Rheinmetall: Milliardenauftrag, doch die Aktie faellt

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Rheinmetall hat sich einen langfristigen Großauftrag aus Großbritannien gesichert. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern übernimmt im Konsortium Omnia Training eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierung der Gefechtsausbildung der britischen Armee. Auf Rheinmetall entfällt ein Vertragswert von knapp einer Milliarde Euro. An der Börse reichte die Meldung dennoch nicht für nachhaltige Kursgewinne: Die Aktie verlor am Montag rund ein Prozent.

Rheinmetall übernimmt zentrale Rolle im Trainingsprogramm

Das britische Verteidigungsministerium hat den insgesamt zwei Milliarden Pfund schweren Auftrag an ein von Raytheon UK geführtes Konsortium vergeben. Neben Rheinmetall gehören Capita, Cervus und Skyral zu den Partnern. Die operative Umsetzung soll im Sommer 2026 beginnen, der Dienstleistungsvertrag läuft über 15 Jahre.

Rheinmetall ist als Partner für das landgestützte kollektive Training an der Konzeption und Bereitstellung zuständig. Kernstück des Programms ist ein digitales Combat Laboratory. Die Plattform soll künstliche Intelligenz, Datenanalyse und virtuelle Umgebungen verbinden, um komplexe Gefechtssituationen realitätsnäher abzubilden. Nach Angaben der britischen Regierung sollen jährlich bis zu 60.000 Soldaten damit trainieren können.

Das System soll Übungen von kleinen Einheiten bis zu Verbänden mit mehreren Zehntausend Soldaten unterstützen. Insgesamt sichert das Programm nach Regierungsangaben rund 400 Arbeitsplätze in Großbritannien und schafft 270 neue qualifizierte Stellen. Hinzu kommen 100 Ausbildungsplätze. Die Modernisierung orientiert sich ausdrücklich an Erkenntnissen aus dem Krieg in der Ukraine und soll die Einsatzbereitschaft für Nato-Missionen erhöhen.

Rüstungsboom treibt Auftragsbestand auf Rekordniveau

Der britische Auftrag trifft auf einen außergewöhnlich hohen Auftragsbestand. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 lag der Rheinmetall-Backlog bei 63,8 Milliarden Euro, nach 49,9 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg auf 9,94 Milliarden Euro, das operative Ergebnis auf 1,84 Milliarden Euro. Für 2026 erwartet der Konzern Erlöse von 14 bis 14,5 Milliarden Euro und eine operative Marge von rund 19 Prozent.

Vorstandschef Armin Papperger, der Rheinmetall seit 2013 führt, hat den Konzern konsequent auf Verteidigung ausgerichtet. Bis 2030 soll der Umsatz nach den langfristigen Plänen auf etwa 50 Milliarden Euro steigen. Wachstumstreiber sind Munition, Flugabwehr, Militärfahrzeuge, Raketen, Digitalisierung und zunehmend auch Marinesysteme.

Keine Rheinmetall-Fusion mit KMW

Rheinmetall ist nicht mit Krauss-Maffei Wegmann fusioniert. KMW schloss sich 2015 mit dem französischen Hersteller Nexter unter dem Dach von KNDS zusammen. Rheinmetall und KNDS arbeiten bei einzelnen Projekten zusammen, etwa über das Gemeinschaftsunternehmen ARTEC beim Boxer-Radpanzer, stehen bei anderen Vorhaben aber auch im Wettbewerb.

Beim Leopard 2 stammt das Fahrzeug von KNDS Deutschland, während Rheinmetall unter anderem Hauptbewaffnung, Feuerleittechnik und Sensorik zuliefert. Mit dem Panther KF51 entwickelt Rheinmetall zugleich ein eigenes, vollständig digitalisiertes Kampfpanzerkonzept mit 130-Millimeter-Kanone. Damit positioniert sich der Konzern für künftige europäische Beschaffungsprogramme neben dem etablierten Leopard-System.

Warum die Aktie auf den Auftrag kaum reagiert

Der Kursrückgang zeigt, dass Großaufträge allein derzeit nicht automatisch für steigende Kurse sorgen. Rheinmetall ist an der Börse trotz der jüngsten Korrektur weiterhin hoch bewertet. Der Börsenwert lag zuletzt bei rund 46 bis 47 Milliarden Euro, das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 29. Anleger verlangen deshalb zunehmend, dass der Konzern seinen Rekordauftragsbestand schnell in Umsatz, Gewinn und freien Mittelzufluss umwandelt.

Hinzu kommt der allgemeine Druck auf europäische Rüstungswerte. Der Sektor verlor am Montag rund 1,4 Prozent. Außerdem wirkt die Unsicherheit nach der Streichung des deutschen F126-Fregattenprogramms nach, die Rheinmetalls erwarteten Auftragseingang deutlich belastet. Der britische Milliardenvertrag ist operativ bedeutend, an der Börse überwogen zum Wochenstart jedoch Bewertungssorgen, Gewinnmitnahmen und der Blick auf die Umsetzung der ambitionierten Wachstumsziele.

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