Kriegsangst und Wehrdienst: Leon Windscheid trifft junge Menschen vor einer schwierigen Entscheidung

Lecker aufs Land heute im SWR: Folge 104 aus dem Landkreis Rottweil
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Der Krieg in der Ukraine, die Diskussion um den Wehrdienst und die Frage nach der eigenen Verantwortung beschäftigen viele junge Menschen in Deutschland. In der ZDF-Dokumentation Angstthema Krieg: Kämpfst du? untersucht Psychologe Leon Windscheid, wie Menschen mit der Vorstellung eines Krieges umgehen und weshalb ihre Antworten auf die Frage nach einer möglichen Verteidigung Deutschlands so unterschiedlich ausfallen. Die neue Folge der Wissenschaftsreihe Terra Xplore läuft am Sonntag, 11. Oktober 2026, um 17.10 Uhr im ZDF.

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ZDF-Dokumentation zeigt einen 22-jährigen Bundeswehrsoldaten

Im Mittelpunkt der Dokumentation steht unter anderem Connor. Der 22-Jährige absolviert seine Grundausbildung bei der Bundeswehr und hat für sich entschieden, Deutschland im Falle eines militärischen Angriffs auch mit der Waffe verteidigen zu wollen. Seine Beweggründe hängen insbesondere mit der Sicherheit der Menschen in Deutschland und Europa zusammen.

Leon Windscheid begleitet den jungen Soldaten bei einer anspruchsvollen Abschlussübung seiner Ausbildung. Dabei geht es nicht allein um die körperlichen und militärischen Anforderungen, sondern auch um die persönliche Entscheidung, im Ernstfall Verantwortung zu übernehmen.

Connor beschäftigt sich auch mit der Möglichkeit, bei einem militärischen Einsatz sein Leben zu verlieren oder selbst tödliche Gewalt anwenden zu müssen. Die Dokumentation zeigt damit, dass die Entscheidung für den Militärdienst weit über die grundsätzliche Zustimmung zur Landesverteidigung hinausgeht.

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Windscheid stellt dieser Haltung andere Perspektiven gegenüber. Denn zwischen der Unterstützung der Bundeswehr und der persönlichen Bereitschaft, an einem Krieg teilzunehmen, bestehen erhebliche Unterschiede.

Leon Windscheid untersucht die psychologischen Folgen von Kriegsangst

Die Dokumentation richtet den Blick besonders auf die psychologischen Reaktionen auf militärische Bedrohungen. Dafür spricht Windscheid mit der Sozialpsychologin Professorin Eva Jonas von der Universität Salzburg.

Sie beschäftigt sich damit, wie Menschen auf existenzielle Gefahren reagieren und weshalb Bedrohungssituationen gesellschaftliche Gegensätze verstärken können. Eine wichtige Rolle spielen dabei die eigene Wahrnehmung von Sicherheit, persönliche Überzeugungen und die Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppen.

Die Sendung geht der Frage nach, weshalb manche Menschen angesichts einer Bedrohung stärker zum Zusammenhalt und zur Verteidigung bereit sind, während andere militärische Auseinandersetzungen grundsätzlich ablehnen.

Dabei steht nicht nur die Angst vor einem Krieg im Mittelpunkt. Auch der Umgang mit Unsicherheit und die Vorstellung davon, welche Verpflichtungen Menschen gegenüber ihrem Land haben, werden thematisiert.

Wehrdienst und Verteidigungsbereitschaft spalten die Meinungen

Ein weiterer Bestandteil der Sendung ist ein Sozialexperiment, bei dem Menschen mit unterschiedlichen Positionen zusammentreffen. Dazu gehören Befürworter und Gegner einer Wehrpflicht, Reservisten sowie Menschen mit persönlichen Kriegserfahrungen.

Ein Teilnehmer ist Phil, der militärische Gewalt ablehnt und auf diplomatische Lösungen setzt. Marius vertritt dagegen die Ansicht, dass eine Wehrpflicht auch dazu beitragen könne, gegenüber Russland und anderen Staaten militärische Stärke zu demonstrieren.

Damit greift die Dokumentation eine gesellschaftliche Auseinandersetzung auf, die in Deutschland seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 erheblich an Bedeutung gewonnen hat.

Eine wichtige Unterscheidung betrifft die Bereitschaft, die Landesverteidigung grundsätzlich zu unterstützen, und die Entscheidung, selbst Soldatin oder Soldat zu werden. Beide Einstellungen müssen nicht übereinstimmen.

Das zeigt auch eine Bevölkerungsbefragung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr aus dem Jahr 2026. Demnach befürworten 94 Prozent der Befragten die Abwehr eines militärischen Angriffs auf Deutschland als Aufgabe der Bundeswehr. Gleichzeitig erklärten 59 Prozent, dass sie den Neuen Wehrdienst für notwendig halten.

Bei den 16- bis 29-Jährigen ohne militärische Erfahrung äußerten 34 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen ein mittleres bis sehr starkes Interesse am freiwilligen Neuen Wehrdienst. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass gesellschaftliche Zustimmung zur Verteidigung nicht automatisch mit persönlicher Bereitschaft zum Militärdienst gleichzusetzen ist.

Eine Mutter berichtet vom Tod ihrer Tochter in der Ukraine

Zu den bewegenden Begegnungen der Sendung gehört das Gespräch mit Ula. Ihre Tochter Savita war als deutsche Freiwillige in der Ukraine im Einsatz und arbeitete dort als Frontsanitäterin.

Die 36-Jährige wurde am 31. Januar 2024 bei der Rettung von zwei Soldaten durch einen russischen Granatsplitter tödlich verletzt. Ihre Mutter hat später das Kriegstagebuch ihrer Tochter veröffentlicht.

In der Dokumentation schildert Ula die Beweggründe ihrer Tochter, die sich für die Verteidigung der Ukraine und demokratischer Werte eingesetzt hatte.

Die persönliche Geschichte ergänzt die Diskussion um Wehrdienst und Verteidigungsbereitschaft um die unmittelbaren menschlichen Folgen eines Krieges. Während andere Teilnehmer über politische Überzeugungen und mögliche Entscheidungen in einer hypothetischen Bedrohungslage sprechen, berichtet Ula von einem tatsächlichen Verlust.

Wie sich Deutschlands Verhältnis zur Bundeswehr verändert hat

Auch der gesellschaftliche Wandel spielt in der ZDF-Dokumentation eine wichtige Rolle. Der Soziologe Timo Graf vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr erläutert, wie sich Einstellungen zu Krieg und militärischer Sicherheit in Deutschland verändert haben.

Dabei wird der Bogen von der Friedensbewegung bis zur sogenannten Zeitenwende gespannt, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik geprägt hat.

Die Frage nach einem möglichen Krieg berührt damit unterschiedliche Generationen. Während ältere Menschen teilweise noch Erfahrungen mit der deutschen Teilung und dem Kalten Krieg verbinden, sind viele jüngere Erwachsene in einem Europa aufgewachsen, in dem ein großer zwischenstaatlicher Krieg lange kaum vorstellbar erschien.

Die aktuellen sicherheitspolitischen Veränderungen machen die Diskussion über militärische Verteidigung, persönliche Verantwortung und die Grenzen staatlicher Verpflichtungen erneut relevant.

Terra Xplore mit Leon Windscheid heute im ZDF und bereits online

Angstthema Krieg: Kämpfst du? ist Teil der Wissenschaftsreihe Terra Xplore, in der Psychologe Leon Windscheid gesellschaftliche und persönliche Fragen aus psychologischer Perspektive untersucht.

Die rund 44 Minuten lange Dokumentation wurde von Doclights für das ZDF produziert. Buch und Regie verantwortet Laila Keuthage. Die ZDF-Redaktion liegt bei Anne Hartmann, die Leitung der Sendung bei Swea Schilling.

Die Folge läuft am Sonntag, 11. Oktober 2026, um 17.10 Uhr im ZDF. Das vorgesehene Sendeende ist um 17.55 Uhr. Bereits seit dem 28. September steht die Dokumentation im Streamingangebot des ZDF zur Verfügung.

Die Sendung verbindet Erfahrungen aus der Bundeswehr, unterschiedliche gesellschaftliche Positionen und wissenschaftliche Erkenntnisse über den Umgang mit Bedrohungen. Im Mittelpunkt steht dabei eine Entscheidung, die für viele junge Menschen bislang theoretisch geblieben ist, durch den Krieg in Europa und die politische Diskussion über den Wehrdienst aber neue Bedeutung erhalten hat.

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