
Die Commerzbank hat auf ihrer Hauptversammlung in Wiesbaden Rückendeckung für ihren eigenständigen Kurs erhalten. Die Aktionärinnen und Aktionäre stimmten am Mittwoch allen Tagesordnungspunkten mit großer Mehrheit zu. Im Mittelpunkt stand neben der höheren Dividende vor allem der Übernahmeversuch der italienischen Großbank UniCredit. Vorstand und Aufsichtsrat hatten den Anteilseignern bereits am 18. Mai empfohlen, das Umtauschangebot nicht anzunehmen.
Die Hauptversammlung billigte die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 in Höhe von 1,10 Euro je Aktie mit einer Mehrheit von 99,88 Prozent. Im Vorjahr hatte die Ausschüttung 0,65 Euro betragen. Insgesamt zahlt die Bank damit rund 1,2 Milliarden Euro an ihre Aktionäre aus. Zusammen mit zwei bereits abgeschlossenen Aktienrückkäufen im Gesamtvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro gibt die Commerzbank für das Geschäftsjahr 2025 rund 2,7 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner zurück.
Auch die Ermächtigungen für weitere Aktienrückkäufe wurden angenommen. Die Commerzbank kann damit erneut eigene Aktien im Umfang von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals erwerben. Die entsprechenden Tagesordnungspunkte erhielten Mehrheiten von 96,25 Prozent beziehungsweise 97,79 Prozent. Weitere Rückkäufe stehen allerdings unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Europäische Zentralbank und die Finanzagentur.
Mit der hohen Kapitalrückgabe untermauert der Vorstand seine Argumentation, dass die Commerzbank eigenständig mehr Wert schaffen könne als im Rahmen eines Zusammenschlusses mit UniCredit. Die Abstimmungsergebnisse sind deshalb mehr als ein formaler HV-Vorgang. Sie zeigen, dass die anwesenden und vertretenen Aktionäre den Kurs des Managements an diesem Tag klar mitgetragen haben.
UniCredit hatte ihr Angebot Anfang Mai auf unveränderten Bedingungen veröffentlicht. Vorgesehen sind 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Auf Basis des UniCredit-Schlusskurses vom 4. Mai entsprach das nach Commerzbank-Angaben einem rechnerischen Wert von rund 31,07 Euro je Commerzbank-Aktie. Die Commerzbank verwies darauf, dass dieser Wert 8,7 Prozent unter dem Commerzbank-Schlusskurs des Vortags lag.
In ihrer begründeten Stellungnahme kamen Vorstand und Aufsichtsrat zu dem Ergebnis, dass die Gegenleistung nicht angemessen sei. Die Commerzbank führte unter anderem an, der Angebotspreis bilde den fundamentalen Wert der Bank und das langfristige Wertpotenzial nicht ab. Am 15. Mai habe der rechnerische Angebotswert bei 34,56 Euro gelegen, während die Commerzbank-Aktie bei 36,48 Euro geschlossen habe.
UniCredit widersprach der Bewertung. Reuters zitierte die italienische Bank mit der Aussage, viele Argumente der Commerzbank seien unbegründet oder nicht belegt. UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte zudem wiederholt für größere europäische Banken geworben und der Commerzbank ungenutztes Potenzial zugeschrieben.
UniCredit ist bereits der größte Anteilseigner der Commerzbank. Nach Reuters-Angaben hält die italienische Bank 26,7 Prozent der Commerzbank direkt in Aktien. Hinzu kommen Swap-Kontrakte, die ihr weitere 3,2 Prozent der Stimmrechte verschaffen könnten, sowie weitere cash-settled Derivate auf 8,9 Prozent des Kapitals. Damit reicht der wirtschaftliche Zugriff über die direkte Aktienposition hinaus.
Diese Struktur ist für die weitere Entwicklung wichtig, weil in Deutschland ab einer Schwelle von 30 Prozent regelmäßig übernahmerechtliche Fragen entstehen. UniCredit hatte ihr Angebot gestartet, um ihren Anteil über diese Schwelle hinaus erhöhen zu können. Zugleich will die Bank nach eigenen Angaben vermeiden, ohne klare Mehrheitskontrolle regulatorisch als beherrschend eingestuft zu werden.
Die Commerzbank ging mit starken Geschäftszahlen in die Hauptversammlung. Im ersten Quartal 2026 stieg das operative Ergebnis um elf Prozent auf den Rekordwert von 1,4 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis legte um neun Prozent auf 913 Millionen Euro zu. Die Erträge erhöhten sich um fünf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss erreichte mit 1,1 Milliarden Euro einen neuen Höchststand, während der Zinsüberschuss trotz gesunkener Leitzinsen stabil bei zwei Milliarden Euro lag.
Auf Basis des Jahresstarts hob die Bank ihr Gewinnziel für 2026 an. Sie peilt nun ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Bis 2030 sieht die Strategie Momentum 2030 eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 Prozent und eine Cost-Income-Ratio von 43 Prozent vor. Diese Ziele sind Planwerte und hängen von der weiteren Markt- und Geschäftsentwicklung ab.
Der Streit um die Commerzbank hat Bedeutung über Deutschland hinaus. UniCredit begründet ihr Vorgehen mit der Notwendigkeit größerer europäischer Banken. Die Commerzbank verweist dagegen auf ihr eigenständiges Geschäftsmodell, ihre Rolle im deutschen Firmenkundengeschäft und die Risiken einer Integration. Damit geht es nicht nur um den Preis eines Angebots, sondern auch um die Frage, wie sich der europäische Bankensektor in den kommenden Jahren konsolidiert.
Für die Commerzbank war die Hauptversammlung ein wichtiges Signal an den Kapitalmarkt. Die Beschlüsse zu Dividende, Aktienrückkäufen und Entlastung des Managements stärken den Vorstand in der laufenden Auseinandersetzung. Die Annahmeentscheidung über das UniCredit-Angebot liegt jedoch weiterhin bei den einzelnen Aktionärinnen und Aktionären.
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