Broadcom stützt milliardenschwere KI-Chipprojekte für Anthropic

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Broadcom übernimmt bei der Finanzierung neuer KI-Rechenkapazitäten ein erhebliches finanzielles Risiko. Aus dem jüngsten Quartalsbericht des US-Chipherstellers geht hervor, dass die maximale potenzielle Haftung aus einer Absicherung für KI-Racks nach vollständiger Bereitstellung bei rund 29 Milliarden US-Dollar liegen kann. Die Konstruktion steht im Zusammenhang mit Broadcoms wachsendem Geschäft mit maßgeschneiderten KI-Chips und einer bereits im Juni angekündigten 35-Milliarden-Dollar-Finanzierung für den KI-Entwickler Anthropic.

Dabei handelt es sich bei den 29 Milliarden Dollar nicht um eine bereits ausgezahlte Summe und auch nicht um eine klassische Investition Broadcoms in Anthropic. Die Zahl bezeichnet die theoretisch maximale Verpflichtung aus einem sogenannten Backstop, falls der Kunde seinen Leasingverpflichtungen nicht nachkommt und der Wert der finanzierten Hardware zur Deckung nicht ausreicht.

Broadcom nennt maximale Haftung von 29 Milliarden Dollar

Broadcom hatte im Juni gemeinsam mit den Finanzinvestoren Apollo und Blackstone eine Finanzierungsplattform für KI-Infrastruktur gestartet. Die erste Tranche umfasst 35 Milliarden Dollar und soll mehr als ein Gigawatt zusätzliche Rechenleistung für Anthropic ermöglichen. Die Rechenkapazitäten werden mit kundenspezifischen Beschleunigern von Broadcom sowie der dazugehörigen Netzwerktechnik aufgebaut.

Die Finanzierung läuft über externe Kapitalgeber. Broadcom liefert die Technologie und hat zugleich eine Absicherung für bestimmte Leasingverpflichtungen übernommen. Laut Quartalsbericht erhöht sich der Backstop mit der Auslieferung und Inbetriebnahme der KI-Racks und sinkt wieder, sobald Leasingzahlungen geleistet werden.

Im Fall eines Zahlungsausfalls richtet sich Broadcoms tatsächliche Verpflichtung unter anderem danach, welchen Wert die Hardware dann noch besitzt. Das Unternehmen beziffert die maximale potenzielle Haftung bei vollständiger Bereitstellung aller vorgesehenen Systeme auf rund 29 Milliarden Dollar. Zum Bilanzstichtag am 2. August waren nach Unternehmensangaben keine Zahlungen aus dieser Absicherung erfolgt. Auch der bilanzierte beizulegende Zeitwert des Backstops war laut Broadcom nicht wesentlich.

Zusätzlich sieht die Struktur unter bestimmten Bedingungen wandelbare Schuldscheine von insgesamt bis zu 42 Milliarden Dollar vor. Solche Schuldscheine waren zum Bilanzstichtag ebenfalls noch nicht ausgegeben.

Anthropic steckt hinter der ersten 35-Milliarden-Tranche

Der Quartalsbericht nennt den Kunden in dem Abschnitt zum Backstop nicht ausdrücklich. Die Zuordnung lässt sich jedoch mit Broadcoms eigener Mitteilung vom Juni verbinden. Darin hatten Broadcom, Apollo und Blackstone die erste 35-Milliarden-Dollar-Transaktion ausdrücklich der Erweiterung der Rechenkapazität von Anthropic zugeordnet.

Geplant ist zunächst mehr als ein Gigawatt Infrastruktur an Standorten des Cloudanbieters Fluidstack. Die übergeordnete Finanzierungsplattform soll bis 2028 mehr als 20 Gigawatt Rechenleistung für große KI-Entwickler ermöglichen. Broadcom hatte dabei neben Anthropic auch OpenAI als möglichen Nutzer der Plattform genannt.

Die Konstruktion zeigt, wie kapitalintensiv die nächste Ausbaustufe der KI-Branche geworden ist. Hochleistungsrechner, Speicher, Netzwerke und Stromversorgung müssen lange vor den späteren Erlösen finanziert werden. Chipanbieter wie Broadcom übernehmen deshalb zunehmend nicht nur eine Rolle als Technologielieferant, sondern beteiligen sich auch an Finanzierungsstrukturen rund um die Hardware.

