Scalable startet erstmals Festgeld und hebt Tagesgeldzins an

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Scalable Capital baut sein Geschäft mit klassischen Sparprodukten deutlich aus. Seit Dienstag, 1. September 2026, bietet die Münchner Digitalbank erstmals Festgeld an. Gleichzeitig steigt der variable Zinssatz auf dem Tagesgeldkonto von zuvor 2,50 auf 2,60 Prozent pro Jahr. Beim neuen Festgeld sind je nach Laufzeit bis zu 3,00 Prozent pro Jahr vorgesehen.

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Damit verschärft sich der Wettbewerb um Sparguthaben zwischen digitalen Banken und den aus dem Wertpapierhandel hervorgegangenen Neobrokern. Scalable Capital war lange vor allem als Broker und digitale Vermögensverwaltung bekannt, verfügt seit September 2025 aber über eine Vollbanklizenz und kann damit auch selbst Einlagen und Kredite anbieten.

Die Konditionen gelten mit Stand vom 1. September 2026. Beim Tagesgeld handelt es sich um einen variablen Zinssatz, der künftig verändert werden kann. Die Festgeldzinsen sind dagegen für die jeweils vereinbarte Laufzeit festgeschrieben.

Festgeld mit 2,75 und 3,00 Prozent

Beim neuen Festgeld stehen zunächst zwei Laufzeiten zur Verfügung. Für zwölf Monate nennt Scalable Capital einen festen Jahreszins von 2,75 Prozent. Wer sein Geld für 24 Monate bindet, erhält 3,00 Prozent pro Jahr.

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Die Mindesteinlage liegt bei einem Euro. Einen festen Höchstbetrag nennt die Bank nicht. Kundinnen und Kunden können bis zu fünf Festgeldkonten gleichzeitig führen. Voraussetzung ist allerdings bereits ein Scalable Kundenkonto mit einem aktiven Broker Verrechnungskonto oder einem Tagesgeldkonto.

Anders als beim Tagesgeld steht das eingezahlte Geld während der vereinbarten Laufzeit nicht frei zur Verfügung. Nachzahlungen, Teilabhebungen und eine reguläre vorzeitige Kündigung sind nicht vorgesehen. Nach Ende der Laufzeit werden der Anlagebetrag und die aufgelaufenen Zinsen ausgezahlt.

Eine Besonderheit betrifft die Wiederanlage. Bei Festgeld mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr ist für Kunden in Deutschland eine automatische Verlängerung zunächst voreingestellt. Dabei würde das Guthaben nach Ablauf zu dem dann gültigen Zinssatz erneut angelegt. Diese Einstellung kann im Kundenbereich geändert werden. Bei der Laufzeit von 24 Monaten erfolgt eine erneute Anlage dagegen nur nach entsprechender Weisung.

Das Festgeld wird nach Angaben von Scalable ausschließlich als Bankeinlage bei der Scalable Capital Bank oder bei Partnerbanken gehalten. Geldmarktfonds kommen bei diesem Produkt nicht zum Einsatz. Es gilt die gesetzliche Einlagensicherung von grundsätzlich bis zu 100.000 Euro je Kunde und Bank. Werden höhere Beträge auf mehrere Banken verteilt, kann sich die abgesicherte Gesamtsumme entsprechend erhöhen. Eine unbegrenzte mögliche Anlagesumme bedeutet deshalb nicht automatisch eine unbegrenzte gesetzliche Einlagensicherung.

Scalable Capital Tagesgeld steigt auf 2,60 Prozent

Beim Scalable Capital Tagesgeld liegt der variable Zinssatz nun bei 2,60 Prozent pro Jahr. Die Verzinsung gilt nach den aktuellen Konditionen unabhängig vom gewählten Broker Tarif und ohne angegebenes Guthabenlimit.

Die Berechnung erfolgt taggenau auf Grundlage des jeweiligen Kontostands. Die angesammelten Zinsen werden monatlich am ersten Kalendertag des Folgemonats gutgeschrieben. Eine Mindesteinlage gibt es nicht. Das Tagesgeldkonto verfügt über eine eigene IBAN und das Guthaben kann grundsätzlich jederzeit übertragen werden.

Bei der Absicherung gibt es allerdings einen wesentlichen Unterschied zwischen den Scalable Tarifen. Im kostenpflichtigen PRIME+ Tarif verteilt Scalable Guthaben auf die eigene Bank und Partnerbanken. Dadurch sind nach Angaben des Unternehmens bis zu fünfmal 100.000 Euro gesetzliche Einlagensicherung möglich, sofern die entsprechenden Beträge tatsächlich auf unterschiedliche Banken verteilt sind.

