
Claudia Pechstein übernimmt im deutschen Eisschnelllauf eine neue Führungsaufgabe. Die fünfmalige Olympiasiegerin wird bis zum Jahresende kommissarisch Bundestrainerin für den Allround-Bereich. Das teilte die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft mit. Parallel bleibt Pechstein Bundesstützpunkt-Trainerin in Inzell.
Die Personalentscheidung kommt in einer Phase, in der der Verband seine sportliche Ausrichtung neu ordnet. Neben Pechstein übernimmt Andreas Kraus zusätzlich zu seiner bisherigen Aufgabe als Nachwuchstrainer kommissarisch den Sprintbereich. Nach Angaben des Verbandes soll die Übergangslösung Planungssicherheit schaffen, bis über eine langfristige Besetzung der Trainerposten entschieden wird.
Pechstein soll den Allround-Bereich zunächst befristet führen. Berichten zufolge gilt die Regelung bis zum 31. Dezember 2026. Der Verband will die Zeit nutzen, um einen geordneten Bewerbungsprozess für die künftige Trainerstruktur einzuleiten. Ziel ist eine Aufstellung mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2030.
Die Entscheidung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Pechstein ihre aktive Laufbahn erst im März 2025 beendet hatte. Als Athletin hatte sie fünf Olympiasiege, neun olympische Medaillen, fünf Einzelstrecken-WM-Titel, 34 Weltcupsiege und 115 Weltcup-Podestplätze gesammelt.
Die neue Aufgabe fällt in eine unruhige Phase für die DESG. Die deutsche Eisschnelllauf-Mannschaft blieb bei den jüngsten Winterspielen erneut ohne Medaille. Nach dpa-Angaben war es bereits das vierte olympische Turnier in Folge ohne Medaillenerfolg für den Verband.
Pechstein folgt im Allround-Bereich auf Alexis Contin. Er soll in Frankreich an der Entwicklung der Nationalmannschaft mit Blick auf die Winterspiele 2030 arbeiten. Contin war während der Winterspiele in Mailand in die öffentliche Debatte geraten, nachdem Eisschnellläufer Fridtjof Petzold ein gestörtes Verhältnis angeprangert hatte. DESG-Sportdirektorin Nadine Seidenglanz wies diese Darstellung zurück.
Zusätzlich hatte ein Bericht der Sportschau über angebliche Unregelmäßigkeiten im Verband und über ein belastetes Verhältnis zwischen Teilen der Athletenschaft und der Verbandsspitze für Kritik gesorgt. Die DESG-Spitze weist die Vorwürfe zurück. Eine unabhängige Bestätigung aller in dem Bericht enthaltenen Darstellungen lag zunächst nicht vor.
Pechstein gehört zu den bekanntesten deutschen Wintersportlerinnen der vergangenen Jahrzehnte. Ihre Karriere begann auf olympischer Ebene 1992 in Albertville, wo sie Bronze über 5000 Meter gewann. Insgesamt nahm sie an acht Olympischen Winterspielen teil und war damit nach eigenen Angaben die erste Frau, der dies gelang.
Ihre sportliche Biografie war lange auch von einem Rechtsstreit nach einer Dopingsperre geprägt. Pechstein bestritt den Vorwurf über Jahre. Das Bundesverfassungsgericht gab ihrer Verfassungsbeschwerde 2022 in einem zentralen Punkt statt und beanstandete die Abwägung des Bundesgerichtshofs zur Schiedsklausel. Damit wurde ihre Schadensersatzklage gegen den Weltverband ISU wieder möglich.
Der langjährige Streit endete 2025 mit einer Einigung. Details der Vereinbarung wurden nicht veröffentlicht. Kurz darauf erklärte Pechstein ihren Rücktritt vom aktiven Leistungssport und kündigte an, dem Eisschnelllauf als Trainerin und Beraterin verbunden zu bleiben.
Mit Pechstein rückt eine der prägendsten Figuren des deutschen Eisschnelllaufs in eine zentrale Trainerrolle. Die Entscheidung verbindet sportliche Erfahrung mit einer Verbandssituation, in der strukturelle Fragen stärker in den Mittelpunkt geraten sind. Für den deutschen Eisschnelllauf geht es nun darum, nach mehreren medaillenlosen Olympischen Spielen wieder internationale Anschlussfähigkeit zu gewinnen.
Ob Pechstein über die kommissarische Phase hinaus eine dauerhafte Rolle im Bundestrainerstab erhält, war zunächst nicht abschließend geklärt. Nach den bisherigen Angaben soll der Verband bis Jahresende über die künftige Besetzung entscheiden.
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