Kundenspezifische KI-Chips treiben Broadcoms Wachstum

Das Geschäft mit kundenspezifischen KI-Chips entwickelt sich für Broadcom inzwischen zu einem zentralen Umsatztreiber. Im dritten Geschäftsquartal 2026 lag der Umsatz mit KI-Halbleitern bei 16,7 Milliarden Dollar. Das waren nach Angaben des Unternehmens 221 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 54 Prozent mehr als im vorherigen Quartal.

Für das vierte Geschäftsquartal stellte Broadcom KI-Halbleiterumsätze von rund 21,7 Milliarden Dollar in Aussicht. Vorstandschef Hock Tan verweist dabei sowohl auf maßgeschneiderte KI-Beschleuniger als auch auf Netzwerkchips, die große Rechencluster miteinander verbinden.

Broadcom spricht bei seinen kundenspezifischen Beschleunigern häufig von XPUs. Anders als Nvidia verkauft der Konzern damit nicht primär ein weitgehend standardisiertes Beschleunigerprodukt an möglichst viele Kunden. Broadcom entwickelt gemeinsam mit einzelnen Großkunden spezialisierte Chips, die für deren eigene Rechenzentren und KI-Arbeitslasten optimiert werden.

Zu den bekannten Programmen gehören unter anderem Googles Tensor Processing Units. Broadcom erklärte Anfang September außerdem, inzwischen sechs große XPU-Kunden zu bedienen.

Marktanteil von 60 bis 70 Prozent bleibt eine Schätzung

Wie groß Broadcoms Anteil am Markt für kundenspezifische KI-Chips tatsächlich ist, lässt sich aus den Unternehmensberichten nicht exakt ableiten. Broadcom veröffentlicht dafür keinen offiziellen Marktanteil.

Branchenanalysen und Marktstudien verorten den Konzern jedoch häufig bei etwa 60 bis 70 Prozent des Marktes für die Entwicklung kundenspezifischer KI-Beschleuniger. Gemeinsam mit Marvell wird Broadcom in einigen Schätzungen ein sehr großer Teil dieses spezialisierten Co-Design-Marktes zugerechnet.

Diese Zahlen sind von der wesentlich größeren Gesamtbetrachtung des Marktes für KI-Beschleuniger zu unterscheiden. Dort bleibt Nvidia mit seinen frei verkäuflichen GPUs der mit Abstand bedeutendere Anbieter. Ein Anteil von etwa 70 Prozent am Custom-ASIC-Geschäft bedeutet daher nicht, dass Broadcom 70 Prozent aller weltweit verkauften KI-Chips liefert.

Broadcom greift Nvidia mit einem anderen Geschäftsmodell an

Der Wettbewerb zwischen Broadcom und Nvidia findet deshalb nicht auf allen Ebenen direkt statt. Nvidia verkauft universell einsetzbare GPUs samt eigener Softwareplattform. Diese Systeme werden von Cloudanbietern, KI-Unternehmen und Unternehmen unterschiedlichster Branchen eingesetzt.

Broadcom verfolgt vor allem bei Großkunden einen anderen Ansatz. Google, Meta, Anthropic oder andere Hyperscaler können spezialisierte Chips auf ihre eigenen Anwendungen zuschneiden. Das kann bei sehr großen, vorhersehbaren Rechenlasten Vorteile bei Kosten, Energieverbrauch und Leistung bringen.

Damit entsteht für Nvidia vor allem dort zusätzlicher Wettbewerb, wo die größten Cloud- und KI-Unternehmen genügend Volumen besitzen, um eigene Chiparchitekturen wirtschaftlich zu betreiben. Gleichzeitig können beide Technologien nebeneinander eingesetzt werden. Viele Betreiber verwenden Nvidia-GPUs für bestimmte Aufgaben und eigene ASICs für andere Workloads.

Die jüngsten Zahlen zeigen dennoch, dass kundenspezifische KI-Chips für Broadcom erheblich an Bedeutung gewinnen. Die 29 Milliarden Dollar maximale Absicherung für das Anthropic-Projekt verdeutlichen zugleich, welche Größenordnung die dafür notwendigen Investitionen inzwischen erreicht haben.

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