BASF greift nach Evonik: Der Milliardenplan und die offenen Folgen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der Chemiekonzern BASF prüft eine Übernahme des Essener Spezialchemiekonzerns Evonik. BASF bestätigte am 25. September Sondierungen mit Evonik und dessen größtem Aktionär, der RAG-Stiftung. Fortgang und Ausgang seien offen. Damit ist eine mögliche Übernahme von Evonik offiziell Gegenstand von Gesprächen, ein vereinbarter Zusammenschluss oder ein verbindlicher Kaufvertrag existiert bislang jedoch nicht.

In den folgenden Tagen nahm der mögliche Milliardendeal konkretere Formen an. Nach Informationen von Reuters unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen soll BASF rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie angeboten haben. Das entsprach einem Eigenkapitalwert von etwa 10,3 Milliarden Euro und einem Aufschlag von gut 28 Prozent auf den Evonik-Kurs vor Bekanntwerden der Übernahmepläne. Evonik habe die Offerte als zu niedrig zurückgewiesen. Evonik selbst äußerte sich zu diesem Preis und zur berichteten Ablehnung nicht öffentlich. BASF wollte die genannte Summe ebenfalls nicht kommentieren.

RAG-Stiftung könnte ihren gesamten Evonik-Anteil verkaufen

Eine Schlüsselrolle spielt die RAG-Stiftung. Sie hält rund 44 Prozent an Evonik und ist damit mit Abstand größter Einzelaktionär. Bisher hatte die Stiftung langfristig eine Reduzierung ihres Anteils auf 25,1 Prozent angestrebt. Am 30. September stellte sie jedoch klar, dass ihre Satzung grundsätzlich auch einen vollständigen Ausstieg zulässt. Mit Zustimmung des Kuratoriums könnten weitere Aktien bis hin zum gesamten verbliebenen Anteil verkauft werden.

Damit ist ein Komplettverkauf an BASF rechtlich zumindest nicht durch die bisherige Beteiligungsstrategie der RAG-Stiftung ausgeschlossen. Eine Zustimmung zu einem konkreten BASF-Angebot ist daraus allerdings nicht abzuleiten. Die Stiftung muss mit ihrem Vermögen dauerhaft die sogenannten Ewigkeitsaufgaben des deutschen Steinkohlenbergbaus finanzieren und verfolgt seit Jahren eine breitere Streuung ihrer Kapitalanlagen.

Gewerkschaft verlangt Schutz für Beschäftigte und Standorte

Besonders sensibel ist die Frage, welche Folgen eine Übernahme für Arbeitsplätze und Produktionsstandorte hätte. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie fordert Zukunftsperspektiven und Investitionszusagen für die Beschäftigten und Standorte beider Unternehmen. Ihr Vorsitzender Michael Vassiliadis warnte davor, dass allein die größere Dimension eines zusammengeschlossenen Konzerns noch keinen Vorteil für Beschäftigte, Standorte und industrielle Wertschöpfung garantiere.

Konkrete Pläne für zusätzliche Stellenstreichungen infolge einer möglichen Übernahme sind bislang nicht bekannt. Allerdings befinden sich BASF und Evonik bereits unabhängig voneinander in umfangreichen Umbauprogrammen.

Evonik hatte wenige Tage vor Bekanntwerden der BASF-Sondierungen seine Strategie bis 2030 präzisiert. Das Sparprogramm „Evonik Tailor Made“ sieht weltweit den Abbau von 3.200 Stellen vor, davon rund 2.150 in Deutschland. Gleichzeitig will der Konzern seine deutschen Standorte klarer auf bestimmte Aufgaben ausrichten und Mittel für neue Investitionen freisetzen. Evonik beschäftigt weltweit rund 31.000 Menschen und erzielte 2025 einen Umsatz von 14,1 Milliarden Euro.

Auch BASF steckt mitten im Konzernumbau

Auch BASF reduziert Kosten und Personal. Zwischen Anfang 2024 und Ende Juni 2026 sank die Zahl der Beschäftigten nach Unternehmensangaben weltweit um rund 7.000 Stellen, wobei Personalveränderungen aus Verkäufen von Unternehmensteilen nicht eingerechnet sind. Am Stammsitz Ludwigshafen sank die Zahl der Vollzeitstellen bei der BASF SE im Mai 2026 erstmals seit 1954 unter 30.000.

Parallel treibt BASF das Programm „CoreShift“ voran. Bis 2029 sollen die Netto-Fixkosten in den Kerngeschäften gegenüber 2024 um bis zu 20 Prozent sinken. Zum Jahresende 2025 beschäftigte BASF weltweit 108.251 Menschen, davon 48.955 in Deutschland. Der Umsatz lag 2025 bei knapp 59,7 Milliarden Euro.

Gerade deshalb richtet sich bei einer möglichen Zusammenführung der Blick auf Überschneidungen bei Verwaltung, Produktion und einzelnen Produktgruppen. Welche Bereiche BASF im Fall einer Übernahme zusammenlegen, verkaufen oder weiterentwickeln würde, ist bislang nicht bekannt. Ebenso gibt es keine bestätigte Zahl möglicher Synergien oder daraus resultierender Arbeitsplatzveränderungen.

BASF sieht strategische Ergänzung im Evonik-Geschäft

BASF begründet seine grundsätzliche Akquisitionsstrategie damit, Kerngeschäfte stärken und profitables Wachstum schaffen zu wollen. Bei Evonik treffen zwei unterschiedliche, aber teilweise benachbarte Portfolios aufeinander. Evonik ist stärker auf Spezialchemikalien ausgerichtet und produziert unter anderem Additive, Hochleistungskunststoffe sowie Inhaltsstoffe für Konsumgüter und Tierernährung. BASF verfügt über ein wesentlich breiteres Chemieportfolio.

Ein Zusammenschluss würde zwei der größten deutschen Chemiekonzerne verbinden und wäre angesichts der Größenordnung auch wettbewerbsrechtlich relevant. Ob und unter welchen Auflagen Kartellbehörden einer Transaktion zustimmen würden, lässt sich vor einem konkreten und angemeldeten Übernahmevorhaben nicht bestimmen.

Für BASF und Evonik kommt die Annäherung in einer schwierigen Phase der europäischen Chemieindustrie. Hohe Standortkosten, schwache Nachfrage in wichtigen Industriezweigen und zunehmender internationaler Wettbewerb erhöhen den Druck auf Produzenten in Europa. BASF bezeichnete den Ausgang seiner Sondierungen ausdrücklich als offen. Damit bleibt auch am 1. Oktober 2026 ungeklärt, ob BASF ein verbessertes Angebot vorlegen wird und ob Evonik sowie die RAG-Stiftung darauf eingehen würden.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu