Volkswagens Softwaretochter Cariad steht vor dem nächsten Umbau

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Symbolbild: Evan Wise

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Bei der Volkswagen-Softwaretochter Cariad zeichnet sich ein weiterer Personalabbau ab. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen sollen rund 1.000 zusätzliche Stellen wegfallen. Das Unternehmen beschäftige derzeit noch etwa 4.300 Menschen. Damit könnte knapp ein Viertel der verbliebenen Belegschaft betroffen sein. Cariad selbst bestätigte die konkrete Zahl zunächst nicht. Der mögliche Stellenabbau bei Cariad war demnach auch Thema einer Betriebsversammlung am Mittwoch, 30. September 2026.

Noch offen ist, in welchem Zeitraum die Stellen wegfallen könnten und welche Instrumente dafür eingesetzt würden. Auch die Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite stehen dem Bericht zufolge noch aus. Damit handelt es sich bei der Größenordnung von rund 1.000 Arbeitsplätzen bislang nicht um eine abschließend vereinbarte Abbauzahl.

Cariad soll kleiner und stärker fokussiert werden

Der mögliche neue Einschnitt trifft eine Softwareeinheit, deren Aufgaben innerhalb des Volkswagen-Konzerns seit mehreren Jahren neu geordnet werden. Cariad war ursprünglich mit dem Anspruch aufgebaut worden, wesentliche Teile der Fahrzeugsoftware und der elektronischen Architektur für die verschiedenen Konzernmarken zusammenzuführen.

Diese Struktur hat sich inzwischen verändert. Volkswagen entwickelt die nächste Generation seiner Software- und Elektronikarchitektur für westliche Märkte gemeinsam mit dem US-Elektroautobauer Rivian. Das 2024 gegründete Gemeinschaftsunternehmen Rivian and Volkswagen Group Technologies entwickelt eine sogenannte Software-Defined-Vehicle-Architektur, die künftig unter anderem in Modellen von Volkswagen und Audi eingesetzt werden soll. Volkswagen plant Investitionen von bis zu 5,8 Milliarden Dollar in Rivian und das gemeinsame Unternehmen.

Cariad behält zugleich eigene Aufgaben. Dazu gehören bestehende Softwareplattformen, digitale Fahrzeugfunktionen sowie verschiedene Entwicklungsbereiche innerhalb des Konzerns. Im Juni 2026 eröffnete die Softwaretochter zudem einen Automotive Software Campus in Berlin. Dort arbeiten nach Konzernangaben rund 1.000 Fachkräfte an Technologien für softwaredefinierte Fahrzeuge und an Anwendungen Künstlicher Intelligenz.

Milliardeninvestitionen sollen sinken

Neben dem Personalbestand stehen auch die Ausgaben der Softwaretochter auf dem Prüfstand. Nach Informationen des Handelsblatts soll Cariad seine Investitionen zwischen 2027 und 2031 um insgesamt rund 6,1 Milliarden Euro reduzieren. Bis zum Beginn des kommenden Jahrzehnts soll die Einheit demnach außerdem einen zusätzlichen Beitrag von rund 400 Millionen Euro zur Verbesserung des operativen Konzernergebnisses leisten. Ein detaillierteres Konzept soll bis Ende Dezember 2026 entstehen. Cariad hat diese konkreten Zielgrößen bislang nicht öffentlich bestätigt.

Die finanzielle Bedeutung des Softwaregeschäfts ist für Volkswagen erheblich. Im Geschäftsjahr 2025 verringerte Cariad seinen operativen Verlust nach Konzernangaben zwar um rund 300 Millionen Euro, schrieb mit einem Minus von etwa 2,2 Milliarden Euro aber weiterhin tiefrote Zahlen. Gleichzeitig stiegen die Lizenzeinnahmen.

Arbeitnehmervertreter warnen vor weiterer Auslagerung

Bereits vor der jüngsten Betriebsversammlung hatten Arbeitnehmervertreter die künftige Rolle von Cariad innerhalb des Volkswagen-Konzerns zum Thema gemacht. Die IG Metall in Ingolstadt wandte sich im September gegen eine weitere Verlagerung zentraler Softwareentwicklung an externe Anbieter. Nach Auffassung der Gewerkschaft und des Betriebsrats müsse technologisches Know-how in Bereichen wie Softwareentwicklung und automatisiertes Fahren im Konzern erhalten bleiben.

Auch die Betriebsversammlung vom 30. September war bereits im Vorfeld von der Arbeitnehmerseite mobilisiert worden. Ein öffentlicher Aufruf aus dem Umfeld von Betriebsrat und IG Metall nannte die künftige Ausrichtung von Cariad, Kostenfragen und Beschäftigung als zentrale Themen.

Frühere Abbauzahl führte bereits zu Streit

Beim Stellenabbau bei Cariad gab es bereits in der Vergangenheit unterschiedliche Darstellungen über konkrete Größenordnungen. Im März 2025 widersprach der Gesamtbetriebsrat öffentlich der damaligen Darstellung, wonach 1.600 Arbeitsplätze gestrichen werden sollten. Nach Angaben der Arbeitnehmervertretung war seinerzeit keine feste Abbauzahl vereinbart worden. Feststand lediglich, dass über ein freiwilliges Personalprogramm verhandelt werden sollte.

Der aktuelle Stand unterscheidet sich insofern, als Unternehmenskreise nun erneut eine konkrete Größenordnung von rund 1.000 Stellen nennen. Eine entsprechende verbindliche Vereinbarung mit Arbeitnehmervertretern oder eine öffentliche Bestätigung durch Cariad lag zunächst jedoch nicht vor.

Software bleibt Schlüsselthema für Volkswagen

Die Neuordnung von Cariad ist Teil eines größeren Umbaus bei Volkswagen. Der Konzern versucht, Entwicklungszeiten und Kosten zu reduzieren und gleichzeitig bei Fahrzeugsoftware, Elektronikarchitekturen und Künstlicher Intelligenz gegenüber internationalen Wettbewerbern aufzuholen.

Die Partnerschaft mit Rivian ist dabei ein zentraler Baustein. Das Gemeinschaftsunternehmen beschäftigte bereits Ende 2025 mehr als 1.500 Mitarbeiter und entwickelt die Architektur für künftige softwaredefinierte Fahrzeuge. Für Cariad verschiebt sich dadurch der Schwerpunkt stärker auf ausgewählte Technologien, bestehende Systeme und Aufgaben, die weiterhin innerhalb des Volkswagen-Konzerns entwickelt werden sollen.

Wie viele Stellen die nächste Stufe dieser Neuordnung tatsächlich kosten wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Die derzeit genannte Größenordnung von rund 1.000 Arbeitsplätzen würde jedoch einen weiteren erheblichen Einschnitt für eine Softwaretochter bedeuten, deren Belegschaft bereits deutlich verkleinert wurde.

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