
Die Deutsche Bahn und der Bund ändern ihre Pläne zur umfassenden Modernisierung des Schienennetzes. Zwischen 2027 und 2031 sollen nur noch 13 statt der bislang vorgesehenen 21 stark befahrenen Bahnstrecken generalsaniert werden. Acht Vorhaben werden damit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Das haben das Bundesverkehrsministerium und die Bahn am Freitag, 9. Oktober 2026, bekannt gegeben. Mit der Entscheidung sollen die verbleibenden Bauprojekte besser koordiniert und Beeinträchtigungen für den Zugverkehr begrenzt werden.
Die Bahn verschiebt acht Korridorsanierungen aus dem Zeitraum 2027 bis 2031. Betroffen sind Strecken in mehreren Teilen Deutschlands. Ein Vergleich mit dem bisherigen Sanierungsfahrplan zeigt, dass unter anderem die ursprünglich für 2027 vorgesehene Verbindung zwischen Bremen und Bremerhaven nicht mehr im aktuellen Fünfjahresplan enthalten ist.
Auch die Sanierungen zwischen Koblenz und Mainz sowie zwischen Forbach und Ludwigshafen werden zurückgestellt. Für 2030 waren bislang umfangreiche Arbeiten zwischen Stuttgart und Ulm sowie zwischen Frankfurt und Heidelberg vorgesehen. Beide Strecken fehlen ebenfalls im neuen Plan.
Hinzu kommen die bislang für 2031 vorgesehenen Korridore Mannheim bis Karlsruhe, Bremen bis Hamburg und Würzburg bis Nürnberg. Insgesamt betrifft die Neuplanung damit acht Sanierungsvorhaben, die ursprünglich bis Ende 2031 umgesetzt werden sollten.
Die Projekte werden nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums nicht vollständig aufgegeben. Auch auf den zurückgestellten Strecken sollen weiterhin notwendige Ersatzinvestitionen möglich sein. Dazu können beispielsweise Arbeiten an verschlissenen Anlagen oder technische Verbesserungen gehören. Die umfassende Erneuerung im Rahmen einer Generalsanierung findet jedoch später statt.
Trotz der Kürzung des bisherigen Zeitplans bleiben zahlreiche große Bauvorhaben vorgesehen. Für 2027 nennt die Bahn die Verbindungen Lehrte bis Berlin, Rosenheim bis Salzburg und Fulda bis Hanau. Auf dem Korridor zwischen Lehrte und Berlin haben die Arbeiten bereits im Oktober 2026 begonnen.
Im Jahr 2028 sollen die Strecken Köln bis Koblenz, Hagen bis Unna und Hamm sowie Lübeck bis Hamburg erneuert werden. Hinzu kommt die erste Etappe der Sanierung zwischen München und Rosenheim.
Für 2029 stehen die Verbindungen Hamburg bis Hannover, Würzburg über Ansbach nach Treuchtlingen sowie Aachen bis Köln im Plan. Ein Jahr später sollen die Strecken Stendal bis Magdeburg und Uelzen bis Stendal folgen.
2031 sind schließlich die Verbindung zwischen Lehrte und Groß Gleidingen sowie die zweite Etappe zwischen München und Rosenheim vorgesehen. Die beiden Bauetappen zwischen München und Rosenheim werden dabei demselben Sanierungskorridor zugerechnet.
Hinter der Entscheidung stehen nach Angaben von Bund und Bahn vor allem die begrenzten Kapazitäten des Schienennetzes und der Bauwirtschaft. Werden mehrere stark befahrene Strecken gleichzeitig gesperrt, müssen zahlreiche Personen- und Güterzüge umgeleitet werden. Dafür stehen nicht überall ausreichende Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung.
Die neue Planung soll deshalb stärker berücksichtigen, welche Umleitungsstrecken während der Bauarbeiten benötigt werden. Auch andere Baustellen im Netz sollen besser aufeinander abgestimmt werden.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger sieht in der bisherigen Umsetzung der Generalsanierungen Verbesserungsbedarf. Das Konzept bleibe grundsätzlich richtig, müsse aber zuverlässiger funktionieren. Die Zahl der Projekte werde deshalb reduziert, um die vorgesehenen Arbeiten innerhalb der geplanten Zeit und Kosten abschließen zu können.
Bahnchefin Evelyn Palla hält ebenfalls an der grundlegenden Sanierungsstrategie fest. Entscheidend sei, die Erneuerung der Infrastruktur mit möglichst geringen Belastungen für den laufenden Zugverkehr zu verbinden.
