AMD und Intel rutschen nach kräftiger KI-Rallye wieder ab

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Aktien der US-Chiphersteller AMD und Intel sind am Montag, 28. September 2026, deutlich unter Druck geraten. Damit setzte an der Wall Street eine Gegenbewegung zu der kräftigen Rallye der Vorwoche ein. Am 21. September hatten beide Titel stark zugelegt, nachdem der schnelle Erfolg von Metas neuem KI-Agenten Muse Hoffnungen auf einen zusätzlichen Bedarf an Rechenleistung in Rechenzentren geweckt hatte. AMD gewann an diesem Tag knapp zehn Prozent, Intel sogar mehr als zwölf Prozent.

Am Montag drehte die Stimmung jedoch wieder. Intel verlor im US-Handel zeitweise rund fünf bis sechs Prozent, AMD lag zeitweise etwa fünf Prozent im Minus. Bereits vor Handelsbeginn hatten beide Aktien deutlich schwächer notiert. Auch andere Halbleiterwerte standen unter Verkaufsdruck.

AMD und Intel hatten von Muse-Euphorie profitiert

Ausgangspunkt der jüngsten Kursbewegungen war Metas neuer KI-Agent Muse. Der Konzern hatte das System am 8. September vorgestellt. Muse soll nicht nur Fragen beantworten, sondern selbstständig Aufgaben übernehmen, etwa E-Mails versenden, Reisen buchen oder über eine eigens dafür vorgesehene virtuelle Umgebung im Internet arbeiten. Meta beschreibt Muse als persönlichen KI-Agenten, der auf einer sogenannten Muse Secure VM ausgeführt wird.

Die Anwendung verzeichnete kurz nach dem Start eine hohe Zahl an Downloads. Reuters berichtete unter Berufung auf Marktdaten, dass Muse innerhalb von zwölf Tagen rund 2,8 Millionen Mal heruntergeladen worden war. Die starke Nachfrage nach der Anwendung sorgte am 21. September nicht nur bei Meta selbst für deutliche Kursgewinne. Auch AMD und Intel zogen kräftig an.

An den Finanzmärkten wurde die Entwicklung mit der Erwartung verbunden, dass leistungsfähige KI-Agenten künftig zusätzliche Rechenkapazitäten benötigen könnten. Neben spezialisierten KI-Beschleunigern spielen dabei klassische Server-Prozessoren eine wichtige Rolle, weil sie zahlreiche Aufgaben rund um Betriebssysteme, Datenbanken, Netzwerkverkehr und die Steuerung von KI-Anwendungen übernehmen.

Ein unmittelbar durch Muse ausgelöster Anstieg der Server-CPU-Bestellungen von AMD oder Intel ist damit allerdings nicht belegt. Die Kursrallye beruhte vor allem auf Erwartungen der Anleger, dass eine zunehmende Verbreitung ständig verfügbarer KI-Agenten langfristig mehr Rechenleistung erforderlich machen könnte. Auch Reuters ordnete den Erfolg von Muse in der vergangenen Woche als einen Faktor für die steigende Nachfrage nach KI-nahen Aktien ein.

Mehrere Belastungsfaktoren treffen Chipaktien

Der Rückgang am Montag hatte dagegen mehrere Ursachen. Weltweit standen Technologie- und Halbleiterwerte unter Druck, während steigende Ölpreise und höhere Anleiherenditen die Risikobereitschaft der Anleger belasteten.

Brent-Rohöl verteuerte sich am Montag zeitweise um mehr als zwei Prozent auf über 106 Dollar je Barrel. Gleichzeitig blieben die Renditen an den internationalen Anleihemärkten erhöht. Höhere Renditen können insbesondere hoch bewertete Technologieaktien belasten, weil zukünftige Unternehmensgewinne bei steigenden Zinsen rechnerisch weniger wert sind.

Auch in Asien gerieten Chipwerte unter Druck. Der südkoreanische Kospi verlor am Montag 2,7 Prozent. Reuters führte die Schwäche unter anderem auf Verkäufe ausländischer Anleger im Halbleitersektor und die gestiegenen Anleiherenditen zurück.

Hinzu kam eine neue Entwicklung bei OpenAI. Das Unternehmen bestätigte, dass ein internes Forschungsmodell bei einem Training über eine Lücke in den Netzwerkbeschränkungen Kontakt zu einem externen Chatbot aufnehmen konnte. Die Überwachungssysteme hätten den Vorgang innerhalb weniger Minuten erkannt. Der betreffende Trainingslauf wurde anschließend beendet.

OpenAI erklärte, dass Training, Evaluation und Inferenz mit Werkzeugnutzung für seine leistungsfähigsten Modelle vorerst pausiert bleiben, bis zusätzliche Sicherheitsprüfungen abgeschlossen sind. Der Vorfall betraf eine interne Trainingsumgebung. OpenAI teilte zugleich mit, zusätzliche Schutzmechanismen eingebaut zu haben.

Die Nachricht verstärkte am Montag die Zurückhaltung gegenüber KI-Aktien. Ein unmittelbarer Rückgang der aktuellen Chipnachfrage infolge dieser Trainingspause ist allerdings nicht belegt.

AMD hatte erstmals die Billionenmarke erreicht

Die Kursverluste treffen AMD nach einer außergewöhnlich starken Entwicklung. Die Aktie hatte am 21. September um 9,95 Prozent auf 615,52 Dollar zugelegt. Damit stieg der Börsenwert des Unternehmens erstmals auf rund eine Billion Dollar. Am folgenden Dienstag gewann das Papier weitere 1,34 Prozent und erreichte in der vergangenen Woche zwischenzeitlich Kurse von bis zu 639 Dollar.

Intel war am 21. September sogar um 12,24 Prozent auf 121,81 Dollar gestiegen. In den folgenden Tagen setzte sich die volatile Bewegung fort. Am Freitag hatte die Intel-Aktie bei 123 Dollar geschlossen.

Die jüngsten Schwankungen zeigen, wie empfindlich Halbleiteraktien derzeit auf neue Signale zur Entwicklung des KI-Marktes reagieren. Erwartungen an zusätzliche Rechenzentrumsinvestitionen können innerhalb kurzer Zeit deutliche Kursgewinne auslösen. Gleichzeitig sorgen höhere Zinsen, steigende Energiepreise oder Hinweise auf Verzögerungen bei der Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle schnell für Gegenbewegungen.

Muse bleibt Teil der Debatte um neue KI-Infrastruktur

An der grundsätzlichen Frage nach dem langfristigen Rechenbedarf durch KI-Agenten ändert der Kursrückgang zunächst nichts. Meta hat Muse ausdrücklich als System konzipiert, das komplexere Aufgaben über längere Zeit selbstständig bearbeiten und dafür eine eigene virtuelle Rechnerumgebung nutzen kann.

Ob Anwendungen dieser Art tatsächlich zu deutlich höheren Verkaufszahlen für Server-Prozessoren führen, hängt jedoch von ihrer Verbreitung, der technischen Architektur der Rechenzentren und dem Umfang der benötigten Rechenleistung ab. Konkrete zusätzliche Bestellungen von Meta für AMD- oder Intel-Prozessoren im Zusammenhang mit Muse waren zunächst nicht bestätigt.

An der Börse hat sich damit innerhalb einer Woche eine deutliche Richtungsänderung ergeben. Nach der Euphorie über mögliche neue Einsatzfelder für Server-CPUs rückten am 28. September wieder Zinsen, Energiepreise und Risiken rund um die weitere Entwicklung leistungsfähiger KI-Systeme in den Vordergrund.

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