München und Frankfurt überraschen im weltweiten Städtevergleich

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Hohe Mieten, gestiegene Preise und eine lange Phase schwacher Wirtschaftsdynamik prägen viele Debatten über das Leben in deutschen Großstädten. In einem internationalen Vergleich schneiden zwei deutsche Metropolen dennoch auffällig gut ab. München und Frankfurt gehören im aktuellen Bericht „Mapping the World’s Prices 2026“ der Deutschen Bank bei der Lebensqualität zur weltweiten Spitzengruppe. Insgesamt untersucht die zehnte Ausgabe des Reports 69 Städte auf sechs Kontinenten.

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Die Deutsche Bank Studie 2026 betrachtet dabei deutlich mehr als die reinen Lebenshaltungskosten. Einbezogen werden unter anderem Einkommen, Kaufkraft, Wohnkosten, Immobilienpreise, Verkehr, Pendelzeiten, Umweltfaktoren sowie Preise für alltägliche Waren und Dienstleistungen. Sämtliche Preisangaben werden für den internationalen Vergleich in US Dollar umgerechnet.

München erstmals unter den fünf besten Städten

Beim Index zur Lebensqualität liegt Luxemburg nach Angaben der Deutschen Bank erneut an der Spitze. Dahinter folgen Kopenhagen und Amsterdam. München teilt sich mit Wien Rang vier, Frankfurt folgt auf Rang sechs. Damit gehören gleich zwei deutsche Städte zur internationalen Spitzengruppe. Für München ist es nach Angaben von Deutsche Bank Research das erste Mal, dass die Stadt in diesem Vergleich unter den ersten fünf liegt.

Auffällig ist dabei, dass München und Frankfurt nicht deshalb so weit vorne liegen, weil sie einzelne Kategorien dominieren. Jim Reid, Leiter des Deutsche Bank Research Institute und Mitautor der Untersuchung, verweist vielmehr auf das vergleichsweise ausgeglichene Abschneiden bei verschiedenen Faktoren. Dazu zählen etwa Wohnkosten, Umweltbelastung, Pendelzeiten, die Bezahlbarkeit von Wohnraum und die Kaufkraft.

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Genau darin unterscheidet sich die Rangliste von einem einfachen Vergleich der teuersten oder einkommensstärksten Städte. Ein hohes Gehalt kann durch sehr hohe Wohnkosten erheblich an Wert verlieren.

Hohe Gehälter reichen für Spitzenplatz nicht aus

Das zeigt besonders der Blick auf einige der weltweit bedeutendsten Finanzzentren. Zürich führt die Gehaltstabelle der Untersuchung an. Auch San Francisco, Genf, Boston und New York gehören zu den Städten mit besonders hohen Nettoeinkommen. Bei der verfügbaren Kaufkraft nach Berücksichtigung wichtiger Belastungen verschiebt sich das Bild jedoch.

New York steht beispielsweise an der Spitze des Vergleichs bei den Mieten für eine Wohnung mit drei Schlafzimmern. In der Rangliste des verfügbaren Einkommens nach Wohnkosten fällt die Stadt dagegen deutlich zurück. Die Deutsche Bank sieht darin ein Beispiel dafür, dass ein besonders hohes nominales Einkommen nicht automatisch zu einem höheren materiellen Lebensstandard führt.

Zürich und Genf verbinden dagegen hohe Preise mit sehr hohen Einkommen. Beide Städte schneiden deshalb auch bei der verfügbaren Kaufkraft stark ab. Frankfurt gehört zusammen mit Luxemburg, Kopenhagen, Genf und Zürich zu den wenigen Städten, die sowohl bei der Lebensqualität als auch beim verfügbaren Einkommen zur internationalen Spitzengruppe zählen.

Zürich und Genf bleiben besonders teuer

Bei den eigentlichen Preisen bestätigt die Untersuchung bekannte Unterschiede zwischen den internationalen Metropolen. Zürich und Genf zählen weiterhin zu den teuersten Städten der Welt. Auch Tel Aviv sowie mehrere große Städte in den USA erreichen in zahlreichen Preiskategorien hohe Werte.

Besonders deutlich sind die Unterschiede auf dem Immobilienmarkt. In Europa lagen die von der Untersuchung erfassten Kaufpreise für Wohnungen in zentraler Lage in Zürich bei umgerechnet rund 22.910 Euro je Quadratmeter. In Genf waren es rund 19.439 Euro und in London rund 17.241 Euro. Die Werte zeigen, wie stark Wohneigentum die finanzielle Belastung in einigen der vermeintlich einkommensstärksten Städte erhöhen kann.

Ein Gegenbeispiel liefert Tokio. Die japanische Hauptstadt ist nach den Berechnungen der Deutschen Bank im Vergleich zu anderen Metropolen entwickelter Volkswirtschaften deutlich günstiger geworden. Als ein wesentlicher Faktor gilt die langfristige Abwertung des Yen. Der von der Studie berechnete relative Preislevel für Tokio hat sich gegenüber früheren Jahren erheblich verschoben.

Wechselkurse verändern den internationalen Vergleich

Die Studie macht damit zugleich deutlich, dass Ranglisten über Lebenshaltungskosten nicht allein die Preisentwicklung innerhalb einer Stadt widerspiegeln. Da die Werte in US Dollar umgerechnet werden, können Wechselkursbewegungen die internationale Position erheblich verändern. Eine Stadt kann aus Sicht ihrer Einwohner teurer werden und im Vergleich auf Dollarbasis trotzdem zurückfallen, wenn die Landeswährung gleichzeitig deutlich an Wert verliert.

Auch über längere Zeiträume zeigen sich große Verschiebungen. In mehreren mittel- und osteuropäischen Städten sind Einkommen und Immobilienpreise innerhalb eines Jahrzehnts stark gestiegen. Nach den Berechnungen der Deutschen Bank legten die in US Dollar umgerechneten Gehälter in Budapest binnen zehn Jahren um 161 Prozent zu, in Prag um 121 Prozent und in Warschau um 120 Prozent.

Rangliste ist kein amtlicher Lebensqualitätsindex

Der Vergleich hat allerdings methodische Grenzen. Die Deutsche Bank verwendet für einen erheblichen Teil ihrer Daten crowdsourcierte Angaben, die anschließend ergänzt und bereinigt werden. Der Report verbindet diese Daten mit Berechnungen zu Preisen, Einkommen, Kaufkraft und weiteren Standortfaktoren.

Auch die Autoren weisen darauf hin, dass Lebensqualität nicht vollständig objektiv messbar ist. Wie stark beispielsweise Wohnkosten, Umweltqualität, Pendeldauer oder Kaufkraft persönlich ins Gewicht fallen, kann sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Das gute Abschneiden von München und Frankfurt bedeutet deshalb nicht, dass dort sämtliche Lebenshaltungskosten niedrig wären.

Die Ergebnisse zeigen vielmehr, dass sich das Verhältnis von Einkommen, Wohnkosten, Kaufkraft und anderen Standortfaktoren im internationalen Vergleich günstig darstellt. Gerade darin liegt die auffälligste Aussage für Deutschland: Zwei seiner großen Wirtschaftsstandorte erreichen Spitzenplätze nicht durch außergewöhnlich niedrige Preise, sondern durch ein vergleichsweise ausgewogenes Gesamtbild.

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