Broadcom und Anthropic: Banken finanzieren KI-Chips mit 63 Milliarden Dollar

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Ausbau künstlicher Intelligenz erhält eine weitere milliardenschwere Finanzierung. Drei große US-Banken und der Finanzinvestor Blackstone stellen insgesamt 63 Milliarden US-Dollar für neue KI-Rechenkapazitäten bereit. Die Technologie liefert Broadcom, genutzt werden soll sie vom KI-Unternehmen Anthropic. Eine eigens gegründete Zweckgesellschaft und umfangreiche Absicherungen durch Broadcom bilden die Grundlage des Geschäfts.

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63 Milliarden Dollar für neue KI-Infrastruktur

Bank of America, Citigroup, Morgan Stanley und Blackstone haben eine Finanzierungsvereinbarung im Umfang von 63 Milliarden US-Dollar angekündigt. Das teilten die beteiligten Unternehmen am Montag, 26. Oktober 2026, gemeinsam mit. Die Finanzierung ist für den Erwerb spezialisierter KI-Beschleuniger und Netzwerktechnik des amerikanischen Halbleiterkonzerns Broadcom vorgesehen.

Die Hardware soll dem KI-Unternehmen Anthropic zur Verfügung gestellt werden. Anthropic entwickelt unter anderem den KI-Assistenten Claude und benötigt große Rechenkapazitäten für das Training und den Betrieb seiner KI-Modelle.

Die ersten Lieferungen im Rahmen der Vereinbarung werden für das Kalenderjahr 2027 erwartet. Ein konkreter Lieferbeginn wurde nicht genannt. Ebenso veröffentlichten die Unternehmen zunächst keinen detaillierten Zeitplan für die vollständige Bereitstellung der finanzierten Technik.

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Die Transaktion gehört zu einer bereits bestehenden strategischen Vereinbarung über den Ausbau der Rechenkapazitäten von Anthropic. Sie verdeutlicht, welche Kapitalbeträge mittlerweile für die technische Infrastruktur leistungsfähiger KI-Systeme mobilisiert werden.

Zweckgesellschaft kauft und vermietet die Hardware

Anders als bei einem klassischen Unternehmenskredit erhält Anthropic die 63 Milliarden Dollar nicht unmittelbar zur freien Verfügung. Die Finanzierung erfolgt über eine neu gegründete Zweckgesellschaft, im internationalen Finanzgeschäft als Special Purpose Vehicle bezeichnet.

Diese Gesellschaft soll mithilfe der zugesagten Finanzierung Broadcoms KI-Beschleuniger und zugehörige Netzwerklösungen erwerben. Anschließend wird die Technik an Anthropic vermietet.

Damit sind der Kauf und die Finanzierung der Hardware organisatorisch vom Unternehmen getrennt, das die Rechenkapazitäten tatsächlich nutzt. Die Zweckgesellschaft übernimmt die Rolle des Käufers und Vermieters. Anthropic erhält über die Mietvereinbarungen Zugang zur benötigten technischen Ausstattung.

Solche Strukturen ermöglichen es, große Investitionen über langfristige Nutzungsverträge zu finanzieren. Die Zahlungsfähigkeit des Nutzers, der wirtschaftliche Wert der Hardware und die vertraglichen Sicherheiten sind dabei wesentliche Faktoren.

Die genauen Laufzeiten der Finanzierung, die Zinssätze und die Bedingungen der Mietverträge wurden in der gemeinsamen Ankündigung nicht offengelegt.

Broadcom sichert vorrangige Kredite ab

Die Finanzierung ist in unterschiedliche Risikoklassen aufgeteilt. Bank of America, Citi und Morgan Stanley organisieren den vorrangig besicherten Teil. Blackstone übernimmt als einziger Anbieter die fest zugesagte Finanzierung der nachrangig besicherten Kredittranche.

Bei dieser Konstruktion haben die vorrangigen Gläubiger im Verwertungsfall grundsätzlich Vorrang vor den nachrangigen Kreditgebern. Für die nachrangige Finanzierung ergibt sich dadurch ein höheres Verlustrisiko.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters beläuft sich der vorrangige Kreditanteil auf rund 43,5 Milliarden US-Dollar. Reuters beruft sich dabei auf zwei mit der Transaktion vertraute Personen. Dies entspräche etwa 69 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens. Die beteiligten Unternehmen selbst nannten zunächst keine genaue Aufteilung.

Eine besondere Rolle übernimmt Broadcom. Der Halbleiterkonzern sagt der Zweckgesellschaft eine Absicherung des Restwerts der finanzierten Hardware zu. Der Umfang dieser Unterstützung entspricht nach der gemeinsamen Mitteilung dem vorrangigen Finanzierungsanteil.

Damit beteiligt sich Broadcom nicht nur als Technologielieferant, sondern übernimmt auch finanzielle Risiken der Transaktion. Die Absicherung soll insbesondere das Risiko begrenzen, dass die finanzierten Anlagen im Verwertungsfall nicht mehr genügend wert sind.