Neben dem veränderten Zeitplan haben Bund und Bahn weitere Anpassungen vereinbart. Künftig soll der Betrieb nach einer Generalsanierung nicht zwangsläufig sofort wieder im vollständigen Umfang aufgenommen werden.
Stattdessen ist ein schrittweiser Übergang vorgesehen. Zunächst können Güterzüge die erneuerten Strecken befahren, bevor weitere Verbindungen hinzukommen. Auch zusätzliche Fahrzeitreserven und vorübergehende betriebliche Einschränkungen sind möglich.
Die Bahn führt außerdem ein dreistufiges Verfahren für größere Sanierungsprojekte ein. Dabei werden Arbeiten auf die Zeit vor der Hauptsperrung, die eigentliche Bauphase und einen anschließenden Zeitraum verteilt. Maßnahmen, für die keine längeren Streckensperrungen erforderlich sind, sollen möglichst außerhalb der Hauptbauphase stattfinden.
Damit will die Bahn verhindern, dass einzelne noch nicht abgeschlossene Arbeiten die Wiederaufnahme des gesamten Zugverkehrs verzögern.
Eine weitere Änderung betrifft die technische Ausstattung der erneuerten Strecken. Bund und Bahn haben vereinbart, die Einführung des europäischen Zugsteuerungssystems ETCS stärker in die Generalsanierungen einzubeziehen.
Ab Anfang der 2030er-Jahre soll bei entsprechenden Projekten grundsätzlich ETCS Level 2 ohne klassische Außensignale installiert werden. Voraussetzung sind unter anderem die erforderlichen Abstimmungen mit den Eisenbahnunternehmen.
Bei früheren Sanierungen sollen neue Stellwerke und andere Anlagen möglichst bereits auf eine spätere Umrüstung vorbereitet werden. Das europäische System ermöglicht eine digital unterstützte Überwachung und Steuerung des Zugverkehrs. Es ist zugleich Bestandteil der langfristigen Modernisierung des europäischen Eisenbahnnetzes.
Die Generalsanierungen gehören zu den zentralen Vorhaben zur Erneuerung des deutschen Schienennetzes. Dabei werden umfangreiche Arbeiten an Gleisen, Weichen, Oberleitungen, Stellwerken und Bahnhöfen innerhalb eines zusammenhängenden Bauzeitraums gebündelt.
Die erste große Generalsanierung wurde 2024 auf der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim abgeschlossen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums hat sich die betriebliche Situation dort inzwischen verbessert. Auf der Strecke Nürnberg bis Regensburg seien die durch die Infrastruktur verursachten Störungen seit Abschluss der Arbeiten um mehr als 90 Prozent zurückgegangen.
Bund und Bahn halten deshalb an dem Ziel fest, die Zahl der infrastrukturbedingten Störungen auf generalsanierten Strecken um 80 Prozent zu reduzieren. Dieser Wert soll künftig spätestens 100 Tage nach der Wiederinbetriebnahme erreicht werden.
Zugleich sollen die erneuerten Strecken nach Abschluss der Arbeiten möglichst bis zu zehn Jahre weitgehend von größeren baubedingten Einschränkungen verschont bleiben. Beide Vorgaben sind Ziele der Sanierungsstrategie und keine Garantie für einen vollständig störungsfreien Bahnbetrieb.
Für die acht zurückgestellten Projekte gibt es zunächst keine neuen verbindlichen Termine. Das Bundesverkehrsministerium und die Deutsche Bahn wollen im kommenden Jahr festlegen, welche Korridore ab 2032 vorrangig saniert werden.
Damit verändert sich auch die zeitliche Perspektive für die Modernisierung des gesamten Schienennetzes. Bereits 2025 war der ursprünglich deutlich engere Sanierungsfahrplan überarbeitet und bis 2036 ausgedehnt worden. Ob dieser Gesamtzeitraum mit der erneuten Verschiebung eingehalten werden kann, ist derzeit offen.
Für Fahrgäste und Güterverkehrsunternehmen bedeutet die neue Planung zunächst, dass einige langfristig vorgesehene Streckensperrungen später stattfinden. Gleichzeitig verschiebt sich auf diesen Verbindungen auch die umfassende Erneuerung der Infrastruktur. Die Bahn muss deshalb notwendige Instandhaltungsarbeiten weiterhin unabhängig von den großen Generalsanierungen durchführen.
Entscheidend für den Erfolg der überarbeiteten Strategie wird sein, ob die verbleibenden Projekte tatsächlich planmäßiger abgeschlossen werden und die erneuerten Strecken anschließend dauerhaft zuverlässiger funktionieren.
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