Ohne PRIME+ können Guthaben dagegen sowohl bei Banken als auch in qualifizierten Geldmarktfonds verwahrt werden. Bei Bankeinlagen gilt grundsätzlich die gesetzliche Einlagensicherung von bis zu 100.000 Euro je Kunde und Bank. Für Anteile an Geldmarktfonds gilt diese Einlagensicherung nicht. Dort greifen die europäischen Schutzvorschriften für Investmentfonds. Die konkrete Verteilung kann sich verändern und ist im Kundenbereich einsehbar.

Damit unterscheiden sich die Produkte trotz ähnlicher Darstellung als verzinstes Guthaben hinsichtlich ihrer rechtlichen und wirtschaftlichen Struktur.

Trade Republic liegt derzeit bei 2,25 Prozent

Der Schritt von Scalable erhöht den Wettbewerbsdruck unter den großen digitalen Finanzplattformen. Trade Republic nennt mit Stand vom 1. September 2026 einen Zinssatz von 2,25 Prozent pro Jahr auf aktiviertes Cash Guthaben. Die Zinsen werden dort ebenfalls täglich berechnet und monatlich ausgezahlt.

Auch bei Trade Republic können Kundengelder sowohl bei Partnerbanken als auch in Geldmarktfonds gehalten werden. Für Bankguthaben gilt die jeweilige gesetzliche Einlagensicherung. Für im Geldmarkt angelegte Beträge gelten dagegen die Regeln für Wertpapiervermögen und nicht die klassische Einlagensicherung.

Der reine Vergleich der Prozentwerte ergibt damit derzeit einen Vorsprung von 0,35 Prozentpunkten für das Scalable Tagesgeld gegenüber dem angegebenen Zinssatz bei Trade Republic.

Im weiteren Markt der Digitalbanken gibt es jedoch sehr unterschiedliche Modelle. N26 nennt beispielsweise abhängig vom Kontomodell reguläre Tagesgeldzinsen zwischen 0,25 und 1,50 Prozent. Für bestimmte ältere Metal Kunden gelten abweichende Konditionen. Andere Anbieter arbeiten mit deutlich höheren, aber zeitlich begrenzten Neukundenaktionen. Revolut bietet berechtigten Neukunden in Deutschland derzeit beispielsweise eine Aktion mit 4,25 Prozent auf bis zu 25.000 Euro an. Die Bedingungen sehen allerdings einen begrenzten Aktionszeitraum und teilweise zusätzliche Kartennutzung vor.

Solche Angebote lassen sich deshalb nicht allein anhand des höchsten genannten Zinssatzes vergleichen.

Festgeldzinsen sind zuletzt deutlich gestiegen

Die neuen Scalable Konditionen treffen auf einen insgesamt wieder stärkeren Wettbewerb um Einlagen. Ende August lagen die durchschnittlichen Zinsen bundesweit verfügbarer Festgeldangebote bei rund 2,43 Prozent für zwölf Monate und 2,53 Prozent für zwei Jahre. Einzelne Anbieter lagen deutlich darüber.

Beim Tagesgeld fallen die Unterschiede noch größer aus. Während befristete Neukundenaktionen inzwischen bis über vier Prozent reichen, liegen die durchschnittlichen regulären Konditionen für Bestandskunden erheblich niedriger.

Ein Grund für das wieder höhere Zinsniveau ist die Entwicklung an den Geld und Kapitalmärkten. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Einlagenzins im Juni 2026 auf 2,25 Prozent angehoben und ihn bei ihrer Sitzung im Juli auf diesem Niveau belassen. Banken können überschüssige Liquidität zu diesem Satz über Nacht beim Eurosystem anlegen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Tagesgeldangebote exakt dem EZB Zinssatz entsprechen müssen. Institute legen ihre Konditionen selbst fest. Refinanzierungsbedarf, Wettbewerb um Kundengelder, Laufzeiten und Entwicklungen am Kapitalmarkt können ebenfalls eine Rolle spielen.

Drei Prozent sind ein nominaler Zinssatz

Bei der Bewertung der neuen Konditionen ist zudem zwischen nominalem Zinssatz und tatsächlicher Kaufkraftentwicklung zu unterscheiden. Die deutsche Inflationsrate lag nach der vorläufigen Berechnung des Statistischen Bundesamtes im August 2026 bei 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Dieser einzelne Inflationswert lässt jedoch keine Aussage darüber zu, welche reale Rendite eine zwölf oder 24 Monate laufende Festgeldanlage am Ende tatsächlich erzielt. Dafür ist entscheidend, wie sich die Verbraucherpreise während des gesamten Anlagezeitraums entwickeln. Hinzu kommt die individuelle steuerliche Situation.

Auch die weitere Zinsentwicklung ist offen. Scalable kann den Tagesgeldzins als variablen Zinssatz künftig verändern. Die 2,75 beziehungsweise 3,00 Prozent beim neu abgeschlossenen Festgeld bleiben dagegen für die vereinbarte Laufzeit fest. Wie sich Markt, Inflation und Leitzinsen während dieser Zeit entwickeln, steht zum Zeitpunkt des Abschlusses nicht fest.

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