
Die US-Regierung will den Ausbau der Atomstromproduktion mit einem Kredit von bis zu fünf Milliarden Dollar unterstützen. Das Energieministerium hat dem Kraftwerksbetreiber Constellation Energy dafür eine bedingte Finanzierungszusage erteilt. Die Mittel sollen in die Modernisierung bestehender Kernkraftwerke in drei US-Bundesstaaten fließen. Hintergrund ist unter anderem der steigende Strombedarf von Rechenzentren und Anwendungen künstlicher Intelligenz.
Die am Dienstag, 27. Oktober 2026, bekanntgegebene Zusage betrifft eine mögliche Finanzierung durch das Office of Energy Dominance Financing des US-Energieministeriums. Nach Angaben der Behörde sollen die geplanten Maßnahmen die elektrische Leistung der betroffenen Anlagen um insgesamt knapp 1,1 Gigawatt erhöhen.
Im Mittelpunkt der Förderung steht nicht der Neubau von Kernkraftwerken. Constellation Energy soll vielmehr die Stromproduktion bereits betriebener Reaktoren steigern. Dafür sind technische Modernisierungen und Leistungsanhebungen vorgesehen.
Diese sogenannten Power Uprates ermöglichen es, zusätzliche elektrische Leistung aus bestehenden Anlagen zu gewinnen. Anders als beim Bau vollständig neuer Kernkraftwerke können dafür wesentliche Teile der vorhandenen Infrastruktur genutzt werden.
Das US-Energieministerium nennt acht Kraftwerksstandorte in drei Bundesstaaten. Sechs davon befinden sich in Illinois: Braidwood, Byron, Clinton, Dresden, LaSalle und Quad Cities. Hinzu kommen Calvert Cliffs in Maryland und Limerick in Pennsylvania.
Die Finanzierung könnte nach Angaben der Behörde auch auf zusätzliche Leistungssteigerungen an weiteren Constellation-Standorten ausgeweitet werden. Eine entsprechende Option ist in der bedingten Kreditzusage vorgesehen.
Eine wesentliche Rolle für die Ausbaupläne spielt die zunehmende Nachfrage nach Strom aus der Digitalwirtschaft. Insbesondere große Rechenzentren benötigen erhebliche Energiemengen für Server, Datenverarbeitung und Kühlung. Mit der Verbreitung künstlicher Intelligenz wächst der Bedarf zusätzlich.
Die US-Energieinformationsbehörde EIA geht in ihrem Energieausblick 2026 davon aus, dass der Stromverbrauch von Rechenzentrumsservern langfristig deutlich zunehmen wird. Für das Jahr 2050 erwartet sie je nach Szenario einen jährlichen Verbrauch zwischen 446 und 818 Milliarden Kilowattstunden allein für Server. Dabei handelt es sich ausdrücklich um Modellrechnungen, nicht um feststehende Verbrauchswerte.
Constellation hat bereits umfangreiche Verträge mit Technologieunternehmen geschlossen. Anfang Oktober vereinbarten Google und der Energieversorger eine Zusammenarbeit über 20 Jahre. Dadurch sollen Investitionen in zusätzliche Atomstromkapazitäten von insgesamt 890 Megawatt ermöglicht werden.
Nach Unternehmensangaben betrifft die Vereinbarung elf Reaktorblöcke in Illinois, Pennsylvania und New Jersey. Die erforderlichen Investitionen beziffert Constellation auf mehr als 4,3 Milliarden Dollar. Erste zusätzliche Kapazitäten sollen nach der Planung ab 2028 zur Verfügung stehen.
Ende September hatte Constellation außerdem einen langfristigen Vertrag mit Amazon bekanntgegeben. Dieser soll am Kernkraftwerksstandort Calvert Cliffs in Maryland eine Leistungssteigerung um rund 190 Megawatt ermöglichen. Die zusätzlichen Kapazitäten sind für den Zeitraum von 2030 bis 2032 vorgesehen.
Allein die Vereinbarungen mit Google und Amazon stehen damit für Investitionspläne von mehr als sieben Milliarden Dollar und rund 1.080 Megawatt zusätzlicher Atomkraftleistung. Eine weitere Vereinbarung mit Meta aus dem Jahr 2025 unterstützt eine geplante Erweiterung um 30 Megawatt am Standort Clinton in Illinois.
Die Zusammenarbeit mit den Technologieunternehmen bedeutet nicht, dass sämtliche zusätzliche Strommengen ausschließlich einzelnen Rechenzentren zur Verfügung stehen.
Nach den Vereinbarungen mit Google und Amazon soll der Strom in die regionalen Versorgungsnetze eingespeist werden. Das betrifft insbesondere das Netzgebiet des Betreibers PJM, das mehrere Bundesstaaten im Osten und Mittleren Westen der USA umfasst.
Mit den langfristigen Stromlieferverträgen erhalten die Kraftwerksbetreiber Planungssicherheit für umfangreiche Investitionen. Gleichzeitig sichern sich große Stromabnehmer vertraglich Strommengen für ihren künftigen Bedarf.
