
Der Betriebsrat des Mainzer Impfstoffherstellers BioNTech hat das Unternehmen öffentlich scharf kritisiert und kämpft intensiv um die Rettung bedrohter Werksstandorte. Am 8. Mai 2026 wurde bekannt, dass das Management einen Vorschlag des Betriebsrats zur Investorensuche kategorisch abgelehnt hat – ein Schritt, den die Arbeitnehmervertreter als Blockade bezeichnen. Insgesamt sind bis zu 1.350 Arbeitsplätze in Europa und Nordamerika gefährdet.
Der BioNTech-Betriebsrat hatte vorgeschlagen, ein arbeitnehmerfreundliches Beratungsunternehmen hinzuzuziehen, um aktiv nach einem Investor für die bedrohten Standorte zu suchen. Die Unternehmensführung lehnte diesen Vorschlag jedoch rundheraus ab. Stattdessen präsentierte das Management einen Schließungszeitplan für die betroffenen Werke, der eine Übernahme durch einen Investor faktisch unmöglich machen würde.
Der Betriebsrat kündigte daraufhin an, Firmengründer und Vorstandsmitglied Ugur Sahin persönlich zur nächsten Verhandlungsrunde einzuladen. Man wolle das direkte Gespräch suchen, um die drohenden Werksschließungen noch abzuwenden. Für die Beschäftigten in Marburg, Idar-Oberstein und Mainz steht die Zukunft ihrer Arbeitsplätze auf dem Spiel.
BioNTech hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, verschiedene Produktionsstandorte in Europa und Nordamerika zu schließen und die Belegschaft deutlich zu reduzieren. Konkret sollen bis zu 1.350 Stellen über die nächsten drei Jahre abgebaut werden – in der Impfstoffproduktion, in der Forschung und in der Verwaltung.
Besonders hart trifft es den BioNTech-Standort Marburg, wo 250 bis 350 Jobs gestrichen werden sollen. Im Werk Idar-Oberstein sind etwa 100 bis 200 Stellen gefährdet, während am Hauptsitz in Mainz rund 200 Stellen wegfallen. Gleichzeitig plant das Unternehmen, am Mainzer Standort rund 350 neue Arbeitsplätze zu schaffen – ein Ausgleich, den die Gewerkschaft als völlig unzureichend wertet.
Der Hintergrund der Sparmaßnahmen ist der stark rückläufige Umsatz mit COVID-19-Impfstoffen. BioNTech hatte während der Pandemie Milliardengewinne eingefahren, steht jetzt aber vor einer schwierigen Transformation. Im ersten Quartal 2026 meldete BioNTech einen Verlust von 532 Millionen Euro – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Neuausrichtung des Unternehmens noch nicht greift.
Gleichzeitig investiert BioNTech massiv in neue Produkte: Krebsimmuntherapien und individualisierte mRNA-Therapien sollen die Zukunft des Unternehmens sichern. Doch bis diese Produkte Marktreife erlangen und nennenswerte Umsätze generieren, wird es noch mehrere Jahre dauern. In der Zwischenzeit sollen die laufenden Kosten drastisch gesenkt werden – auf Kosten der Beschäftigten.
Der Betriebsrat zeigt sich entschlossen. Man werde alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um Entlassungen zu verhindern und Standorte zu erhalten. Sollte das Management weiter blockieren, würden die Arbeitnehmervertreter auch den Gang vor das Arbeitsgericht nicht scheuen.
Gewerkschaftsvertreter wiesen darauf hin, dass BioNTech trotz der aktuellen Verluste über erhebliche Finanzreserven verfügt. Milliardengewinne aus der Pandemie-Zeit hätten dem Unternehmen einen komfortablen Puffer gegeben, der sozialverträgliche Lösungen ermöglichen würde. Die pauschale Ablehnung des Betriebsratsvorschlags werfe daher ernste Fragen über den Willen des Managements auf, eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Für die betroffenen Mitarbeiter und die Region Marburg ist die Situation ernst. Das BioNTech-Werk war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Arbeitgeber und hat erheblich zur regionalen Wirtschaft beigetragen. Ein Verlust Hunderter gut bezahlter Stellen in der Pharmaindustrie wäre für die Region ein schwerer Schlag.
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