
Der Goldpreis fällt deutlich zum Wochenstart. Am Montag, 28. September 2026, gerieten Gold und Silber international kräftig unter Verkaufsdruck. Während Gold zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Anfang August sank, fiel Silber noch stärker. Belastet wurden die Edelmetalle unter anderem von steigenden Ölpreisen, wachsenden Inflationserwartungen, höheren US-Anleiherenditen und der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen in den Vereinigten Staaten.
Der Spotpreis für Gold lag nach Reuters-Daten um 18:02 Uhr deutscher Zeit bei 4.121,58 US-Dollar je Feinunze. Das entsprach einem Minus von 3,8 Prozent gegenüber dem vorherigen Handelstag. Im Tagesverlauf war der Preis bis auf 4.110,55 Dollar gefallen. Damit erreichte Gold den niedrigsten Stand seit dem 5. August. Die US-Goldfutures verloren zur gleichen Zeit 3,9 Prozent und wurden bei 4.153,70 Dollar gehandelt.
Auch Silber stand erheblich unter Druck. Ein Marktstand von 17:53 Uhr deutscher Zeit wies für Spot-Silber einen Preis von rund 60,90 Dollar je Feinunze aus. Gegenüber dem vorherigen Schlusskurs bedeutete dies einen Rückgang von rund 5,3 Prozent. Gold wurde zum selben Zeitpunkt bei rund 4.116,80 Dollar geführt und lag knapp 3,9 Prozent im Minus.
Ein wichtiger Belastungsfaktor war am Montag erneut der Ölmarkt. Die internationalen Rohölpreise legten deutlich zu. Brent-Rohöl verteuerte sich im frühen europäischen Handel zeitweise um rund 2,5 Prozent auf knapp 107 Dollar je Barrel. Hintergrund waren neue Spannungen um die Gespräche zwischen den USA und Iran sowie die weiterhin unsichere Lage rund um die Straße von Hormus.
Reuters bezifferte den Ölpreisanstieg später auf rund drei Prozent. Höhere Energiepreise können die allgemeine Teuerung verstärken, weil sie Transport, Produktion und zahlreiche weitere Wirtschaftsbereiche verteuern. Am Finanzmarkt erhöhte dies am Montag die Erwartung, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihre Geldpolitik länger straff halten oder die Zinsen weiter anheben könnte.
Das wirkt auf Gold in zwei Richtungen. Zwar gilt das Edelmetall langfristig häufig als Absicherung gegen einen Kaufkraftverlust. Steigende Zinsen erhöhen jedoch gleichzeitig die Attraktivität verzinslicher Anlagen. Gold selbst wirft weder Zinsen noch regelmäßige Erträge ab. Höhere Renditen am Anleihemarkt können deshalb die Opportunitätskosten einer Goldanlage erhöhen.
Die Erwartung weiterer Zinsschritte hatte sich zuletzt deutlich verstärkt. Nach den von Reuters zitierten Daten des CME FedWatch Tools wurde am Montag eine Wahrscheinlichkeit von rund 94 Prozent für eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve im Dezember eingepreist. Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins bereits im September um 0,25 Prozentpunkte angehoben und weitere Straffungen in Aussicht gestellt.
Auch Äußerungen von US-Notenbankern hatten die Erwartungen an eine länger restriktive Geldpolitik zuvor gestützt. St. Louis Fed-Präsident Alberto Musalem hatte am 21. September erklärt, dass wahrscheinlich weitere Zinserhöhungen notwendig seien, um den anhaltenden Preisdruck einzudämmen. Als Belastungen nannte er neben Energiepreisen auch höhere Import- und Rohstoffkosten.
Die geldpolitische Lage ist damit ein wesentlicher Unterschied zu Phasen, in denen hohe Inflation automatisch steigende Goldpreise begünstigt. Wenn Marktteilnehmer davon ausgehen, dass eine Zentralbank auf höhere Inflation mit zusätzlichen Zinserhöhungen reagiert, kann dieser Zinseffekt die klassische Rolle von Gold als Inflationsschutz zeitweise überlagern.
Neben den Zinserwartungen belasteten am Montag steigende Renditen amerikanischer Staatsanleihen den Edelmetallmarkt. Gleichzeitig bewegte sich der US-Dollar in der Nähe eines Zweimonatshochs. Beide Entwicklungen gelten üblicherweise als Gegenwind für Gold.
Ein stärkerer Dollar verteuert das in US-Dollar gehandelte Edelmetall für Käufer, die in Euro, Yen oder anderen Währungen rechnen. Höhere Anleiherenditen wiederum machen verzinsliche Alternativen attraktiver. Treffen beide Faktoren gleichzeitig auf einen Markt, kann der Druck auf Gold entsprechend stärker ausfallen.
Bereits in der vergangenen Woche hatte sich diese Konstellation abgezeichnet. Am 23. September war Gold um mehr als ein Prozent gefallen, nachdem Aussagen mehrerer Fed-Vertreter Erwartungen weiterer Zinserhöhungen gestärkt hatten. Damals erreichte der Dollar bereits ein Zweimonatshoch. Auch Silber, Platin und Palladium gaben nach.
Der deutlich stärkere Rückgang bei Silber ist nicht ungewöhnlich. Silber wird zwar ebenfalls als Edelmetall gehandelt, besitzt aber zugleich eine ausgeprägte industrielle Nachfrage. Dadurch reagiert der Preis häufig stärker auf Veränderungen der Konjunktur-, Zins- und Rohstofferwartungen.
Am Montag fiel Spot-Silber zeitweise um mehr als fünf Prozent. Marktstände bewegten sich am späten Nachmittag deutscher Zeit um 61 Dollar je Feinunze. Damit verlief die Abwärtsbewegung noch dynamischer als bei Gold.
Auch andere Edelmetalle standen unter Druck. Reuters meldete für Platin einen Rückgang von 3,6 Prozent auf 1.714,04 Dollar je Feinunze und für Palladium ein Minus von 4,1 Prozent auf 1.215,25 Dollar. Der Verkaufsdruck beschränkte sich damit nicht allein auf Gold.
Für die weitere Entwicklung dürften in dieser Woche mehrere US-Konjunkturdaten eine wichtige Rolle spielen. Erwartet werden unter anderem Zahlen zu offenen Stellen, der ADP-Arbeitsmarktbericht, Daten zu den persönlichen Konsumausgaben sowie der offizielle US-Arbeitsmarktbericht. Insbesondere die Inflationskomponente der persönlichen Konsumausgaben gilt als wichtige Kennzahl für die Federal Reserve.
Überraschend starke Inflations- oder Arbeitsmarktdaten könnten Erwartungen weiterer Zinserhöhungen verstärken. Schwächere Daten könnten dagegen die Einschätzung des künftigen Zinskurses verändern. Entsprechend sensibel reagieren derzeit neben Anleihen und Devisen auch Gold und Silber auf neue Wirtschaftsdaten.
Der kräftige Rückgang vom Montag bedeutet deshalb vor allem eine deutliche Neubewertung der kurzfristigen Zins- und Inflationsaussichten am Markt. Ob sich die Verluste fortsetzen oder teilweise wieder aufgeholt werden, hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter Energiepreise, US-Zinsen, Dollarentwicklung und neue Konjunkturdaten. Eine Aussage über die künftige Preisentwicklung oder eine Anlageempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.






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