
Der chinesische Sportartikelkonzern Anta Sports hat seinen Einstieg beim deutschen Konkurrenten Puma abgeschlossen. Anta wird größter Puma-Aktionär und hält nun 29,06 Prozent an dem Unternehmen aus Herzogenaurach. Verkäufer ist die französische Artémis SAS, die Beteiligungsgesellschaft der Familie Pinault. Der Kaufpreis liegt bei rund 1,505 Milliarden Euro in bar. Neu ist dabei nicht die Vereinbarung selbst. Sie war bereits Ende Januar bekannt gegeben worden. Neu ist der am Mittwoch, 7. Oktober 2026, bestätigte Vollzug der Transaktion.
Anta bestätigte am Mittwoch, dass sämtliche relevanten regulatorischen Genehmigungen vorliegen und die üblichen Bedingungen für den Abschluss der Transaktion erfüllt seien. Damit ist der chinesische Konzern nun offiziell größter Anteilseigner von Puma. Der vereinbarte Kauf umfasst 43.014.760 Puma-Aktien. Anta hatte sich mit Artémis auf 35 Euro je Aktie verständigt. Daraus ergibt sich ein Gesamtpreis von 1.505.516.600 Euro vor Steuern. Die Mittel stammen nach früheren Angaben von Anta aus eigenen Barreserven.
Der Kaufpreis fließt dabei nicht an Puma, sondern an den bisherigen Großaktionär Artémis. Es handelt sich um den Verkauf bestehender Aktien zwischen zwei Anteilseignern und nicht um eine Kapitalerhöhung bei Puma. Für den Sportartikelhersteller bedeutet der Abschluss daher zunächst vor allem eine Veränderung seiner Eigentümerstruktur. Artémis verliert seinen großen Anteil, Anta übernimmt dessen Position und erhält damit erhebliches Gewicht unter den Puma-Aktionären.
Die Übernahme des Aktienpakets war grundsätzlich bereits seit dem 27. Januar 2026 bekannt. Damals hatte Anta mitgeteilt, mit Artémis einen Kaufvertrag über 29,06 Prozent der Puma-Aktien geschlossen zu haben. Der Vollzug stand jedoch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen und weiterer üblicher Abschlussbedingungen. Anta hatte seinerzeit mit einem Abschluss bis Ende 2026 gerechnet.
Die Meldung vom 7. Oktober ist deshalb mehr als eine Wiederholung der damaligen Ankündigung. Mit dem Closing wechselt das Aktienpaket nun tatsächlich den Eigentümer. Puma selbst bestätigte Anta am Mittwoch ausdrücklich als neuen größten Anteilseigner. Der chinesische Konzern bezeichnet die Beteiligung als Bestandteil seiner internationalen Expansionsstrategie und will nach eigenen Angaben insbesondere Kompetenzen aus den Bereichen Handel, operatives Geschäft und Mehrmarkenmanagement einbringen.
An der rechtlichen und operativen Eigenständigkeit von Puma soll sich durch den Einstieg nach den bisherigen Erklärungen nichts Grundlegendes ändern. Puma erklärte, weiterhin als unabhängig geführtes Unternehmen zu agieren. Anta betont ebenfalls, Markenidentität, Unternehmenskultur, Unternehmensführung und Autonomie von Puma respektieren zu wollen. Der chinesische Konzern bekräftigte am Mittwoch zudem seine bereits im Januar erklärte Absicht, eine angemessene Vertretung im Puma-Aufsichtsrat anzustreben.
Eine vollständige Übernahme ist damit derzeit nicht angekündigt. Anta erklärte am 7. Oktober erneut, aktuell kein Übernahmeangebot für Puma zu planen. Schon bei Bekanntgabe des Kaufvertrags im Januar hatte das Unternehmen diese Position vertreten. Dass Anta mit knapp 30 Prozent dennoch erheblichen Einfluss als größter Aktionär erhält, steht außer Frage. Konkrete zusätzliche gesellschaftsrechtliche Schritte über die angestrebte Aufsichtsratsvertretung hinaus wurden zunächst nicht angekündigt.
Der Einstieg erfolgt in einer wirtschaftlich anspruchsvollen Phase für Puma. Das Unternehmen bezeichnet 2026 selbst als Übergangsjahr und arbeitet an einer Neuausrichtung der Marke, des Vertriebs und seiner Kostenstruktur. Im zweiten Quartal sank der Umsatz währungsbereinigt um 9,4 Prozent auf rund 1,69 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag bei minus 53,1 Millionen Euro, nachdem ein Jahr zuvor minus 109,1 Millionen Euro ausgewiesen worden waren. Für das Gesamtjahr hält Puma bislang an der Prognose eines währungsbereinigten Umsatzrückgangs im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich fest.
Anta befindet sich dagegen auf Wachstumskurs. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte der Konzern seinen Umsatz nach eigenen Angaben um 12,9 Prozent auf 43,51 Milliarden Yuan. Zum Markenportfolio gehören neben Anta unter anderem Fila, Descente, Jack Wolfskin und Maia Active. Zudem ist Anta größter Anteilseigner des an der New Yorker Börse notierten Amer-Sports-Konzerns mit Marken wie Arc’teryx, Salomon, Wilson und Atomic. Mit Puma erweitert der chinesische Konzern seinen Einfluss im weltweiten Sportartikelmarkt noch einmal deutlich.
An der Börse fiel die unmittelbare Reaktion zunächst überschaubar aus. Um 13.03 Uhr, wenige Minuten nach Veröffentlichung der Puma-Mitteilung um 13 Uhr, wurde die Aktie mit 22,17 Euro und damit nahezu unverändert gegenüber dem Vergleichskurs ausgewiesen. Später zog der Kurs an. Um 13.26 Uhr zeigte eine Tradegate-Kursindikation von MarketScreener 22,54 Euro und damit ein Plus von 1,69 Prozent.
Aus dieser Bewegung lässt sich allerdings keine eindeutige Ursache ableiten. Der eigentliche Kaufvertrag und der Preis von 35 Euro je Puma-Aktie waren dem Markt bereits seit Januar bekannt. Am Mittwoch kam vor allem die Bestätigung hinzu, dass die notwendigen Freigaben erfolgt sind und die Transaktion tatsächlich abgeschlossen wurde. Der neue Großaktionär ist damit kein angekündigter künftiger Investor mehr, sondern hält das knapp 29,1 Prozent große Aktienpaket nun offiziell.
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