Delivery Hero wächst stärker vor der geplanten Uber-Übernahme

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Delivery Hero geht mit deutlich höheren Erwartungen in die zweite Jahreshälfte 2026. Der Berliner Lieferkonzern hat nach einem kräftigen Wachstum im zweiten Quartal seine Prognose für das Gesamtjahr in allen vier zentralen Kennzahlen angehoben. Damit verbessert sich die operative Ausgangslage des Unternehmens rund ein Jahr vor dem geplanten Abschluss der Übernahme durch den US-Fahrdienst- und Lieferkonzern Uber.

Anzeige

Im zweiten Quartal stieg der Bruttowarenwert, kurz GMV, auf vergleichbarer Basis um 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf rund 13,2 Milliarden Euro. Im ersten Quartal hatte das Wachstum noch bei 8,8 Prozent gelegen. Der Umsatz erhöhte sich im zweiten Quartal auf vergleichbarer Basis um 17,7 Prozent auf rund 4,0 Milliarden Euro. Die Zahl der Bestellungen stieg um 11,0 Prozent auf 981 Millionen.

Delivery Hero erhöht alle wichtigen Jahresziele

Nach der Entwicklung im ersten Halbjahr korrigierte der Konzern seine Erwartungen für 2026 nach oben. Delivery Hero rechnet nun mit einem Wachstum des Bruttowarenwerts von 9 bis 11 Prozent auf vergleichbarer Basis. Zuvor waren 8 bis 10 Prozent vorgesehen.

Beim Umsatz erwartet das Unternehmen jetzt einen Anstieg um 17 bis 19 Prozent. Die bisherige Prognose hatte bei 14 bis 16 Prozent gelegen. Auch beim Ergebnis wird Delivery Hero optimistischer. Das bereinigte EBITDA soll im Gesamtjahr zwischen 960 Millionen und einer Milliarde Euro erreichen. Zuvor hatte der Konzern mit 910 bis 960 Millionen Euro gerechnet.

Anzeige

Der erwartete Free Cashflow wurde ebenfalls erhöht. Delivery Hero stellt nun mehr als 250 Millionen Euro in Aussicht, nachdem zuvor rund 200 Millionen Euro erwartet worden waren. Damit gilt: Delivery Hero hebt Jahresprognose 2026 an, nachdem sich insbesondere Wachstum und Mittelzufluss im ersten Halbjahr verbessert haben.

Im ersten Halbjahr erreichte das bereinigte EBITDA 427 Millionen Euro und lag damit 3,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Free Cashflow vor außergewöhnlichen Posten verbesserte sich besonders deutlich auf 348 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 hatte Delivery Hero auf dieser Basis noch einen negativen Wert von 8 Millionen Euro ausgewiesen.

Amerika und Nahost treiben das Wachstum

Die Entwicklung fiel regional unterschiedlich aus. Besonders stark wuchs Delivery Hero auf dem amerikanischen Kontinent. Dort erhöhte sich der GMV im zweiten Quartal auf vergleichbarer Basis um 29,1 Prozent. Nach Angaben des Unternehmens trugen unter anderem Abonnements sowie ein breiteres Angebot verschiedener Produktkategorien zu dieser Entwicklung bei.

In der Region Nahost und Nordafrika stieg der GMV um 14,9 Prozent. Delivery Hero verwies dabei insbesondere auf das Geschäft in Saudi-Arabien und die Entwicklung der börsennotierten Tochter Talabat.

Auch Europa legte zu. Der GMV wuchs dort auf vergleichbarer Basis um 8,4 Prozent. In Asien lag das Wachstum bei 6,4 Prozent. Damit beschleunigte sich die Entwicklung in der Region nach Angaben des Konzerns zum dritten Quartal in Folge.

Ein wichtiger Wachstumstreiber bleibt das sogenannte Quick-Commerce-Geschäft. Dabei werden neben Restaurantbestellungen auch Lebensmittel und andere Waren kurzfristig ausgeliefert. Der entsprechende GMV stieg konzernweit im zweiten Quartal auf vergleichbarer Basis um 32 Prozent. Quick Commerce machte damit 18,3 Prozent des gesamten Bruttowarenwerts aus.

