
Der Technologiekonzern Bosch plant einen weitreichenden Stellenabbau an seinem Nürnberger Standort. Bis Ende 2029 sollen dort rund 900 Arbeitsplätze wegfallen. Damit wäre etwa die Hälfte der derzeitigen Belegschaft betroffen. Das Unternehmen bestätigte die Pläne am Montag, 28. September 2026. Bosch begründet den Schritt vor allem mit wachsendem Preis- und Wettbewerbsdruck sowie Veränderungen in der internationalen Automobilindustrie.
Der Stellenabbau bei Bosch in Nürnberg soll nach Angaben des Unternehmens möglichst sozialverträglich umgesetzt werden. Details dazu, welche konkreten Instrumente eingesetzt werden und wie sich der Abbau auf einzelne Bereiche verteilt, waren zunächst nicht vollständig bekannt. Die Beschäftigten wurden am Montagnachmittag bei einer Betriebsversammlung informiert.
Der Bosch Standort in Nürnberg gehört zum Unternehmensbereich Mobility. Gefertigt werden unter anderem Hochdruckpumpen für Benzineinspritzsysteme, Druckregelventile für Getriebesteuerungen, Drosselvorrichtungen und Komponenten für die Abgasnachbehandlung. Hinzu kommen Produkte und Kompetenzen rund um Brennstoffzellensysteme, Wasserstofftechnik, Metall und Kunststoff 3D Druck sowie Sondermaschinenbau.
Ein erheblicher Teil des Werks ist damit von Technologien abhängig, die eng mit klassischen oder alternativen Antriebssystemen verbunden sind. Bosch verweist bei der Begründung für den Stellenabbau auf den strukturellen Wandel der Automobilindustrie, schwächere Absatzperspektiven und zunehmenden internationalen Wettbewerb. Nach Darstellung des Unternehmens führt das am Nürnberger Standort zu einem Personalüberhang, der langfristig wirtschaftlich nicht tragfähig sei.
Der weltweite Automarkt befindet sich gleichzeitig in einem tiefgreifenden Umbau. Traditionelle Zulieferer müssen hohe Investitionen in Elektrifizierung, Software und neue Antriebstechnologien finanzieren, während etablierte Geschäftsfelder mit Verbrennungsmotoren schrittweise an Bedeutung verlieren. Hinzu kommt insbesondere in China ein intensiver Preiswettbewerb zwischen Herstellern und Zulieferern.
Die Arbeitnehmerseite reagiert deutlich kritischer auf die Pläne. Die IG Metall hatte bereits vor der offiziellen Bekanntgabe vor einem umfangreichen Personalabbau in Nürnberg gewarnt. Bei einer Kundgebung am 21. September demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben rund 500 Beschäftigte vor dem Bosch Werk. Gefordert wurden unter anderem zusätzliche Zukunftsprodukte und Investitionen in den Standort.
Nach Bekanntwerden der konkreten Zahl sprach die IG Metall von weitreichenden Abbauplänen. Die Gewerkschaft erklärte zudem, Bosch verlange weitere Personalkosteneinsparungen und gebe aus ihrer Sicht keine ausreichenden Zusagen für die langfristige Zukunft des Werks. Auch eine mögliche spätere Schließung wird von der IG Metall als Risiko genannt. Eine entsprechende Entscheidung des Unternehmens über eine Werksschließung ist damit jedoch nicht verbunden.
Zusätzliche Brisanz erhält die Situation durch eine bestehende Standortvereinbarung. Sie läuft nach bisherigen Angaben zum 31. Dezember 2026 aus. Bosch hatte bereits vor der aktuellen Entscheidung erklärt, Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen über die weitere Entwicklung aufnehmen zu wollen.
Die Nürnberger Pläne stehen nicht isoliert. Bosch hat bereits einen umfangreichen Personalabbau im Konzern eingeleitet. Bis 2030 sollen insgesamt rund 22.000 Stellen wegfallen, ein großer Teil davon im Automobilgeschäft Mobility. Der nun angekündigte Abbau in Nürnberg kommt nach aktuellen Angaben zusätzlich zu bereits zuvor konkretisierten Maßnahmen hinzu.
Allein im ersten Halbjahr 2026 sank die weltweite Zahl der Bosch Beschäftigten um 6.549 auf 406.225. Ende 2025 hatte der Konzern noch 412.774 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Gleichzeitig stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent auf 46,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei 2,2 Milliarden Euro und damit leicht unter dem Vorjahreswert von 2,3 Milliarden Euro.
Besonders stark steht dabei das Mobilitätsgeschäft im Fokus. Der Unternehmensbereich Mobility erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 27,8 Milliarden Euro. Nominal entsprach das einem Rückgang von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereinigt um Wechselkurseffekte ergab sich dagegen ein Plus von 2,3 Prozent. Bosch verwies zugleich auf Belastungen des Ergebnisses in diesem Geschäftsbereich.
Der Personalabbau in Nürnberg steht damit exemplarisch für den Umbruch bei europäischen Autozulieferern. Unternehmen wie Bosch müssen gleichzeitig bestehende Produktionsstrukturen verkleinern und hohe Summen in neue Technologien investieren. Der Wandel vollzieht sich dabei nicht gleichmäßig. Während Elektroautos weltweit an Bedeutung gewinnen, entwickeln sich Absatz, Ladeinfrastruktur und Nachfrage regional sehr unterschiedlich.
Bosch hält trotz des schwierigen Umfelds an seiner Prognose für 2026 fest. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent und eine operative EBIT Rendite zwischen vier und sechs Prozent. Zugleich hat das Management angekündigt, Kosten und Strukturen weiter anzupassen.
Für den Nürnberger Standort bedeutet diese Strategie nun einen besonders tiefen Einschnitt. Bis Ende 2029 sollen rund 900 Arbeitsplätze wegfallen. Wie der Stellenabbau im Einzelnen umgesetzt wird und welche Beschäftigtengruppen konkret betroffen sein werden, war am Montag zunächst nicht abschließend bekannt.






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