Deutsche Autobauer verlieren Marktanteile und investieren weniger

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die deutsche Autoindustrie steht nach einer neuen Studie von Allianz Trade vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Während europäische Hersteller ihre Investitionen 2026 deutlich reduzieren, gewinnen chinesische Wettbewerber weiter Marktanteile. Für deutsche Autobauer könnte diese Entwicklung teuer werden. Verlieren sie bis 2030 in Europa und China jeweils weitere drei Prozentpunkte Marktanteil, droht nach einer Modellrechnung ein Rückgang der Wertschöpfung um rund drei Milliarden Euro.

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Investitionen der europäischen Autoindustrie sinken um 20 Prozent

Die am Freitag, 9. Oktober 2026, veröffentlichte Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade zeichnet ein angespanntes Bild der europäischen Automobilbranche. Nach Berechnungen der Studienautoren gehen die Investitionsausgaben der europäischen Hersteller 2026 um rund 20 Prozent zurück. Es wäre der stärkste Rückgang seit 2018.

Auffällig ist der Unterschied zu anderen Wirtschaftszweigen. Während die Automobilunternehmen ihre Investitionen zurückfahren, erhöhen andere große europäische Börsenkonzerne ihre Ausgaben der Analyse zufolge um etwa zehn Prozent. Die Berechnungen beruhen unter anderem auf Finanzmarktdaten von LSEG Datastream. Da das Jahr 2026 noch nicht abgeschlossen ist, handelt es sich nicht um endgültige Jahresergebnisse.

Die Allianz-Ökonomen sehen in der Entwicklung ein strukturelles Problem. Ihrer Einschätzung nach haben europäische Hersteller über viele Jahre erhebliche Mittel in bestehende Verbrennertechnologien investiert, während neue Antriebssysteme und digitale Fahrzeugtechnik später in den Mittelpunkt rückten. Auch die Verteilung von Investitionen auf zahlreiche parallele Entwicklungsprojekte wird kritisch bewertet.

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Deutschen Autobauern könnten drei Milliarden Euro verloren gehen

Besonders deutlich zeigen sich die wirtschaftlichen Veränderungen bei den großen deutschen Automobilherstellern. Nach Berechnungen von Allianz Trade ist ihre Wertschöpfung je verkauftem Fahrzeug in Europa im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Zeitraum 2021 und 2022 um etwa 30 bis 45 Prozent gesunken.

Gleichzeitig haben die Unternehmen Marktanteile eingebüßt. Seit 2021 verloren die untersuchten deutschen Hersteller laut Studie in Europa rund zehn Prozentpunkte und in China etwa sieben Prozentpunkte. Auch die Gewinnmargen entwickelten sich rückläufig. Die Untersuchung beziffert den Rückgang von ungefähr 13 Prozent im Jahr 2022 auf zuletzt rund vier Prozent.

Aus diesen Entwicklungen leiten die Ökonomen ein finanzielles Risikoszenario ab. Sollten die deutschen Hersteller bis 2030 sowohl in Europa als auch in China jeweils weitere drei Prozentpunkte Marktanteil verlieren, könnte sich ihre Wertschöpfung um rund drei Milliarden Euro verringern.

Bereits ein zusätzlicher Verlust von jeweils 0,5 Prozentpunkten in beiden Absatzmärkten würde nach dem Berechnungsmodell die jährliche Wertschöpfung um ungefähr 480 Millionen Euro reduzieren. Die drei Milliarden Euro sind damit keine feststehende Schadenssumme, sondern das Ergebnis einer Modellrechnung unter bestimmten Annahmen.

Chinesische Hersteller gewinnen in Europa weiter an Bedeutung

Ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor ist die zunehmende Präsenz chinesischer Automobilmarken. Ihr Anteil an den europäischen Neuzulassungen erreichte nach Angaben von Allianz Trade Mitte 2026 annähernd zehn Prozent. Besonders stark sind die Hersteller bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen vertreten.

Bei rein batterieelektrischen Autos beziffert die Studie den europäischen Marktanteil chinesischer Marken auf 16 Prozent. Bei Plug-in-Hybriden liegt er demnach bei 26 Prozent. Zugleich erweitern chinesische Unternehmen ihre Vertriebsnetze und ihr Modellangebot in Europa.

Der europäische Automarkt insgesamt entwickelt sich dabei keineswegs ausschließlich rückläufig. Nach Angaben des Herstellerverbands ACEA stiegen die Neuzulassungen in der Europäischen Union von Januar bis August 2026 um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Insbesondere Elektrofahrzeuge gewinnen an Bedeutung. Ihr Anteil an allen Neuzulassungen in der EU erreichte in den ersten acht Monaten 21,7 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 15,8 Prozent gewesen. Klassische Hybridfahrzeuge ohne externe Lademöglichkeit bildeten mit 36,6 Prozent weiterhin das größte Antriebssegment.

Damit verändert sich vor allem die Verteilung der Nachfrage zwischen Technologien und Herstellern. Für die europäischen Autobauer entsteht die Herausforderung, bei steigender Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben.

Europäische Elektroautos können beim Preis mithalten

Trotz des wachsenden Wettbewerbsdrucks sieht Allianz Trade auch Stärken europäischer Hersteller. Ein Vergleich von Elektroautos im europäischen Markt ergibt, dass europäische Modelle in bestimmten Fahrzeugklassen beim Verhältnis von Kaufpreis und elektrischer Reichweite besser abschneiden als chinesische Angebote.

Bei Limousinen und Kleinwagen unter 50.000 Euro liegt der ermittelte Vorteil der europäischen Fahrzeuge zwischen drei und fünf Prozent. Das bedeutet allerdings nicht, dass europäische Elektroautos grundsätzlich günstiger sind. Der Vergleich berücksichtigt ausdrücklich den Fahrzeugpreis im Verhältnis zur angegebenen Reichweite.

Die Untersuchung zeigt zugleich, dass die Wettbewerbsbedingungen regional unterschiedlich ausfallen. Modelle, die in Europa preislich attraktiv sind, müssen sich nicht automatisch auf dem chinesischen Markt oder in anderen Wachstumsregionen durchsetzen.

Batterien und Software verändern die Wertschöpfung

Ein weiterer Schwerpunkt der Studie liegt auf der technologischen Entwicklung. Bei Elektrofahrzeugen entfällt ein wesentlich größerer Teil des Fahrzeugwerts auf Batterien, Elektronik und Software als bei klassischen Verbrennungsfahrzeugen.

Damit verändert sich auch die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Zulieferer und Produktionsschritte. Europäische Unternehmen verfügen traditionell über große Kompetenzen im Maschinenbau und in der Fahrzeugentwicklung. Bei Batteriezellen und verschiedenen digitalen Technologien spielen dagegen asiatische Anbieter eine bedeutende Rolle.

Allianz Trade warnt vor den Kosten einer umfassenden europäischen Eigenproduktion von Batterien. Strenge Vorgaben für europäische Fertigungsanteile könnten nach den Berechnungen die Kosten je Elektroauto um ungefähr 2.000 Euro erhöhen. Gleichzeitig könnte die europäische Zellproduktion bis 2035 selbst bei einem weiteren Ausbau nur etwa die Hälfte des heimischen Bedarfs decken.

Die Ökonomen empfehlen deshalb Kooperationen mit internationalen Technologieunternehmen und gezielte Investitionen in eigene Entwicklungen. Dazu zählen insbesondere neue Batterietechnologien, Halbleiter, künstliche Intelligenz und Fahrzeugsoftware.

Neue Geschäftsfelder sollen zusätzliche Einnahmen ermöglichen

Neben dem klassischen Fahrzeugverkauf könnte künftig das Geschäft mit digitalen Dienstleistungen an Bedeutung gewinnen. Allianz Trade erwartet, dass der weltweite Markt für Fahrzeugsoftware von rund 300 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf etwa 464 Milliarden Euro im Jahr 2035 wachsen könnte.

Weitere wirtschaftliche Möglichkeiten sieht die Studie beim autonomen Güterverkehr. Für selbstfahrende Lastwagen wird bis 2035 ein mögliches Marktvolumen von rund 500 Milliarden Euro genannt. Dabei handelt es sich um eine langfristige Marktprognose, nicht um bereits gesicherte Umsätze.

Die Entwicklung zeigt, wie stark sich die wirtschaftlichen Grundlagen der Automobilindustrie verändern. Für die deutschen Hersteller wird entscheidend sein, ob sie bestehende Produktionskapazitäten wirtschaftlich nutzen und zugleich bei neuen Technologien konkurrenzfähig bleiben können. Nach Einschätzung von Allianz Trade kommt es dabei weniger auf eine pauschale Erhöhung sämtlicher Investitionen an als auf deren gezielten Einsatz.

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