Constellation sieht in der Kombination aus privatwirtschaftlichen Lieferverträgen und staatlichen Finanzierungsmöglichkeiten eine Grundlage, um die Stromerzeugung schneller auszubauen. Die jetzt angebotene Finanzierung könnte nach Darstellung des Unternehmens die Finanzierungskosten für weitere Leistungssteigerungen senken.
Die geplante Finanzierung ist Teil einer umfassenderen energiepolitischen Strategie der Regierung von US-Präsident Donald Trump.
Bereits im Mai 2025 hatte Trump mehrere Anordnungen zur Stärkung der amerikanischen Kernenergie unterzeichnet. Die Regierung verfolgt dabei unter anderem das Ziel, die installierte Atomkraftleistung der Vereinigten Staaten von ungefähr 100 Gigawatt im Jahr 2024 bis 2050 auf 400 Gigawatt zu erhöhen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Modernisierung bestehender Anlagen. Das Energieministerium soll zusätzliche Leistung aus vorhandenen Reaktoren ermöglichen und außerdem die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Kraftwerke sowie den Neubau weiterer Reaktoren unterstützen.
Im März 2026 startete das Energieministerium dafür die Initiative UPRISE. Sie soll die vorhandene Kernkraftwerksinfrastruktur besser nutzen und zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten erschließen.
Die Behörde verfolgt mit dem Programm das Ziel, bis 2029 fünf Gigawatt zusätzliche Kernkraftleistung durch Maßnahmen an bestehenden Anlagen und Wiederinbetriebnahmen zu ermöglichen.
Nach Angaben des Energieministeriums vom 27. Oktober sind inzwischen Projekte identifiziert, die 94 Prozent des angestrebten Umfangs abdecken sollen. Die Nennung dieser Projekte bedeutet allerdings noch nicht, dass die zusätzliche Kapazität bereits verfügbar ist.
Constellation ist nicht der einzige Energiekonzern, dessen Atomkraftprojekte staatliche Unterstützung erhalten sollen.
Am 5. Oktober 2026 hatte das US-Energieministerium bereits eine bedingte Kreditzusage von bis zu 4,2 Milliarden Dollar für den Kraftwerksbetreiber Vistra bekanntgegeben.
Das Geld ist für Modernisierungen und Leistungssteigerungen an den Standorten Beaver Valley in Pennsylvania sowie Davis-Besse und Perry in Ohio vorgesehen. Nach den Plänen sollen dadurch 433 Megawatt zusätzliche Kernkraftleistung entstehen. Auch diese Finanzierung war zum Zeitpunkt der Ankündigung noch an Bedingungen geknüpft.
Die US-Regierung setzt damit sowohl auf die Weiterentwicklung bestehender Atomkraftwerke als auch auf neue Reaktortechnologien. Die Energiepolitik ist zugleich mit den industriepolitischen Zielen der Regierung verknüpft. Dazu gehören die Sicherung der Stromversorgung, der Ausbau amerikanischer Produktionskapazitäten und die Unterstützung energieintensiver Zukunftstechnologien.
Trotz der Ankündigung steht die Finanzierung für Constellation Energy noch nicht endgültig fest.
Nach Angaben des Energieministeriums müssen zunächst technische, rechtliche, umweltbezogene und finanzielle Voraussetzungen erfüllt werden. Erst danach können verbindliche Kreditvereinbarungen abgeschlossen und Mittel ausgezahlt werden.
Constellation betont zudem, dass aus der bedingten Zusage noch keine endgültige Investitionsentscheidung für sämtliche vorgesehenen Kraftwerksstandorte folgt. Über einzelne Modernisierungsvorhaben muss weiterhin entschieden werden.
Konkrete Angaben zur Laufzeit und zum Zinssatz der angekündigten Finanzierung wurden am 27. Oktober zunächst nicht veröffentlicht. Ebenso gab es keinen verbindlichen Zeitpunkt für die Auszahlung des möglichen Milliardenkredits.
Das Energieministerium verbindet die geplanten Projekte mit der Erwartung, die Versorgungssicherheit zu verbessern und die Stromkosten zu senken. Nach seinen Berechnungen würde die zusätzliche Stromproduktion rechnerisch ausreichen, um mehr als 930.000 Haushalte zu versorgen. Ob und in welchem Umfang die Vorhaben tatsächlich zu niedrigeren Strompreisen führen, ist damit noch nicht belegt.
Die Finanzierung unterstreicht den Stellenwert, den die US-Regierung der Atomenergie beim Ausbau der amerikanischen Stromversorgung einräumt. Für Constellation eröffnet die Kreditzusage die Möglichkeit, zusätzliche Investitionen an bestehenden Kernkraftwerken staatlich finanzieren zu lassen. Voraussetzung bleiben der Abschluss der Kreditvereinbarungen und die Umsetzung der einzelnen Kraftwerksprojekte.
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