
Ein neues Softwareproblem bei der Boeing 737 MAX bringt den US-Flugzeugbauer kurz vor einem wichtigen Zulassungsschritt erneut unter Druck. Die US-Luftfahrtbehörde FAA will die größte Variante der Baureihe, die 737 MAX 10, vorerst nicht zertifizieren. Zunächst soll geklärt werden, welche Auswirkungen das Problem in bestimmten Situationen während eines abgebrochenen Landeanflugs haben kann. Einen neuen Zeitplan für die Zulassung nannte die Behörde nicht. Die Boeing-Aktie verlor am Montag 6,9 Prozent.
Für Boeing geht es dabei nicht nur um die MAX 10. Auch Fluggesellschaften schauen auf neue Auslieferungen anderer Varianten. United Airlines bestätigte, derzeit keine Flugzeuge mit der von der FAA untersuchten Softwareversion zu übernehmen. Southwest Airlines hat Boeing nach übereinstimmenden Berichten ebenfalls aufgefordert, für neue Maschinen zunächst eine frühere Softwareversion zu verwenden.
Das Problem betrifft die Flugführungssoftware bestimmter Boeing-737-MAX-Flugzeuge. Nach Angaben von Boeing kann es in einem speziellen Szenario dazu kommen, dass Piloten nicht wie vorgesehen auf eine automatisierte vertikale Flugführung zugreifen können.
Die Situation kann nach einem abgebrochenen Landeanflug, einem sogenannten Go-around, auftreten, wenn die Besatzung anschließend Änderungen am vorgesehenen Flugweg vornimmt. Die FAA erklärte, dass die betreffende Softwareversion in einer solchen Situation die Arbeitsbelastung der Piloten erhöhen könne.
Ein Verlust der Kontrolle über das Flugzeug wurde dabei nicht beschrieben. FAA-Chef Bryan Bedford betonte am Montag, dass die Piloten bei dem bislang bekannten Problem die Kontrolle über das Flugzeug behalten. Boeing erklärte zuvor, bestehende Verfahren für Piloten nochmals erläutert zu haben und an einer dauerhaften Softwarelösung zu arbeiten.
Damit unterscheidet sich der aktuelle Vorgang technisch von dem Problem mit dem Flugsteuerungssystem MCAS, das im Zusammenhang mit den beiden Abstürzen von Boeing 737 MAX in den Jahren 2018 und 2019 stand.
Unmittelbare Folgen hat die Prüfung für die 737 MAX 10. Die größte Version der MAX-Familie wartet bereits seit Jahren auf ihre US-Zulassung.
FAA-Chef Bedford sagte am Montag, die Behörde werde die Zulassung zurückstellen, bis sie davon überzeugt sei, dass bei dem Softwarethema kein ungelöstes Problem bestehe. Wie lange die Prüfung dauern wird, ließ er offen. Auch für eine mögliche Korrektur der Software konnte Bedford keinen Zeitraum nennen. Ob dafür Tage, Wochen oder Monate benötigt werden, sei derzeit nicht klar.
Die FAA will für die Bewertung ein sogenanntes Corrective Action Review Board einberufen. Dieses Gremium soll das Problem und die vorgesehenen Gegenmaßnahmen untersuchen. Nach Reuters-Informationen dürfte die Prüfung frühestens in der Woche ab dem 5. Oktober beginnen.
Bis zuletzt war damit gerechnet worden, dass die MAX 10 im Herbst ihre Zulassung erhält. Noch wenige Tage vor Bekanntwerden des Softwareproblems gingen wichtige Boeing-Kunden von einem baldigen Abschluss des Zertifizierungsverfahrens aus.
Auch bei den Fluggesellschaften gibt es erste Konsequenzen. United Airlines erklärte, dass keines ihrer derzeit eingesetzten Flugzeuge die untersuchte Software nutzt. Zugleich bestätigte die Airline, momentan keine neuen Maschinen mit dieser Softwareversion abzunehmen.
United zählt zu den wichtigen Boeing-Kunden für die MAX-Familie. Ende 2025 wies die Airline noch feste Verpflichtungen für 167 Boeing 737 MAX 10 aus. Der Zulassungszeitpunkt des Modells ist deshalb auch für die langfristige Flottenplanung des Konzerns relevant.
Southwest Airlines hat Boeing laut CBS News ebenfalls darüber informiert, keine neuen Flugzeuge mit der betroffenen Software übernehmen zu wollen. Stattdessen soll eine frühere Version verwendet werden. CBS zufolge erklärten außerdem Alaska Airlines, American Airlines, Southwest und United, dass ihre gegenwärtig eingesetzten MAX-Flotten die derzeit geprüfte Softwareversion nicht verwenden.
Southwest spielt für Boeing zusätzlich bei der kleineren 737 MAX 7 eine besondere Rolle. Dieses Modell erhielt Anfang August 2026 nach jahrelangen Verzögerungen die FAA-Zulassung. Southwest soll Erstkunde der Variante sein und hatte seine Flottenplanung bereits in der Vergangenheit mehrfach wegen verzögerter MAX-Auslieferungen anpassen müssen.
Nicht alle Betreiber bewerten die Lage gleich. Die kanadische Fluggesellschaft WestJet gehört nach eigenen Angaben zu den Airlines, die die betroffene Software bereits einsetzen.
WestJet erklärte am Montag, bislang keine entsprechenden Vorfälle im Flugbetrieb festgestellt zu haben. Die Airline bewertet das Problem nach aktuellem Stand nicht als Sicherheitsrisiko und verweist auf bestehende Betriebsverfahren und die Ausbildung ihrer Piloten.
Damit gibt es derzeit keinen Hinweis darauf, dass sämtliche bereits eingesetzten Boeing 737 MAX von dem Softwareproblem betroffen sind. Wie viele Flugzeuge weltweit die entsprechenden Softwareversionen tatsächlich nutzen, war zunächst nicht abschließend geklärt.
An der Börse reagierten Anleger deutlich auf die neue Verzögerung. Die Boeing-Aktie schloss den Handel am Montag mit einem Minus von 6,9 Prozent. Belastend wirkte vor allem die Aussicht, dass die Einführung der MAX 10 erneut verschoben werden könnte.
Das Modell hat für Boeing große wirtschaftliche Bedeutung. Die MAX 10 ist die größte Variante der Baureihe und soll im wichtigen Markt für größere Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge stärker mit dem Airbus A321neo konkurrieren.
Mehrere große Airlines warten bereits auf das Flugzeug. Dazu gehören neben United und Alaska Airlines auch Ryanair. Der irische Konzern hat 150 MAX 10 fest bestellt und Optionen auf weitere 150 Maschinen. Noch am 23. September hatte Ryanair mit ersten Auslieferungen im Frühjahr gerechnet.
Eine längere Verschiebung könnte deshalb nicht nur Boeing treffen, sondern auch Flottenpläne seiner Kunden beeinflussen.
Boeing arbeitet nach eigenen Angaben an einer dauerhaften Korrektur. FAA-Chef Bedford verwies darauf, dass die betroffene Software von GE Aerospace stammt und eine Lösung möglicherweise schneller entwickelt werden könne als zunächst angenommen. Einen belastbaren Termin gibt es allerdings nicht.
Für Boeing hängt der weitere Zeitplan der 737 MAX 10 nun von der Sicherheitsbewertung der FAA und der technischen Lösung ab. Offiziell bestätigt ist bislang nur, dass die Behörde die Zertifizierung nicht abschließen wird, bevor das Softwareproblem ausreichend bewertet und geklärt ist.






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