
Das US-Rüstungsunternehmen Covenant plant eine Produktionsstätte für Marschflugkörper in Leipzig. Das Unternehmen hält sich bislang jedoch mit konkreten Angaben zu dem Vorhaben zurück. Offen sind unter anderem der genaue Standort, der Zeitplan, das Investitionsvolumen und die vorgesehene Produktionskapazität. Angaben über einen Produktionsbeginn im Jahr 2027 und bis zu 1.000 Flugkörper jährlich sind bislang nicht offiziell bestätigt.
Covenant ist ein junges Unternehmen mit Verbindungen in die USA, nach Israel und nach Deutschland. Die deutsche Covenant Industries GmbH ist seit dem 7. Mai 2026 im Lobbyregister des Deutschen Bundestages eingetragen. Als Sitz wird Frankfurt am Main genannt. Zu den dort aufgeführten Tätigkeitsfeldern gehören Rüstungsangelegenheiten und Verteidigungspolitik.
Nach Angaben des MDR plant Covenant eine Fertigung von Marschflugkörpern im Leipziger Stadtgebiet. Über eine von dem Unternehmen beauftragte Kommunikationsagentur ließ Covenant zugleich erklären, dass Informationen über das Projekt vorzeitig öffentlich geworden seien und nicht alle bisher verbreiteten Angaben zuträfen. Welche Punkte das Unternehmen konkret beanstandet, blieb offen. Detailliertere Angaben stellte Covenant für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht.
Damit ist die geplante Ansiedlung grundsätzlich konkretisiert, während wesentliche Eckdaten weiterhin ungeklärt sind. Auch die Stadt Leipzig machte zunächst keine näheren Angaben zu dem Projekt. Ebenso lagen keine bestätigten Informationen über bereits erteilte Genehmigungen oder einen abgeschlossenen Grundstückskauf vor.
Ein konkretes Areal nahe dem Flughafen Leipzig/Halle wurde bislang ebenfalls nicht bestätigt. Hinweise auf eine mögliche Fläche zwischen dem Porsche-Werk und dem Flughafen gehen auf Angaben einer politischen Gruppierung zurück. Dass Covenant dort tatsächlich bauen will, ist nicht belegt.
Weitergehende Angaben hatte die Nachrichtenagentur Reuters am 28. August unter Berufung auf mit dem Vorhaben vertraute Personen veröffentlicht. Demnach soll Covenant eine Produktion nahe Leipzig ab 2027 vorbereiten. Die mögliche Kapazität könne bei bis zu 1.000 Flugkörpern jährlich liegen. Die Waffen sollten eine Reichweite von mehr als 1.500 Kilometern erreichen. Ein großer Teil der Komponenten solle aus Deutschland und anderen europäischen Staaten kommen. Covenant und das Bundesverteidigungsministerium lehnten gegenüber Reuters eine Stellungnahme ab.
Eine unabhängige Bestätigung für diese Zahlen lag zunächst nicht vor. Auch Covenant selbst hat weder die genannte Jahreskapazität noch die Reichweite oder den Produktionsbeginn 2027 öffentlich bestätigt.
Unklar ist zudem, welcher Flugkörper in Leipzig gefertigt werden soll. Covenant entwickelt unter dem Namen Anthem einen vergleichsweise kostengünstig konzipierten Marschflugkörper für große Reichweiten. Dass die geplante Leipziger Produktion tatsächlich dieses Modell betrifft, war zunächst nicht offiziell bestätigt.
Fest steht, dass Anfang August in Marokko ein neuer kostengünstiger Langstrecken-Marschflugkörper eines US-Rüstungsstartups erprobt wurde. Das US-Afrika-Kommando AFRICOM bestätigte eine Vorführung im Rahmen des Africa Multidomain Training and Experimentation Center bei Tan-Tan. Nach Angaben des Kommandos fand die Veranstaltung vom 3. bis 7. August 2026 statt. AFRICOM bezeichnete das getestete System als kostengünstigen Langstrecken-Marschflugkörper für Präzisionsschläge, nannte den Hersteller in seiner Mitteilung jedoch nicht.
Mehrere Fachberichte identifizierten das getestete System anschließend als Covenant Anthem. CTech zufolge fand der Abschuss am 6. August statt. Auch marokkanische Berichte ordneten den Test Covenant zu. Die offizielle AFRICOM-Mitteilung selbst bestätigt diese Zuordnung allerdings nicht namentlich.
Die möglichen Covenant-Pläne treffen auf eine veränderte deutsche Verteidigungsplanung. Die Bundesregierung arbeitet seit längerem daran, Fähigkeiten für weitreichende Präzisionsschläge auszubauen. Das Bundesverteidigungsministerium nannte im Mai drei Ansätze: die Modernisierung vorhandener Taurus-Systeme und die Entwicklung des Taurus Neo, die Beschaffung marktverfügbarer Systeme sowie europäische Entwicklungsprojekte im Rahmen des European Long-Range Strike Approach. Deutschland und Großbritannien arbeiten dabei nach Regierungsangaben auch an Fähigkeiten mit Reichweiten von mehr als 2.000 Kilometern.
Ob Covenant einen konkreten Auftrag der Bundeswehr erhalten hat, ist nicht bestätigt. Reuters zufolge sucht Deutschland zusätzlich nach kostengünstigeren Systemen, die in größerer Stückzahl beschafft werden könnten. Das Bundesverteidigungsministerium äußerte sich gegenüber der Agentur nicht zu Covenant.
Eine Produktion von Marschflugkörpern in Leipzig würde damit in eine Phase fallen, in der Deutschland und andere europäische NATO-Staaten ihre Kapazitäten für weitreichende Waffensysteme erweitern und stärker auf europäische Lieferketten setzen. Wie groß die Rolle von Covenant dabei tatsächlich werden könnte, hängt jedoch von Entscheidungen ab, die bislang nicht öffentlich bestätigt sind.
Covenant wurde 2024 gegründet und agierte zunächst weitgehend außerhalb der Öffentlichkeit. Im deutschen Lobbyregister wird die Covenant Industries GmbH mit Sitz in Frankfurt geführt. Als vertretungsberechtigte Person ist dort unter anderem Chief Growth Officer Abigail Denburg eingetragen. Der Eintrag wurde zuletzt im Juni 2026 aktualisiert.
Über Eigentümerstruktur, Finanzierung und Auftragsbestand veröffentlicht das Unternehmen nur begrenzte Informationen. Berichte über hohe Finanzierungsvolumina und prominente US-Technologieinvestoren beruhen bislang überwiegend auf Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens und einzelnen Fachpublikationen. Für die geplante Leipziger Fabrik sind weder Investitionssumme noch Zahl möglicher Arbeitsplätze öffentlich bestätigt.
Damit steht derzeit vor allem das Vorhaben selbst fest: Covenant plant eine Produktionsstätte für Marschflugkörper in Leipzig. Wie groß das Werk werden soll, welche Waffe dort gefertigt wird und wann die Produktion beginnen könnte, blieb zunächst offen.
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