Übernahme durch Uber soll 2027 abgeschlossen werden

Die Geschäftszahlen werden in einer Phase veröffentlicht, in der die Zukunft von Delivery Hero bereits weitgehend durch das geplante Zusammengehen mit Uber geprägt wird. Der US-Konzern kündigte am 16. Juli 2026 ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot an.

Uber bietet den Aktionären von Delivery Hero 41,50 Euro in bar je Aktie. Delivery Hero bezifferte den daraus abgeleiteten vollständig verwässerten Eigenkapitalwert auf rund 13 Milliarden Euro. Vorstand und Aufsichtsrat von Delivery Hero begrüßten das Angebot bei dessen Ankündigung und erklärten ihre Absicht, den Aktionären die Annahme zu empfehlen, vorbehaltlich der Prüfung der vollständigen Angebotsunterlagen.

Die Transaktion ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Sie unterliegt mehreren Bedingungen, darunter behördlichen und fusionskontrollrechtlichen Genehmigungen. Uber und Delivery Hero rechnen derzeit mit einem Abschluss in der zweiten Hälfte des Jahres 2027.

Bis dahin sollen beide Unternehmen unabhängig voneinander weiterarbeiten. Für Delivery Hero bedeutet das, dass die operative Entwicklung und die Umsetzung der eigenen Wachstumsstrategie vorerst weiter eigenständig verantwortet werden.

Uber will Geschäft in zahlreichen Ländern übernehmen

Die geplante Transaktion hätte erhebliche Auswirkungen auf den internationalen Markt für Lieferplattformen. Uber und Delivery Hero kommen nach Unternehmensangaben zusammen auf Aktivitäten in 99 Ländern. Uber will durch die Übernahme insbesondere sein Liefergeschäft geografisch deutlich ausweiten und es stärker mit dem eigenen Mobilitätsgeschäft verbinden.

Allerdings soll nicht das gesamte heutige Delivery-Hero-Geschäft bei Uber verbleiben. Delivery Hero hat parallel eine Vereinbarung mit der Investmentgesellschaft SSW Partners geschlossen. Danach sollen Geschäfte in insgesamt 14 Märkten für rund 1,6 Milliarden US-Dollar an SSW Partners übertragen werden. Betroffen sind vor allem Länder, in denen sich die Aktivitäten von Uber Eats und Delivery Hero überschneiden.

Uber selbst soll Delivery-Hero-Geschäfte in rund 50 Märkten übernehmen. Dazu zählen unter anderem Baedal Minjok in Südkorea, Teile von Foodpanda in Asien, Glovo in zahlreichen europäischen und afrikanischen Märkten, Hungerstation in Saudi-Arabien, PedidosYa in Lateinamerika und Talabat in mehreren Ländern des Nahen Ostens.

Delivery Hero stärkt Position vor geplantem Abschluss

Für Delivery Hero sind die aktuellen Zahlen deshalb auch mit Blick auf die lange Übergangsphase bis zum möglichen Abschluss der Übernahme relevant. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben zum Ende des ersten Halbjahres über liquide Mittel von rund 2,8 Milliarden Euro. Zusätzlich erwartet Delivery Hero rund 600 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf seines Taiwan-Geschäfts, dessen Abschluss für das vierte Quartal 2026 vorgesehen ist.

Die angehobene Prognose zeigt, dass Delivery Hero für die verbleibenden Monate des Jahres von einer stärkeren Geschäftsentwicklung ausgeht als noch zu Jahresbeginn. Entscheidend wird dabei vor allem sein, ob sich das höhere Wachstum bei Bestellungen, Quick Commerce und Abonnements gleichzeitig mit weiter steigender Profitabilität fortsetzen lässt.

Unabhängig davon bleibt die geplante Übernahme durch Uber ein mehrstufiger Prozess. Bis zum derzeit für die zweite Jahreshälfte 2027 erwarteten Abschluss bleiben Delivery Hero und Uber eigenständige Unternehmen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu