
Der Photovoltaik-Anlagenbauer BSH aus Bad Königshofen im Grabfeld hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Schweinfurt ordnete am Montag, 14. September 2026, die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der BSH GmbH und Co. KG an. Damit gerät ein seit vielen Jahren bundesweit tätiger Anbieter von Photovoltaikanlagen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der Fall trifft auf eine deutsche Solarbranche, deren Gesamtmarkt weiter wächst, während insbesondere das Geschäft mit privaten Dachanlagen zuletzt starken Schwankungen ausgesetzt war.
Die vorläufige Insolvenzverwaltung trat nach der gerichtlichen Anordnung am Montag um 9.45 Uhr in Kraft. Das Verfahren beim Amtsgericht Schweinfurt läuft unter dem Aktenzeichen IN 228/26. Den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen stellte die BSH GmbH und Co. KG selbst. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Würzburger Rechtsanwalt Dr. Alexander Zarzitzky bestellt. Verfügungen über Vermögenswerte des Unternehmens benötigen nun grundsätzlich dessen Zustimmung.
Damit ist das eigentliche Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet. In der vorläufigen Phase werden zunächst die wirtschaftliche Lage und das vorhandene Vermögen geprüft und gesichert. Erst anschließend entscheidet das Gericht über die Eröffnung des Verfahrens.
Unklar blieb zunächst, welche unmittelbaren Folgen die vorläufige Insolvenzverwaltung für laufende Aufträge, Beschäftigte und den Geschäftsbetrieb von BSH hat. Ebenso lagen zunächst keine belastbaren Angaben dazu vor, welche konkreten wirtschaftlichen Faktoren zu dem Insolvenzantrag geführt haben.
BSH hat seinen Sitz in der Bamberger Straße in Bad Königshofen im Grabfeld im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen seit mehr als 20 Jahren im Bereich erneuerbarer Energien tätig. Auf seiner Internetseite nennt BSH mehr als 22.000 installierte Photovoltaikanlagen. Angeboten werden unter anderem Solaranlagen, Batteriespeicher sowie weitere Energielösungen für private und gewerbliche Kunden.
Die Insolvenz des Photovoltaik-Anlagenbauers BSH fällt in eine Phase, in der sich innerhalb des deutschen Solarmarktes sehr unterschiedliche Entwicklungen überlagern. Insgesamt wird weiterhin viel neue Photovoltaikleistung gebaut. Für Installationsbetriebe, die stark vom Geschäft mit Einfamilienhäusern abhängig sind, war die Entwicklung zuletzt jedoch deutlich schwieriger.
Der Bundesverband Solarwirtschaft bezifferte den Rückgang der Zahl neu errichteter Anlagen im Eigenheimsegment Ende 2025 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum auf rund 28 Prozent. Nach dem starken Boom während der Energiekrise hatte sich die Nachfrage damit spürbar normalisiert. Gerade Anbieter, die Solaranlagen überwiegend an private Hausbesitzer verkaufen und installieren, bewegen sich deshalb in einem Markt mit hohem Wettbewerbsdruck.
2026 hat sich das Gesamtbild wieder verbessert. Im ersten Halbjahr wurden nach einer Auswertung des Marktstammdatenregisters rund 7,4 Gigawatt neue Photovoltaikleistung installiert. Das waren etwa neun Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Bundesverband Solarwirtschaft verwies allerdings darauf, dass dabei auch Vorzieheffekte und die Diskussion über künftige Förderbedingungen eine Rolle spielen könnten.
Die Zahlen zeigen zugleich, warum einzelne Unternehmensinsolvenzen nicht mit einem allgemeinen Einbruch des Solarmarktes gleichgesetzt werden können. Die Nachfrage entwickelt sich je nach Segment unterschiedlich. Während das Geschäft mit privaten Dachanlagen zeitweise deutlich schwächer ausfiel, wächst der Markt für größere Freiflächenanlagen weiter kräftig.
Im August 2026 überschritt die in Deutschland installierte Photovoltaikleistung nach einer Auswertung des Bundesverbandes Solarwirtschaft auf Basis des Marktstammdatenregisters die Marke von 128 Gigawatt. Damit wurde das im Erneuerbare-Energien-Gesetz vorgesehene Zwischenziel für 2026 bereits erreicht. Bundesweit sind inzwischen mehr als sechs Millionen Solarstromanlagen installiert.
Auch die jüngsten Ausschreibungen für größere Anlagen zeigen weiterhin erhebliches Investoreninteresse. Bei der Ausschreibung für Freiflächenanlagen zum Gebotstermin 1. Juli 2026 standen rund 2.135 Megawatt zur Verfügung. Eingereicht wurden Gebote über 3.170 Megawatt. Die Ausschreibung war damit deutlich überzeichnet.
Langfristig verlangt der gesetzliche Ausbaupfad allerdings noch einen erheblichen zusätzlichen Zubau. Bis 2030 sollen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 215 Gigawatt installiert sein. Nach Erreichen der Marke von 128 Gigawatt fehlen damit noch rund 87 Gigawatt. In den kommenden Jahren wären durchschnittlich etwa 20 Gigawatt zusätzliche Leistung pro Jahr erforderlich.
Die Lage der deutschen Solarbranche lässt sich deshalb nicht allein über den Zubau neuer Anlagen bewerten. Auf der einen Seite wächst die installierte Leistung schnell. Auf der anderen Seite verändert sich die wirtschaftliche Struktur des Marktes. Nach Jahren außergewöhnlich hoher Nachfrage müssen sich Installationsunternehmen wieder stärker über Preise, Vertrieb, Finanzierung, Speicherangebote und Service differenzieren.
Hinzu kommt der intensive internationale Wettbewerb bei den Komponenten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen 2025 rund 88 Prozent der nach Deutschland importierten Solarzellen und Solarmodule aus China. Gleichzeitig sank die heimische Produktion von Solarmodulen in den ersten drei Quartalen 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als 60 Prozent. Diese Entwicklung betrifft vor allem die industrielle Produktion und ist nicht unmittelbar mit der Situation einzelner Installationsbetriebe gleichzusetzen. Sie verdeutlicht aber den hohen Preisdruck innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette.
Gleichzeitig gewinnt das Zusammenspiel von Photovoltaik, Batteriespeichern, Wärmepumpen und Elektromobilität an Bedeutung. Ende 2025 wurden nach Angaben des Solarverbands bereits etwa acht von zehn neuen privaten Dachanlagen zusammen mit einem Batteriespeicher installiert. Für Fachbetriebe entstehen dadurch neue Geschäftsmöglichkeiten, allerdings steigen auch die Anforderungen an Beratung, Planung und Installation.
Der Fall BSH zeigt damit zunächst die wirtschaftliche Situation eines einzelnen Unternehmens. Eine allgemeine Krise des deutschen Photovoltaikmarktes lässt sich daraus nicht ableiten. Die Insolvenz des Photovoltaik-Anlagenbauers BSH fällt vielmehr in eine Phase der Neuordnung: Der Ausbau der Solarenergie geht weiter, zugleich verändert sich nach den außergewöhnlichen Boomjahren die Nachfrage, und der Wettbewerb innerhalb der Branche bleibt hoch.
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