Es handelt sich allerdings nicht um eine ausdrücklich zugesagte vollständige Absicherung sämtlicher 63 Milliarden Dollar. Die genauen vertraglichen Bedingungen der Restwertgarantie wurden zunächst nicht veröffentlicht.

Bereits im Juni wurde eine Milliardenfinanzierung vereinbart

Für Broadcom und Anthropic ist die neue Finanzierung nicht das erste Geschäft dieser Größenordnung.

Bereits am 9. Juni 2026 hatten Broadcom, Apollo Global Management und Blackstone eine gemeinsame Finanzierungsplattform für KI-Infrastruktur vorgestellt. Die erste Transaktion umfasste 35 Milliarden US-Dollar. Damit sollte der Ausbau von mehr als einem Gigawatt Rechenkapazität für Anthropic unterstützt werden.

Die Plattform ist darauf ausgelegt, große Investitionen in speziell entwickelte KI-Prozessoren und Netzwerktechnik über institutionelle Kapitalgeber zu ermöglichen. Broadcom hatte dafür ein langfristiges Finanzierungskonzept mit Apollo und Blackstone entwickelt.

Die nun angekündigten 63 Milliarden Dollar bilden eine weitere großvolumige Finanzierung im Umfeld der KI-Infrastruktur des Unternehmens.

Google und Broadcom liefern die Technik

Hinter den Investitionen steht eine bereits im April 2026 ausgeweitete Zusammenarbeit zwischen Anthropic, Google und Broadcom.

Broadcom hatte damals in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC erklärt, Anthropic solle ab 2027 Zugang zu rund 3,5 Gigawatt zusätzlicher KI-Rechenkapazität erhalten. Grundlage sind unter anderem speziell entwickelte Tensor Processing Units, kurz TPUs, aus der Zusammenarbeit zwischen Google und Broadcom.

Diese Prozessoren sind für besonders rechenintensive Aufgaben der künstlichen Intelligenz ausgelegt. Sie werden sowohl für die Entwicklung großer KI-Modelle als auch für deren späteren Betrieb benötigt.

Nach Angaben der Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell, die Broadcom bei der aktuellen Finanzierung berät, soll die neue Transaktion den Aufbau von 1,7 Gigawatt KI-Rechenkapazität ermöglichen.

Broadcom hatte bereits im April darauf hingewiesen, dass die tatsächliche Nutzung der vereinbarten zusätzlichen Rechenkapazitäten vom weiteren wirtschaftlichen Erfolg Anthropics abhängig sei.

Anthropic nutzt neben Googles TPUs auch Grafikprozessoren von Nvidia sowie die Trainium-Chips von Amazon. Amazon bleibt nach Angaben von Anthropic der wichtigste Cloudanbieter und Trainingspartner des Unternehmens.

Milliardenkredite bringen finanzielle Risiken

Die Finanzierung für Anthropic verdeutlicht, wie eng sich die Halbleiterindustrie, große KI-Unternehmen und internationale Kapitalgeber inzwischen miteinander verbinden.

Der erhebliche Kapitalbedarf entsteht durch die technische Ausstattung moderner Rechenzentren. Neben spezialisierten Prozessoren werden leistungsfähige Netzwerke und große Mengen elektrischer Energie benötigt.

Bei der neuen Vereinbarung tragen mehrere Beteiligte unterschiedliche wirtschaftliche Risiken. Die Kreditgeber sind von den Rückflüssen der Finanzierung abhängig. Für Anthropic entstehen Verpflichtungen aus der Nutzung der bereitgestellten Hardware. Broadcom wiederum übernimmt durch seine Restwertabsicherung zusätzliche Risiken.

Ein wesentliches Problem solcher Finanzierungsmodelle ist die wirtschaftliche Nutzungsdauer der Technik. KI-Prozessoren können durch neue Chipgenerationen vergleichsweise schnell an Wert verlieren. Sollte ihr Marktwert deutlich sinken, kann dies die Verwertung der Anlagen erschweren.

Hinzu kommt die Abhängigkeit von der künftigen Nachfrage nach KI-Rechenleistung. Bleibt die tatsächliche Nutzung hinter den Erwartungen zurück, können die umfangreichen vertraglichen Verpflichtungen zur finanziellen Belastung werden.

Die Ratingagentur Moody’s bezeichnete Broadcom laut Reuters zwar als eines der finanziell stärkeren großen Technologieunternehmen. Zugleich warnte sie davor, dass mehrere vergleichbare Transaktionen innerhalb kurzer Zeit die finanziellen Risiken für Broadcom erhöhen könnten.

Die neue Vereinbarung unterstreicht damit einen Wandel bei der Finanzierung künstlicher Intelligenz. Neben traditionellen Investitionen von Technologieunternehmen gewinnen spezialisierte Kreditstrukturen, institutionelle Anleger und finanzielle Garantien der Hardwarelieferanten zunehmend an Bedeutung.

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