
Der Euro ist zum Wochenauftakt deutlich unter Druck geraten und zeitweise auf den niedrigsten Stand gegenüber dem US-Dollar seit Mai 2025 gefallen. Im asiatischen Handel sank die Gemeinschaftswährung am Montag, 5. Oktober 2026, bis auf 1,1161 Dollar. Das entsprach einem Rückgang von mehr als 0,8 Prozent. Im weiteren Tagesverlauf erholte sich der Kurs etwas. Gegen 17.45 Uhr wiesen die von tagesschau.de veröffentlichten Infront-Marktdaten einen Stand von 1,1209 Dollar je Euro aus, rund 0,4 Prozent unter dem vorherigen Schlussniveau.
Damit steht der Euro gegenüber dem US-Dollar so niedrig wie seit rund 17 Monaten nicht mehr. Im Zentrum der jüngsten Bewegung stehen vor allem Sorgen über die öffentlichen Finanzen Frankreichs und die hohen Renditen europäischer Staatsanleihen. Zugleich bleibt der Dollar durch das vergleichsweise hohe Zinsniveau in den USA unterstützt. Hohe Ölpreise und geopolitische Unsicherheit erhöhen zusätzlich den Druck auf die Finanzmärkte.
Besonders stark richten sich die Blicke auf Frankreich. Der Renditeaufschlag zehnjähriger französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen war zum Ende der vergangenen Woche zeitweise auf mehr als 150 Basispunkte gestiegen. Damit erreichte die Differenz ein Niveau, das zuletzt während der europäischen Staatsschuldenkrise 2011 beobachtet worden war. Am Montagnachmittag entspannte sich die Lage etwas. Reuters meldete für zehnjährige französische Anleihen eine Rendite von rund 4,86 Prozent und einen Abstand zu deutschen Bundesanleihen von etwa 138 Basispunkten.
Hintergrund sind Zweifel daran, wie Frankreich sein hohes Haushaltsdefizit und seine wachsende Verschuldung eindämmen kann. Hinzu kommt politische Unsicherheit vor der französischen Präsidentschaftswahl 2027. Auch die Ankündigung vorgezogener Parlamentswahlen in Spanien verstärkte am Montag die Nervosität an den europäischen Märkten. Reuters und Handelsblatt nannten die französische Haushaltslage als wesentlichen Grund für den Kursrückgang des Euro.
Die Lage wird dadurch kompliziert, dass die Erwartungen an die amerikanische Notenbank Federal Reserve zuletzt eigentlich etwas zurückgenommen wurden. Ein schwächer als erwartet ausgefallener US-Arbeitsmarktbericht für September verringerte die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung bereits im Oktober. An den Terminmärkten lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit nach Veröffentlichung der Daten bei weniger als 20 Prozent. Für Dezember wurde eine weitere Zinserhöhung dagegen weiterhin mit hoher Wahrscheinlichkeit eingepreist.
Trotz der gesunkenen Erwartungen für den Oktober blieb der Dollar stark. Dazu tragen die weiterhin hohen Renditen amerikanischer Staatsanleihen bei. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen war in der vergangenen Woche zeitweise auf rund 5,34 Prozent gestiegen und hatte damit den höchsten Stand seit 2002 erreicht. Hohe Renditen können Anlagen in Dollar attraktiver machen und damit die US-Währung stützen.
Auch auf der europäischen Seite haben sich die Erwartungen verschoben. Marktteilnehmer reduzierten angesichts der Turbulenzen an den Anleihemärkten ihre Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank. Ein geringerer erwarteter Zinsabstand zugunsten des Euro kann dessen Kurs zusätzlich belasten. Wie die EZB bei ihren kommenden Sitzungen tatsächlich entscheidet, hängt jedoch von der weiteren Entwicklung von Inflation, Konjunktur und Finanzierungsbedingungen ab.
Zusätzlichen Druck erzeugen die weiterhin hohen Energiepreise. Gegen 17.45 Uhr kostete die für Europa wichtige Nordseesorte Brent nach den von tagesschau.de veröffentlichten Marktdaten rund 102,34 Dollar je Barrel. Handelsblatt berichtete ebenfalls von einem Brent-Preis von etwa 102 Dollar am Montagabend.
Für die Eurozone ist die Kombination aus einem schwächeren Euro und hohen Rohstoffpreisen besonders relevant. Viele Rohstoffe, darunter Öl, werden international in Dollar gehandelt. Sinkt der Euro gegenüber dem Dollar, müssen Käufer aus dem Euroraum bei unverändertem Dollarpreis mehr Euro aufbringen.
Die Europäische Zentralbank weist grundsätzlich darauf hin, dass eine Abwertung des Euro Importpreise erhöhen kann. Wie stark sich solche Wechselkursbewegungen am Ende bei den Verbraucherpreisen zeigen, hängt unter anderem von Lieferverträgen, Absicherungsgeschäften, Wettbewerb und der Preisgestaltung der Unternehmen ab. Der Effekt erfolgt deshalb weder sofort noch im Verhältnis eins zu eins.
Auch Reisende können die Wechselkursentwicklung unmittelbar spüren. Wer aus dem Euroraum in die USA oder in andere Länder mit Preisen in US-Dollar reist, erhält für einen Euro weniger Dollar als zuvor. Bleiben Hotelpreise, Restaurantrechnungen oder andere Kosten in Dollar unverändert, steigen die entsprechenden Ausgaben in Euro.
Umgekehrt erhöht ein schwächerer Euro grundsätzlich die Kaufkraft von Besuchern, die ihr Einkommen oder Reisebudget in Dollar beziehen. Wechselkurse sind allerdings nur ein Faktor bei den tatsächlichen Reisekosten. Flugpreise, lokale Inflation und saisonale Preisänderungen können einen größeren Einfluss haben.
Für exportorientierte Unternehmen kann ein schwächerer Euro Vorteile bringen. Produkte aus dem Euroraum können für Kunden außerhalb der Währungsunion günstiger werden, wenn die Preise in Euro festgelegt sind oder Wechselkursvorteile weitergegeben werden. Die EZB beschreibt eine Euro-Abwertung deshalb grundsätzlich als Faktor, der Exporte unterstützen kann.
Der Effekt ist jedoch nicht für alle Unternehmen gleich. Firmen, die Rohstoffe, Bauteile oder Energie in Dollar einkaufen, müssen zugleich mit höheren Kosten rechnen. Außerdem hängt die tatsächliche Wirkung davon ab, in welcher Währung Rechnungen gestellt werden und wie Unternehmen ihre Wechselkursrisiken absichern. Die internationale Verflechtung von Lieferketten kann den positiven Effekt eines schwächeren Euro auf Exporte ebenfalls abschwächen.
Am deutschen Aktienmarkt führte die Schwäche des Euro am Montag nicht zu größeren Ausschlägen. Nach Angaben der Deutschen Börse stand der DAX gegen 17.32 Uhr bei 25.245,90 Punkten. Das entsprach gegenüber dem Schluss vom Freitag einem Plus von rund 0,06 Prozent. Die von tagesschau.de veröffentlichten DAX-Daten bestätigten 25.245,90 Punkte als Schlussstand.
Damit hielt sich der deutsche Leitindex trotz hoher Ölpreise, erhöhter Anleiherenditen und politischer Unsicherheit in mehreren europäischen Ländern nahezu unverändert. Für international tätige DAX-Konzerne kann der niedrigere Eurokurs zwar einzelne Auslandserlöse begünstigen. Gleichzeitig wirken höhere Finanzierungskosten, teurere Rohstoffe und konjunkturelle Unsicherheit in die entgegengesetzte Richtung.
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