Deutsche Wirtschaft wächst stärker als zunächst berechnet

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 ist stärker gewachsen als zunächst berechnet. Das Bruttoinlandsprodukt stieg gegenüber dem ersten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. In seiner Schnellmeldung vom 30. Juli war die Behörde noch von einem Plus von 0,2 Prozent ausgegangen. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 lag die Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 1,0 Prozent höher.

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Damit setzt sich die wirtschaftliche Belebung vom Jahresanfang fort. Im ersten Quartal 2026 war das BIP bereits um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Nach mehreren Jahren mit schwacher Entwicklung fällt die jüngste Bilanz damit günstiger aus als noch vor wenigen Monaten erwartet. Für 2024 hatte Destatis seine bisherigen Berechnungen bereits Ende Juli deutlich revidiert. Statt eines Rückgangs um 0,5 Prozent wird für das Gesamtjahr inzwischen eine Stagnation ausgewiesen. Für 2025 blieb es bei einem Wachstum von 0,2 Prozent.

Exporte treiben das Wachstum

Der wichtigste Impuls im zweiten Quartal kam erneut aus dem Außenhandel. Die preisbereinigten Exporte von Waren und Dienstleistungen stiegen gegenüber dem ersten Quartal um 2,0 Prozent. Besonders kräftig legten die Warenausfuhren mit 2,6 Prozent zu. Die Dienstleistungsexporte blieben dagegen unverändert. Gleichzeitig erhöhten sich die Importe insgesamt um 1,5 Prozent.

Nach Angaben von Destatis fiel das Gesamtbild auch deshalb besser aus als bei der Schnellschätzung Ende Juli, weil inzwischen zusätzliche Daten für den Juni vorliegen. Die Exporte wurden dadurch merklich nach oben korrigiert. Auch die Umsätze im Groß- und Einzelhandel entwickelten sich stärker als zunächst angenommen.

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Im Vergleich zum Vorjahresquartal nahmen die preisbereinigten Exporte sogar um 3,7 Prozent zu. Bei Waren betrug das Plus 5,0 Prozent. Zuwächse gab es unter anderem bei chemischen Erzeugnissen, Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Produkten sowie im sonstigen Fahrzeugbau. Besonders der Warenhandel mit anderen Staaten der Europäischen Union legte zu. Die Importe von Waren und Dienstleistungen stiegen gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent.

Investitionen bleiben ein Schwachpunkt

Trotz der besseren Gesamtzahl zeigt die Detailrechnung weiter erhebliche Schwächen. Die Bruttoanlageinvestitionen gingen gegenüber dem ersten Quartal preisbereinigt um 0,2 Prozent zurück. Besonders deutlich war der Rückgang bei Ausrüstungen wie Maschinen, Geräten und Fahrzeugen. Hier investierten Unternehmen und Staat zusammen 1,4 Prozent weniger als im Vorquartal.

Die Bauinvestitionen nahmen lediglich um 0,1 Prozent zu. Damit blieb eine deutlichere Erholung nach dem schwachen Jahresbeginn aus. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 lagen die preisbereinigten Bauinvestitionen sogar 1,5 Prozent niedriger. Destatis verweist dabei auch auf stark gestiegene Preise.

Auch der private Verbrauch lieferte nur wenig zusätzlichen Schwung. Die privaten Konsumausgaben stiegen gegenüber dem ersten Quartal um 0,1 Prozent. Gleiches galt für die staatlichen Konsumausgaben. Im Vorjahresvergleich fiel die Entwicklung deutlich auseinander: Während der private Konsum lediglich um 0,1 Prozent zulegte, wuchsen die staatlichen Konsumausgaben um 3,0 Prozent.

Industrie zeigt wieder mehr Stärke

Positiver entwickelte sich die Produktion in Teilen der Industrie. Die gesamte preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung nahm im zweiten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Im Verarbeitenden Gewerbe betrug das Plus 0,9 Prozent. Besonders die Chemieindustrie und Hersteller elektrischer Ausrüstungen trugen zum Wachstum bei.

Auch im Vergleich mit dem Vorjahr verbessert sich das Bild. Die Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes lag 1,1 Prozent über dem zweiten Quartal 2025. Es war nach Angaben von Destatis der erste Anstieg im Vorjahresvergleich seit dem ersten Quartal 2023. Schwächer blieb dagegen das Baugewerbe, dessen preisbereinigte Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr um 1,6 Prozent sank.

Die Bundesbank hatte bereits vor Veröffentlichung der neuen Detaildaten von einer robusteren Entwicklung gesprochen als noch in ihrer Prognose vom Juni unterstellt. Sie verwies insbesondere auf steigende Auslandsumsätze der Industrie und höhere Warenexporte. Gleichzeitig blieb die Kapazitätsauslastung vieler Unternehmen niedrig, was die Bereitschaft zu größeren Investitionen weiterhin bremst.

Arbeitsmarkt entwickelt sich schwächer

Die konjunkturelle Verbesserung schlägt bislang nicht gleichermaßen auf den Arbeitsmarkt durch. Im zweiten Quartal waren nach den Berechnungen von Destatis rund 45,7 Millionen Menschen mit Arbeitsort in Deutschland erwerbstätig. Das waren 212.000 Personen beziehungsweise 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Erstmals seit der Corona-Krise sank die Erwerbstätigkeit dabei auch in den Dienstleistungsbereichen.

Weil die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen gegenüber dem Vorjahr unverändert blieben, sank das gesamte Arbeitsvolumen ebenfalls um 0,5 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich die Arbeitsproduktivität gemessen am realen BIP je Arbeitsstunde um 1,5 Prozent.

Die Einkommen entwickelten sich kräftiger. Die durchschnittlichen Bruttolöhne und Gehälter je Arbeitnehmer lagen im zweiten Quartal 4,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Sparquote der privaten Haushalte erhöhte sich leicht von 9,5 auf 9,6 Prozent.

Deutschland bleibt hinter dem EU-Durchschnitt

Im europäischen Vergleich reicht das Wachstum Deutschlands noch nicht an den Durchschnitt der Europäischen Union heran. Das BIP der EU legte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,5 Prozent zu. Deutschland kam auf 0,3 Prozent. Spanien wuchs mit 0,7 Prozent deutlich stärker. Frankreich und Italien verzeichneten jeweils ein Plus von 0,2 Prozent. Für die USA weist der Vergleich einen Zuwachs von 0,4 Prozent aus.

Auch gegenüber dem Vorjahresquartal lag Deutschland mit einem Plus von 1,0 Prozent leicht unter dem EU-Durchschnitt von 1,2 Prozent. Spanien erreichte 2,7 Prozent, während Frankreich auf 0,7 Prozent kam.

Die Bundesregierung erwartet für das Gesamtjahr 2026 bislang ein preisbereinigtes Wachstum von 0,5 Prozent. Diese Frühjahrsprojektion stammt vom April und berücksichtigt die inzwischen veröffentlichten stärkeren BIP-Daten für das erste Halbjahr noch nicht vollständig.

Die neuen Zahlen sprechen damit für eine festere wirtschaftliche Entwicklung als noch zu Jahresbeginn angenommen. Zugleich bleibt die Erholung unausgewogen. Während Exporte und Teile der Industrie deutlich zulegen, bleiben Unternehmensinvestitionen, Bauwirtschaft und privater Konsum verhalten. Ob daraus im weiteren Jahresverlauf ein breiterer Aufschwung entsteht, hängt damit auch davon ab, ob die bisher schwächeren Bereiche stärker zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung beitragen.

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