US-Rüstungsfirma will ab 2027 Marschflugkörper in Leipzig bauen

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Das US-Rüstungsunternehmen Covenant hat am Montag, 5. Oktober 2026, in Leipzig eine Produktionshalle für weitreichende Marschflugkörper eröffnet. Die eigentliche Fertigung hat allerdings noch nicht begonnen. Ab 2027 soll dort das Waffensystem Anthem montiert werden. Für das erste Produktionsjahr nennt das Unternehmen ein Ziel von 1.000 Flugkörpern. Bereits 2028 sollen 5.000 Exemplare erreicht werden. Damit soll Leipzig nach Angaben von Firmenchef Michael Kaufman zum größten Produktionsstandort des jungen Unternehmens weltweit werden.

Covenant nutzt dafür eine bestehende Gewerbehalle im Leipziger Norden mit mehr als 10.000 Quadratmetern Produktionsfläche. Das Unternehmen hat das Gebäude angemietet. Bevor die Serienfertigung beginnen kann, muss die bisher als Lager genutzte Halle noch behördlich für die industrielle Fertigung zugelassen werden. Die Eröffnung am Montag markiert damit vor allem den Aufbau des Standorts, nicht den Beginn der laufenden Raketenproduktion.

Covenant plant mehrere Hundert Arbeitsplätze in Leipzig

Nach Angaben des Unternehmens sollen künftig mehrere Hundert Menschen in der Leipziger Produktion beschäftigt werden. Eine genaue Zahl der geplanten Stellen wurde am Montag zunächst nicht genannt. Neben dem Standort in Sachsen verfügt Covenant über eine Produktionsstätte im texanischen Raum Dallas sowie über einen Standort in Israel. Leipzig soll vor allem europäische Kunden versorgen.

Covenant wurde 2024 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Washington. Das Unternehmen trat erst im September 2026 mit seinem Waffensystem Anthem breiter an die Öffentlichkeit. Nach eigenen Angaben sammelte es in drei Finanzierungsrunden mehr als 250 Millionen US-Dollar ein. Zu den Kapitalgebern gehören unter anderem Andreessen Horowitz, Founders Fund, Lux Capital, Lightspeed, 8VC, Aleph und Altimeter. Covenant gibt außerdem an, bereits Aufträge im Umfang von rund 150 Millionen US-Dollar für Entwicklung, Qualifizierung und Produktion erhalten zu haben.

Rund 250 Millionen Euro für den Leipziger Standort genannt

Bei der Eröffnung bezifferte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Johannes Steiniger, die Investition von Covenant auf rund 250 Millionen Euro. Das Fachportal Defence Network, das bei der Veranstaltung vertreten war, ordnete diese Summe ebenfalls der Investition am Standort Leipzig zu. Eine detaillierte Aufschlüsselung nach Gebäude, Produktionsanlagen und weiteren Anlaufkosten wurde zunächst nicht genannt. Die Summe ist zudem von den mehr als 250 Millionen US-Dollar zu unterscheiden, die Covenant nach eigenen Angaben insgesamt von Investoren eingeworben hat.

Steiniger nahm gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer an der Eröffnung teil. Steiniger ist seit Juli Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehört dort unter anderem die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Kretschmer begrüßte die Ansiedlung und stellte sie in den Zusammenhang mit Deutschlands und Europas Verteidigungsfähigkeit.

Anthem ist für weitreichende Präzisionsschläge vorgesehen

Im Mittelpunkt des Leipziger Werks steht das System Anthem. Covenant beschreibt es als weitreichendes Präzisionswaffensystem mit hoher Nutzlast, das von Beginn an für große Produktionsmengen entwickelt worden sei. Nach den am Montag verbreiteten Angaben kann der Flugkörper einen etwa 200 Kilogramm schweren Gefechtskopf tragen. Steiniger sprach bei der Eröffnung von einer Reichweite von deutlich mehr als 1.000 Kilometern. Eine exakte Reichweite nennt Covenant in seiner eigenen öffentlichen Produktdarstellung nicht.

In Leipzig sollen die Flugkörper montiert werden. Die Bestückung mit Sprengstoff soll nach Unternehmensangaben nicht in der Leipziger Halle erfolgen, sondern später bei den jeweiligen Kunden. Covenant wirbt zugleich damit, Anthem wesentlich günstiger in großen Stückzahlen herstellen zu können als etablierte Langstreckenwaffen. Das Unternehmen nennt einen angestrebten Stückpreis im sechsstelligen Bereich. Ob sich diese Kosten bei der geplanten Serienproduktion tatsächlich erreichen lassen, ist bislang nicht unabhängig belegt.

Das Unternehmen erklärte im September zudem, Anthem bereits mehr als 200-mal erprobt zu haben. Covenant arbeitet mit der US Army an einem beschleunigten Test- und Qualifizierungsprogramm und hat einen Auftrag der US Navy zur Entwicklung einer maritimen Variante erhalten.

Europäischer Kunde steht nach Firmenangaben bereits fest

Covenant erklärte gegenüber Reuters bereits im September, dass ein Vertrag mit einem europäischen Kunden bestehe. Dessen Identität wurde nicht genannt. Gleichzeitig gab es Berichte über Interesse der Bundeswehr an dem System. Eine Beschaffung durch Deutschland war jedoch nicht offiziell bestätigt. Das Bundesverteidigungsministerium erklärte in der Regierungspressekonferenz vom 9. September, zu einem möglichen Sachstand bei Covenant nichts mitteilen zu können.

Eine mögliche deutsche Bestellung ist bislang nicht bestätigt. Covenant will von Sachsen aus europäische Kunden beliefern und die dafür vorgesehene Produktionskapazität erheblich ausbauen. Unklar blieb zunächst, wer die geplanten Stückzahlen tatsächlich abnimmt und wie schnell die Fertigung hochgefahren werden kann.

Europas Rüstungsindustrie soll deutlich mehr produzieren

Der Aufbau in Leipzig fällt in eine Phase, in der die Europäische Union ihre industrielle Verteidigungsbasis deutlich ausweiten will. Im europäischen Programm für Verteidigungsbereitschaft zählen Raketen und Munition ausdrücklich zu den Bereichen, in denen Produktionskapazitäten und Vorräte vergrößert werden sollen. Über das Finanzierungsinstrument SAFE stellt die EU Darlehen von bis zu 150 Milliarden Euro bereit, um Verteidigungsinvestitionen und gemeinsame Beschaffungen zu beschleunigen.

Hinzu kommt das European Defence Industry Programme. Die EU-Kommission beschloss im März 2026 ein Arbeitsprogramm über 1,5 Milliarden Euro. Mehr als 700 Millionen Euro davon sind für eine höhere Produktion wichtiger Rüstungsgüter und Komponenten vorgesehen, ausdrücklich einschließlich Raketen und Munition. Eine Förderung des Covenant-Werks aus diesen Programmen ist damit allerdings nicht belegt.

Covenant setzt nach eigenen Angaben zugleich stark auf Zulieferer aus Europa. Reuters zufolge stammen bereits mehr als 95 Prozent der Komponenten für Anthem aus europäischen Lieferketten. Das Unternehmen verfolgt damit einen Ansatz, der zu den Bestrebungen europäischer Staaten passt, bei kritischen Rüstungsgütern größere eigene Produktionskapazitäten aufzubauen und Abhängigkeiten bei Lieferketten zu verringern. Ob Covenant seine für Leipzig angekündigte Größenordnung von zunächst 1.000 und später 5.000 Flugkörpern jährlich erreicht, wird sich mit dem geplanten Produktionshochlauf ab 2027 zeigen.

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