlichen bereits detaillierte Gebührenmodelle, während andere zunächst nur Produktstrukturen oder Wartelisten präsentieren.
Die Deutsche Bank hat eine eigene Informationsseite zum Altersvorsorgedepot eingerichtet und dort auch einen Förderrechner veröffentlicht. Das Institut erläutert die Grundzulage von bis zu 540 Euro, die Kinderzulage von bis zu 300 Euro und den möglichen Berufseinsteigerbonus. Außerdem verweist die Bank auf Investments in Fonds und ETFs sowie auf die Möglichkeit, bestehendes Riester-Guthaben künftig in die neue Produktwelt zu übertragen.
Nicht veröffentlicht sind bislang jedoch ein endgültiges Preisverzeichnis für ein Deutsche-Bank-Altersvorsorgedepot, konkrete Effektivkosten oder eine klar abgegrenzte Reihe eigener Depotmodelle. Auch eine öffentlich nachvollziehbare Zertifizierung eines konkreten Produkts lag zuletzt noch nicht vor. Die Aussage, die Deutsche Bank trete bereits mit mehreren fertig ausgestalteten Modellen in den Wettbewerb ein, geht deshalb über den derzeit öffentlich dokumentierten Stand hinaus.
Für Sparer werden beim Vergleich mehrere Kostenebenen relevant. Neben möglichen Depot- und Vertragsgebühren können Orderkosten, laufende Kosten der ETFs oder Fonds sowie Spreads das Ergebnis beeinflussen. Zeitlich begrenzte Erstattungen oder Null-Euro-Aktionen sind ebenfalls von dauerhaft geltenden Konditionen zu unterscheiden.
Hinzu kommen Unterschiede bei der Auswahl der verfügbaren Wertpapiere. Ein Standarddepot arbeitet weitgehend mit vorgegebenen Anlagen und automatisierten Einstellungen. Freie Altersvorsorgedepots können mehr Entscheidungsspielraum bieten, setzen aber auch voraus, dass Anleger ihre Auswahl selbst treffen.
Ein bestehender Riester-Vertrag muss wegen der Reform nicht gekündigt werden. Altverträge genießen Bestandsschutz und können grundsätzlich weitergeführt werden. Ein Wechsel in einen neuen Vertrag ist möglich, ohne dass allein wegen der Übertragung die bisher erhaltene Förderung zurückgezahlt werden muss. Allerdings können beim Wechsel Kosten entstehen.
Auch das Geld im Altersvorsorgedepot bleibt grundsätzlich für die Altersvorsorge gebunden. Die Auszahlungsphase kann regulär zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr beginnen. Neben einer lebenslangen Rente lässt die Reform auch langfristige Auszahlungspläne zu. Zu Beginn der Auszahlungsphase können bis zu 30 Prozent des vorhandenen Kapitals unter den gesetzlichen Voraussetzungen förderunschädlich als Einmalbetrag entnommen werden.
Mit dieser Konstruktion rückt Deutschland bei der privaten Altersvorsorge stärker in Richtung kapitalmarktbasierter Systeme, wie sie international bereits verbreitet sind. Anders als bei einem normalen Wertpapierdepot verbindet das deutsche Modell den Kapitalmarktzugang jedoch mit staatlichen Zulagen, steuerlicher Förderung, einer Zertifizierung der Verträge und gesetzlichen Vorgaben für die spätere Verwendung des Geldes.
Für den Wettbewerb der Anbieter beginnt damit schon Monate vor dem Start eine entscheidende Phase. Die ersten Null-Euro-Angebote setzen Preisanker. Wie hoch die tatsächlichen Gesamtkosten der verschiedenen Altersvorsorgedepots langfristig ausfallen, wird sich jedoch erst beurteilen lassen, wenn die endgültigen Vertragsbedingungen, Produktkosten und zertifizierten Angebote für 2027 vollständig vorliegen.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu