DAX-Konzerne verlieren im europäischen Vergleich besonders viele Jobs

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Symbolbild: Evan Wise

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Bei Deutschlands größten börsennotierten Konzernen ist die Zahl der Beschäftigten stärker zurückgegangen als bei vergleichbaren Großunternehmen in Frankreich, Italien und Spanien. Das zeigt das neue Employment Barometer der Beratungsgesellschaft EY-Parthenon. Demnach lag die weltweite Beschäftigtenzahl der untersuchten DAX-Konzerne zuletzt bei rund 4,06 Millionen Menschen. Im Vergleichszeitraum waren es zuvor etwa 4,10 Millionen. Der Rückgang lag damit bei rund 47.700 Beschäftigten beziehungsweise 1,2 Prozent.

Für die Untersuchung wertete EY-Parthenon Nachhaltigkeitsberichte von insgesamt 155 börsennotierten Unternehmen aus. Berücksichtigt wurden Konzerne aus dem DAX 40 in Deutschland, dem CAC 40 in Frankreich, dem FTSE MIB 40 in Italien sowie dem IBEX 35 in Spanien. Damit beschreibt die Analyse die Entwicklung großer börsennotierter Unternehmen und nicht die Beschäftigung in den vier Volkswirtschaften insgesamt.

Italienische und spanische Großkonzerne bauen Beschäftigung auf

Im direkten Vergleich fällt die Entwicklung bei den deutschen Unternehmen deutlich schwächer aus. Während die weltweite Beschäftigung der untersuchten DAX-Konzerne um 1,2 Prozent sank, lag der Rückgang bei den französischen Unternehmen bei lediglich 0,2 Prozent. Die Konzerne aus Italien und Spanien verzeichneten dagegen jeweils ein Plus von 0,9 Prozent. In Italien kamen nach Berechnungen von EY-Parthenon rund 10.900 Beschäftigte hinzu, bei den spanischen Unternehmen waren es etwa 11.600.

Allerdings baute weiterhin eine knappe Mehrheit der deutschen Konzerne Beschäftigung auf. Bei 54 Prozent der untersuchten DAX-Unternehmen nahm die weltweite Mitarbeiterzahl zu. Bei den französischen Konzernen lag dieser Anteil bei 55 Prozent, bei den italienischen und spanischen Unternehmen jeweils bei 65 Prozent. Der Rückgang in Deutschland konzentriert sich damit insbesondere auf größere Unternehmen mit vergleichsweise hohen Beschäftigtenzahlen.

Dieses Muster zeigt sich besonders deutlich beim Blick auf die Unternehmensgröße. Europaweit erhöhte sich die Beschäftigung bei Unternehmen mit weniger als 25.000 Mitarbeitern um 0,7 Prozent. Bei Unternehmen mit mehr als 100.000 Beschäftigten lag sie dagegen 0,3 Prozent niedriger. Bei den mittelgroßen Konzernen lag der Rückgang bei 0,4 Prozent.

In Deutschland war der Unterschied noch ausgeprägter. Von den kleineren DAX-Unternehmen steigerten 69 Prozent ihre Beschäftigtenzahl. In dieser Gruppe lag das Wachstum insgesamt bei 3,5 Prozent. Unter den deutschen Unternehmen mit mehr als 100.000 Beschäftigten reduzierten dagegen 69 Prozent ihre Belegschaft. Insgesamt lag deren Beschäftigung 1,1 Prozent niedriger.

DAX-Konzerne bauen auch in Deutschland Stellen ab

Der Beschäftigungsrückgang deutscher Konzerne beschränkt sich nicht auf Auslandsstandorte. Bei den DAX-Unternehmen sank die Zahl der Beschäftigten in Deutschland um 1,0 Prozent. Bei französischen Unternehmen fiel der Rückgang am jeweiligen Heimatstandort mit 1,4 Prozent sogar noch stärker aus. Spanische Unternehmen erhöhten ihre Beschäftigtenzahl im eigenen Land dagegen um 1,8 Prozent.

Außerhalb Deutschlands lag der Beschäftigungsrückgang der DAX-Konzerne bei 1,3 Prozent. Italienische Unternehmen entwickelten sich auch hier in die andere Richtung. Bei ihnen lag die Zahl der Beschäftigten im Ausland 1,9 Prozent höher. Nach Angaben von EY-Parthenon arbeiten rund 37 Prozent der weltweit bei DAX-Konzernen Beschäftigten in Deutschland.

Auch über alle untersuchten europäischen Unternehmen hinweg zeigt sich eine regionale Verschiebung. Europa ist zwar weiterhin mit einem Anteil von 60 Prozent der mit Abstand wichtigste Beschäftigungsstandort der ausgewerteten Konzerne. Die Mitarbeiterzahl lag dort jedoch 1,1 Prozent niedriger. In Nordamerika nahm sie dagegen um 0,5 Prozent zu, in der Region Asien-Pazifik um 0,2 Prozent.

Konsumgüter und Pharma verlieren, Rüstung wächst

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Branchen. Von 19 untersuchten Wirtschaftszweigen verzeichneten zehn steigende Beschäftigtenzahlen. Das stärkste Wachstum gab es in der Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie. Dort lag das Beschäftigungsplus bei 4,3 Prozent. Auch Unternehmen aus den Bereichen Kapitalgüter und Informationstechnologie erhöhten ihre Beschäftigung.

Am anderen Ende der Entwicklung standen Konsumgüterunternehmen. Dort lag die Beschäftigung 4,5 Prozent niedriger. In der Pharma- und Life-Sciences-Branche lag das Minus bei 4,0 Prozent. In der Automobilindustrie zeigt die Analyse zugleich eine geografische Verschiebung. An den jeweiligen Heimatstandorten sank die Beschäftigung um rund vier Prozent, während sie im Ausland um rund ein Prozent zunahm.

EY-Parthenon führt die Entwicklung bei deutschen Großkonzernen unter anderem auf schwache Konjunktur, hohe Kosten, internationalen Wettbewerbsdruck und laufende Restrukturierungen zurück. Die Beratung verweist insbesondere auf die starke industrielle Prägung des DAX sowie auf die hohe internationale Präsenz großer deutscher Konzerne. Diese Aussagen sind Bewertungen von EY-Parthenon und keine eigenständige amtliche Ursachenanalyse.

Deutsche Industrie steht auch insgesamt unter Druck

Andere aktuelle Arbeitsmarktdaten stützen allerdings den Befund, dass die deutsche Industrie derzeit Beschäftigung verliert. Die Deutsche Bundesbank stellte in ihrem September-Monatsbericht fest, dass sich der Arbeitsplatzabbau im Verarbeitenden Gewerbe zuletzt fortgesetzt hat. Im Juli 2026 lag die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland saisonbereinigt bei 45,66 Millionen Menschen und damit um 14.000 niedriger als im Vormonat. Zugleich sah die Bundesbank erste Hinweise darauf, dass sich der Beschäftigungsabbau in der Industrie verlangsamen könnte.

Auch das ifo Institut meldete zuletzt eine leichte Verbesserung der Personalplanungen. Das ifo Beschäftigungsbarometer stieg im August auf 94,8 Punkte, nach 93,0 Punkten im Juli. Damit erreichte es den höchsten Stand seit Mai 2025. ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser ordnete die Entwicklung als leichte Aufwärtsbewegung ein, wies aber zugleich darauf hin, dass unter dem Strich weiterhin Arbeitsplätze abgebaut werden. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe überwogen trotz der Verbesserung noch die Pläne zum Stellenabbau.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erwartet ebenfalls keine schnelle Trendwende bei der Gesamtbeschäftigung. Nach seiner am 24. September veröffentlichten Prognose sinkt die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt 2026 um 210.000 Personen. Für 2027 erwartet das IAB einen weiteren Rückgang um 140.000. Neben der konjunkturellen Entwicklung spielt dabei zunehmend die Demografie eine Rolle. Das Erwerbspersonenpotenzial soll nach der IAB-Prognose 2026 erstmals um 70.000 Menschen zurückgehen.

Hinzu kommt eine schwächere Nachfrage nach neuen Arbeitskräften. Im zweiten Quartal 2026 gab es nach der IAB-Stellenerhebung rund eine Million offene Stellen. Das waren etwa 129.800 weniger als im ersten Quartal und rund 35.000 weniger als ein Jahr zuvor. IAB-Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis verwies darauf, dass die Arbeitskräftenachfrage, abgesehen von den Corona-Lockdowns, seit 2016 nicht mehr so niedrig gelegen hatte.

DAX-Zahlen sind kein Abbild des gesamten Arbeitsmarkts

Die EY-Parthenon-Zahlen zeigen damit vor allem, wie stark der Anpassungsdruck derzeit bei großen internationalen Konzernen ist. Für den gesamten deutschen Arbeitsmarkt lassen sie sich nicht unmittelbar übertragen. Während Industrieunternehmen und große Konzerne Stellen reduzieren, entstehen in Teilen des Dienstleistungssektors weiterhin Arbeitsplätze.

Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt zudem, dass langfristiger Strukturwandel nicht zwingend bedeutet, dass vergleichbare Tätigkeiten vollständig verschwinden. Zwischen 1975 und 2019 gingen im Verarbeitenden Gewerbe rund 1,53 Millionen produktionsnahe Arbeitsplätze verloren. Gleichzeitig entstanden im Dienstleistungssektor rund 1,03 Millionen Stellen mit ähnlichen Tätigkeitsprofilen. Nach Berechnungen des DIW wurden damit rund 68 Prozent des Rückgangs ausgeglichen.

Kurzfristig bleibt die Entwicklung bei Deutschlands großen Industrieunternehmen dennoch schwach. Bereits für das zweite Quartal 2026 hatte EY bei den DAX-Konzernen einen Beschäftigungsrückgang von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ermittelt. Ende Juni lag die Beschäftigtenzahl der damals ausgewerteten Unternehmen bei rund 3,49 Millionen Menschen, rund 41.000 weniger als ein Jahr zuvor. Besonders stark wirkte sich dabei der Personalabbau in der Automobilindustrie aus.

Das neue Employment Barometer erweitert diesen Befund nun um den europäischen Vergleich. Während große Unternehmen in Italien und Spanien zuletzt zusätzliche Beschäftigung meldeten und die französischen Konzerne nur einen leichten Rückgang verzeichneten, lag das Minus bei den untersuchten deutschen DAX-Konzernen deutlich höher.

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