
Der Bundesrechnungshof übt deutliche Kritik an der Umsetzung und Finanzierung der Generalsanierungen im deutschen Schienennetz. Nach Einschätzung der Rechnungsprüfer fehlen für die milliardenschweren Investitionen teilweise belastbare Wirtschaftlichkeitsnachweise. Auch zugesagte Verbesserungen würden bislang nicht ausreichend erreicht. Das Bundesverkehrsministerium soll deshalb die Kontrolle der Sanierungsprojekte grundlegend verbessern.
Die Korridorsanierungen der Deutschen Bahn sollen stark beanspruchte Schienenstrecken langfristig zuverlässiger machen. Doch bei der wirtschaftlichen Bewertung der bisherigen Projekte sieht der Bundesrechnungshof erhebliche Defizite. Das geht aus einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor, der am Montag, 26. Oktober 2026, bekannt wurde.
Die bisherigen Berechnungen seien nach Einschätzung der Prüfer teilweise fehlerhaft und beruhten auf Annahmen, die nicht mehr zur tatsächlichen Entwicklung passten. Kritisiert wird insbesondere, dass erwartete Verbesserungen und die tatsächlichen Ergebnisse nicht ausreichend miteinander abgeglichen würden.
Der Rechnungshof fordert deshalb, die Wirtschaftlichkeit jeder einzelnen Korridorsanierung gesondert nachzuweisen. Außerdem müsse überprüft werden, ob die Projekte ihre vorgesehenen Ziele tatsächlich erreichen. Ohne entsprechende Nachweise fehle eine verlässliche Grundlage für weitere Investitionsentscheidungen.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Kostenentwicklung. Bei einigen bereits abgeschlossenen Generalsanierungen seien die Ausgaben erheblich gestiegen. Konkrete zusätzliche Kosten für das gesamte Programm wurden in den bekannt gewordenen Feststellungen nicht beziffert.
Probleme sieht der Rechnungshof außerdem bei der versprochenen langfristigen Entlastung der Strecken von Baustellen. Ursprünglich sollten größere Bauarbeiten nach einer Generalsanierung für etwa zehn Jahre weitgehend vermieden werden. Nach Darstellung der Prüfer wurde dieser Zeitraum zwischenzeitlich auf fünf Jahre verkürzt. Auch dieses Ziel sei wegen nachträglicher Arbeiten und notwendiger Mängelbeseitigungen nicht durchgehend eingehalten worden.
Bund und Bahn halten in ihrer überarbeiteten Strategie vom 9. Oktober dennoch an dem Ziel fest, sanierte Strecken möglichst bis zu zehn Jahre von größeren baubedingten Einschränkungen freizuhalten. Zudem sollen die durch die Infrastruktur verursachten Störungen spätestens 100 Tage nach der Wiederinbetriebnahme um 80 Prozent zurückgehen.
Bereits vor der aktuellen Kritik hatten das Bundesverkehrsministerium und die Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO Änderungen am Sanierungsprogramm angekündigt.
13 statt 21 Korridorsanierungen sind für den Zeitraum von 2027 bis 2031 vorgesehen. Die acht übrigen Vorhaben sollen nicht entfallen, sondern auf spätere Jahre verschoben werden. Die Reihenfolge der Projekte ab 2032 soll im kommenden Jahr festgelegt werden.
Mit dieser Entscheidung wollen Bund und Bahn die verfügbaren Baukapazitäten besser nutzen und die Belastungen für den Zugverkehr verringern. Künftig sollen Umleitungsstrecken sorgfältiger vorbereitet und Sanierungsarbeiten stärker auf andere Baustellen im Netz abgestimmt werden.
Auch die Wiederinbetriebnahme verändert sich. Statt den gesamten Verkehr unmittelbar nach dem Ende einer großen Sperrung freizugeben, sollen Strecken schrittweise wieder genutzt werden. Dafür sind zunächst Belastungsfahrten mit Güterzügen und anschließend die Aufnahme des Personenverkehrs vorgesehen.
Das Bundesverkehrsministerium verweist angesichts der Kritik auf eine geplante neue Leistungsvereinbarung mit DB InfraGO. Darin sollen verbindlichere Anforderungen an Wirtschaftlichkeit und Zielerreichung verankert werden.
Die Rechnungsprüfer sehen weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Ihrer Bewertung zufolge reichen die bisherigen Wirtschaftlichkeitsprüfungen nicht aus, um den Einsatz der Bundesmittel zuverlässig zu beurteilen. Auch dem Haushaltsausschuss des Bundestages fehlten damit wesentliche Informationen für die Kontrolle der Investitionen.
Das Ausmaß der finanziellen Verpflichtungen zeigt sich bereits an einzelnen Strecken. Für die Generalsanierung zwischen Troisdorf und Wiesbaden hatte die Bundesregierung im Mai 2026 einen Kostenrahmen von rund 1,65 Milliarden Euro einschließlich Risikopuffer angegeben. Die Strecke gehört zu den wichtigen Güterverkehrsverbindungen zwischen Deutschland und seinen europäischen Nachbarländern.
Trotz der Kritik halten Bundesregierung und Deutsche Bahn grundsätzlich am Konzept der Korridorsanierungen fest. Dabei werden größere Streckenabschnitte über mehrere Monate gesperrt, um Gleise, Weichen, Stellwerke und weitere Anlagen gebündelt zu modernisieren.
Das Verfahren soll verhindern, dass dieselben Strecken innerhalb kurzer Zeit wiederholt für unterschiedliche Bauarbeiten gesperrt werden müssen. Langfristig sollen dadurch weniger technische Störungen auftreten und Züge pünktlicher fahren.
Die Deutsche Bahn verweist bereits auf Verbesserungen bei einzelnen abgeschlossenen Projekten. So seien auf der Strecke Nürnberg bis Regensburg die infrastrukturbedingten Störungen seit dem Ende der Generalsanierung um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Solche Ergebnisse ersetzen nach den Maßstäben des Rechnungshofs jedoch nicht die erforderlichen Wirtschaftlichkeitsnachweise und Erfolgskontrollen für das gesamte Investitionsprogramm.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu