
Münster. Mehr als vier von zehn AOK-versicherten Kindern und Jugendlichen in Westfalen-Lippe haben 2025 die zahnärztliche Individualprophylaxe nicht genutzt. Nach Angaben der AOK NordWest nahmen 56,9 Prozent der Sechs- bis 17-Jährigen entsprechende Vorsorgeleistungen in Anspruch. Damit blieb ein erheblicher Teil der jungen Versicherten bei der Zahnvorsorge in Westfalen-Lippe außen vor. Konkret nutzten 175.473 Kinder und Jugendliche im vergangenen Jahr mindestens eine entsprechende Prophylaxeleistung. Rechnerisch umfasst die ausgewertete Gruppe damit rund 308.400 AOK-Versicherte zwischen sechs und 17 Jahren. Etwa 132.900 von ihnen nahmen die erfasste Individualprophylaxe nicht in Anspruch.
Auf den ersten Blick zeigen die Zahlen eine positive Entwicklung: 2024 hatten noch 169.350 Kinder und Jugendliche die Vorsorge genutzt. Innerhalb eines Jahres stieg die Teilnehmerzahl damit um 3,6 Prozent. Der Anteil an allen betrachteten Versicherten entwickelte sich allerdings in die andere Richtung. 2024 lag die Teilnahmequote noch bei 57,5 Prozent, 2025 waren es 56,9 Prozent – ein Rückgang um 0,6 Prozentpunkte. Der Grund liegt offenbar in der wachsenden Zahl der bei der AOK NordWest versicherten Kinder und Jugendlichen. Aus den veröffentlichten Angaben lässt sich errechnen, dass die betrachtete Gruppe von rund 294.500 auf etwa 308.400 Versicherte angewachsen ist und damit stärker zulegte als die Zahl der Vorsorgeteilnehmer.
Wichtig für die Einordnung: Die Zahlen bedeuten nicht, dass 43,1 Prozent der Kinder überhaupt keinen Zahnarzt besucht haben. Erfasst wird die Nutzung bestimmter Prophylaxeleistungen. Ein Zahnarztbesuch wegen einer Behandlung oder aus einem anderen Anlass kann daher durchaus stattgefunden haben.
Bei Kindern unter sechs Jahren ist die Zahl der zahnmedizinischen Früherkennungsuntersuchungen ebenfalls gestiegen. 2025 nahmen 54.303 Kinder entsprechende Leistungen in Anspruch, nach 52.484 im Vorjahr. Das entspricht einem Plus von rund 3,5 Prozent. Für diese Leistungen gab die AOK NordWest 2025 nach eigenen Angaben fast 2,9 Millionen Euro aus und damit 9,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Kinder haben bereits ab dem sechsten Lebensmonat Anspruch auf zahnärztliche Früherkennung. Bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr sind insgesamt sechs Untersuchungen vorgesehen. Dabei werden unter anderem Mundhöhle und Zähne kontrolliert, das Kariesrisiko eingeschätzt und Eltern zu Ernährung, Mundhygiene und Fluoriden beraten. Seit dem 1. Januar 2026 werden diese Untersuchungen als Z1 bis Z6 auch im Gelben Kinderuntersuchungsheft dokumentiert. Eltern sollen dadurch die Zahnarztvorsorge leichter im Blick behalten können.
Bei älteren Kindern und Jugendlichen umfasst die Individualprophylaxe unter anderem die Kontrolle von Mundhygiene und Zahnfleisch, die Einschätzung des Kariesrisikos sowie Beratung zur richtigen Zahnpflege. Auch die Versiegelung der Fissuren der bleibenden großen Backenzähne gehört zur Kinder- und Jugendprophylaxe. Zusätzlich gibt es in Westfalen-Lippe bereits seit 1983 die Gruppenprophylaxe in Kindergärten und Schulen. Der Arbeitskreis Zahngesundheit Westfalen-Lippe arbeitet dabei mit Krankenkassen, Gesundheitsämtern und Zahnärzten zusammen. Das Angebot richtet sich regulär an Kinder unter zwölf Jahren, bei erhöhtem Kariesrisiko teilweise auch an Jugendliche bis 16 Jahre.
Bei der Kariesprävention hat sich die Zahngesundheit von Kindern in Deutschland über viele Jahre deutlich verbessert. Nach der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie sind 78 Prozent der Zwölfjährigen kariesfrei. Bei Acht- und Neunjährigen fällt die Bilanz schwächer aus: Knapp 60 Prozent sind kariesfrei, die durchschnittliche Karieserfahrung liegt bei 1,4 betroffenen Zähnen.
Auffällig bleiben soziale Unterschiede. Bei Zwölfjährigen aus Familien mit hohem Bildungsniveau sind etwa 85 Prozent kariesfrei, bei niedrigem familiären Bildungsniveau dagegen nur rund 59 Prozent. Auch die durchschnittliche Karieserfahrung unterscheidet sich deutlich und liegt bei 0,3 beziehungsweise 1,2 betroffenen Zähnen.
Gerade bei kleinen Kindern bestehen bundesweit weiterhin deutliche Lücken bei der Vorsorge. Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung erreichen die einzelnen zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen je nach Untersuchung nur zwischen 11,5 und 56 Prozent der Kinder. Die ärztlichen U-Untersuchungen kommen dagegen auf eine Teilnahmequote von rund 95 Prozent.
Die AOK NordWest veröffentlichte die aktuellen Zahlen im Vorfeld des Tags der Zahngesundheit am 25. September. Der Aktionstag steht 2026 unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit!“ und rückt insbesondere Ernährung, Kaufähigkeit und langfristige Mundgesundheit in den Mittelpunkt.
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