
Die Deutsche Telekom setzt ihre Erholung an der Börse fort. Die Aktie gewann am Montag zeitweise rund 2,6 Prozent auf 26,80 Euro und gehörte damit zu den stärksten Werten im DAX. Rückenwind lieferte eine positive Einschätzung von JPMorgan. Analyst Akhil Dattani hält an der Einstufung Overweight und am Kursziel von 40 Euro fest. Vom aktuellen Niveau aus entspräche das einem rechnerischen Potenzial von fast 50 Prozent.
Im Mittelpunkt der Analyse stehen die robuste Geschäftsentwicklung, die hohen Mittelzuflüsse aus den USA und die laufenden Aktienrückkäufe. Zusätzliche Fantasie liefern Preisanpassungen bei T-Mobile US. Der US-Konzern stellt ältere Mobilfunktarife auf neuere Angebote um. Für einen Teil der Kunden steigen dadurch die monatlichen Kosten. Höhere Durchschnittserlöse könnten die Profitabilität verbessern. Zugleich wächst allerdings das Risiko, dass preisbewusste Kunden zu AT&T, Verizon oder kleineren Anbietern wechseln.
Die Börse gewichtet derzeit vor allem die Chance auf steigende Erlöse. Das Kursziel von 40 Euro liegt deutlich über dem Stand von 26,80 Euro. Die Aktie hatte sich zuvor deutlich von ihrem 52-Wochen-Hoch entfernt und Ende Juni zeitweise nur knapp über 23,50 Euro notiert.
Die US-Tochter ist weiterhin das zentrale Wachstums- und Gewinnzentrum des Bonner Konzerns. Ende März zählte T-Mobile US 34,4 Millionen Postpaid-Kundenkonten. Im ersten Quartal kamen netto 217.000 Konten hinzu. Die Serviceumsätze stiegen im Jahresvergleich um 11,5 Prozent auf 18,9 Milliarden Dollar. Das bereinigte operative Ergebnis nach Leasingkosten legte um 12,9 Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar zu.
Für das Gesamtjahr erwartet T-Mobile US inzwischen 950.000 bis 1,05 Millionen neue Postpaid-Konten. Zudem soll der durchschnittliche Erlös je Vertragskonto 2026 um 2,5 bis 3,0 Prozent steigen. Genau diese Kombination aus Kundenwachstum und höheren Erlösen ist ein Kernargument für die positive Einschätzung der Telekom-Aktie.
Die Deutsche Telekom legt die Zahlen für das zweite Quartal am 6. August vor. Nach dem ersten Quartal hatte der Konzern seinen Jahresausblick leicht angehoben. Das bereinigte EBITDA nach Leasingkosten soll 2026 rund 47,5 Milliarden Euro erreichen. Beim freien Mittelzufluss nach Leasingkosten rechnet das Unternehmen mit mehr als 19,8 Milliarden Euro.
Im ersten Quartal stieg der Konzernumsatz auf 29,9 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA AL erreichte 11,5 Milliarden Euro, der freie Mittelzufluss AL 5,7 Milliarden Euro. Konzernchef Timotheus Höttges setzt damit weiter auf eine Kombination aus Wachstum in den USA, stabilen Geschäften in Europa und Investitionen in Netze, Cloud und künstliche Intelligenz.
Ein weiteres Argument für Anleger ist das Rückkaufprogramm über bis zu zwei Milliarden Euro. Es läuft seit Anfang Januar 2026. Der Großteil der erworbenen Aktien soll eingezogen werden. Dadurch sinkt die Zahl der umlaufenden Papiere, was den Gewinn je Aktie rechnerisch erhöht und den Kurs unterstützen kann.
Bereits 2024 und 2025 hatte die Telekom jeweils Aktien für rund zwei Milliarden Euro zurückgekauft. Zusammen mit der Dividende von einem Euro je Aktie unterstreicht der Konzern damit seine aktionärsfreundliche Kapitalpolitik.
Im Heimatmarkt steht die Telekom im Wettbewerb mit Vodafone und O2 Telefónica. Gleichzeitig muss sie Milliarden in Glasfaser und Mobilfunk investieren. Mehr als 13 Millionen Haushalte können inzwischen direkt an das Glasfasernetz der Telekom angeschlossen werden. Tatsächlich nutzen jedoch erst 2,2 Millionen Haushalte einen FTTH-Vertrag. Die Quote lag Ende März bei 17,1 Prozent.
Die geringe Auslastung zeigt die zentrale Herausforderung der deutschen Digitalisierung: Der Ausbau schreitet voran, die Vermarktung der Anschlüsse bleibt aber mühsam. An der Börse überwiegt aktuell dennoch der Optimismus. Mit rund sechs Prozent Gewicht zählt die Telekom zu den Schwergewichten im DAX. Entscheidend wird nun sein, ob T-Mobile US die hohen Erwartungen erfüllt und der Konzern seinen angehobenen Ausblick im zweiten Quartal untermauert.
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