
Die Deutsche Börse erweitert den Handel mit deutschen Standardaktien erheblich. Seit Dienstag, 27. Oktober 2026, können Anleger die Aktien aller 40 DAX-Unternehmen grundsätzlich rund um die Uhr handeln. Möglich macht das eine Zusammenarbeit zwischen dem etablierten Handelsplatz Xetra und der Plattform 360X. Auch Geschäfte am Wochenende werden damit möglich. Allerdings hängt der Zugang für Privatanleger vom jeweiligen Depotanbieter ab.
Für das neue Angebot setzt die Deutsche Börse auf ein kombiniertes Handelsmodell. Während Xetra weiterhin für den Handel während der regulären europäischen Börsenzeiten zuständig ist, übernimmt 360X die Ausführung von Aktienorders in der Nacht und am Wochenende.
Die Plattform wurde 2021 gegründet. An dem Unternehmen sind sowohl die Deutsche Börse als auch die Commerzbank beteiligt. Bislang war 360X insbesondere im Bereich digitaler Finanzinstrumente tätig. Mit dem neuen Angebot wird die Plattform in den Handel mit den deutschen Standardwerten eingebunden.
Damit können Anleger künftig auch außerhalb der üblichen Börsenzeiten auf Entwicklungen reagieren und DAX-Aktien handeln. Die Erweiterung betrifft sämtliche 40 Unternehmen des deutschen Leitindex.
Am bisherigen Handelsablauf auf Xetra ändert sich durch die Einführung nichts. Der reguläre Aktienhandel findet weiterhin montags bis freitags zwischen 9 und 17.30 Uhr statt.
Bereits seit dem 1. Dezember 2025 bietet die Deutsche Börse für Privatanleger zusätzliche Handelszeiten an. Über den erweiterten Xetra Retail Service können sie werktags zwischen 8 und 22 Uhr handeln, sofern ihre Bank diesen Service unterstützt.
Das neue Modell mit 360X geht darüber hinaus. Es ergänzt die bisherigen Handelszeiten um die Nachtstunden und das Wochenende. Der klassische Xetra-Handel wird dadurch aber nicht selbst zu einem durchgehend geöffneten Handelsplatz.
Für Privatanleger eröffnet das neue Angebot zusätzliche zeitliche Möglichkeiten beim Aktienkauf und Aktienverkauf. Wer etwa erst spätabends eine Order aufgeben möchte, ist nicht mehr ausschließlich auf die bisherigen Handelszeiten angewiesen.
Voraussetzung ist allerdings, dass die eigene Depotbank oder der Broker den Zugang zum neuen Handelsmodell ermöglicht. Die technische Einführung durch die Deutsche Börse bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sämtliche Kunden deutscher Banken sofort rund um die Uhr handeln können.
Welche Depotanbieter den neuen Zugang bereits freigeschaltet haben, war zunächst nicht umfassend bekannt. Auch die konkret anfallenden Handelsgebühren hängen vom jeweiligen Anbieter und dessen Konditionen ab.
Bei Geschäften außerhalb der üblichen Börsenzeiten spielt außerdem die Liquidität eine wichtige Rolle. Wenn weniger Käufer und Verkäufer am Markt aktiv sind, können die Unterschiede zwischen Ankaufs- und Verkaufspreisen größer ausfallen. Längere Handelszeiten garantieren deshalb nicht automatisch dieselben Ausführungsbedingungen wie während des regulären Börsenhandels.
Die Deutsche Börse betont, dass die neuen Handelsmöglichkeiten keinen Einfluss auf die etablierten Xetra-Abläufe haben sollen.
Insbesondere bleiben die regulären Handelsauktionen erhalten. Die außerhalb der Xetra-Handelszeiten auf 360X festgestellten Schlusskurse bestimmen weder die offiziellen Eröffnungskurse noch die Eröffnungsauktionen auf Xetra.
Damit bleiben die Preisfeststellung während des regulären Börsenhandels und die zusätzlichen Handelsmöglichkeiten voneinander getrennt. Das ist insbesondere für institutionelle Anleger und andere Marktteilnehmer relevant, die Xetra-Kurse als Referenz verwenden.
Mit der Einführung verfolgt die Deutsche Börse das Ziel, ihre Infrastruktur langfristig für einen durchgehenden Handel mit bedeutenden europäischen Aktien auszubauen.
Eric Leupold, Leiter des Kassamarktes der Deutschen Börse, bezeichnete das neue Handelsmodell als einen Schritt in Richtung einer europäischen Finanzmarktinfrastruktur, die klassische Standardaktien jederzeit handelbar machen soll.
International beschäftigt sich die Börsenbranche bereits seit Längerem mit erweiterten Handelszeiten. Während Kryptowährungen auf vielen Plattformen durchgehend gehandelt werden, sind traditionelle Aktienmärkte überwiegend an feste Handelszeiten gebunden. Auch in den USA gibt es Initiativen, diese Beschränkungen zu reduzieren.
Mit dem neuen Handelsmodell erweitert die Deutsche Börse nun die zeitliche Verfügbarkeit deutscher Standardaktien. Wie umfassend Privatanleger die zusätzlichen Handelsmöglichkeiten tatsächlich nutzen können, hängt zunächst von der Anbindung ihrer Banken und Broker ab.
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