
Die Rentenlücke Deutschland gehört laut einer aktuellen Analyse zu den größten in Europa. Die durchschnittliche staatliche Altersrente deckt demnach nur rund 67 Prozent der geschätzten Lebenshaltungskosten von Menschen über 60 Jahren. Daraus ergibt sich eine rechnerische Lücke von 33 Prozent. Nur in sechs der untersuchten europäischen Länder fällt das Defizit noch höher aus. Die Zahlen beruhen auf einer Auswertung von DataPulse, die unterschiedliche Daten von Eurostat miteinander vergleicht. Sie beschreiben Durchschnittswerte und gelten daher nicht gleichermaßen für jeden Rentner und jede Rentnerin.
Für Deutschland stellt die Analyse einer durchschnittlichen staatlichen Altersrente von 19.138 Euro im Jahr geschätzte jährliche Lebenshaltungskosten von 28.663 Euro gegenüber. Die Differenz beträgt damit 9.525 Euro jährlich. Umgerechnet sind das rund 794 Euro pro Monat.
Nach dieser Berechnung deckt die staatliche Altersrente etwa 67 Prozent der angenommenen Ausgaben. Das Rentendefizit Deutschland beträgt entsprechend 33 Prozent. Damit gehört Deutschland zu den Ländern mit einer besonders großen rechnerischen Versorgungslücke. Nur sechs untersuchte europäische Staaten schneiden bei diesem Vergleich noch schlechter ab.
Die Aussage bedeutet jedoch nicht, dass jedem Menschen im Ruhestand tatsächlich monatlich 794 Euro fehlen. Die persönliche Rentenlücke hängt unter anderem von der individuellen Rentenhöhe, der Miete, der Haushaltsgröße, dem Wohnort und zusätzlichen Einnahmen ab.
Als wichtiger Grund für die große Rentenlücke Deutschland gelten die Wohnkosten. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Altersvorsorge entfallen rund 34 Prozent der monatlichen Ausgaben älterer Menschen auf das Wohnen. Für Ernährung, Verkehr und Freizeit werden jeweils etwa elf Prozent angesetzt. Wohnen und Lebensmittel machen damit zusammen fast die Hälfte der angenommenen Ausgaben aus.
Hinzu kommt die vergleichsweise hohe Mietquote. Rund 60 Prozent der Menschen über 65 Jahren, die allein in einem Haushalt leben, wohnen demnach zur Miete. Gemeinsam mit Österreich und den Niederlanden zählt Deutschland damit zu den europäischen Ländern mit einer hohen Mietquote unter Senioren.
Steigende Mieten, Energiepreise und Nebenkosten können die finanzielle Belastung im Ruhestand deshalb deutlich erhöhen. Menschen mit einem abbezahlten Haus oder einer schuldenfreien Eigentumswohnung haben dagegen häufig geringere regelmäßige Wohnkosten.
Die Analyse berücksichtigt auf der Einnahmeseite vor allem die staatliche Altersrente. Viele Menschen verfügen im Ruhestand jedoch über weitere Einkünfte. Dazu gehören Betriebsrenten, private Rentenversicherungen, Ersparnisse, Kapitalerträge, Mieteinnahmen oder das Einkommen eines Partners.
Das Ergebnis von 33 Prozent darf daher nicht mit einer individuellen Versorgungslücke gleichgesetzt werden. Ein Rentner mit einer günstigen Wohnung und zusätzlichen Einkünften kann deutlich besser dastehen als der errechnete Durchschnitt. Bei hohen Mietkosten und einer niedrigen gesetzlichen Rente kann die persönliche Lücke dagegen wesentlich größer sein.
Auch eine große rechnerische Rentenlücke bedeutet nicht automatisch, dass alle Betroffenen von Altersarmut bedroht sind. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge beziffert das Altersarmutsrisiko in Deutschland auf etwa 20 Prozent und ordnet das Land damit im europäischen Mittelfeld ein.
Die Untersuchung vergleicht die durchschnittliche staatliche Altersrente mit geschätzten durchschnittlichen Ausgaben älterer Menschen. Die 33 Prozent sind deshalb nicht mit dem offiziellen Rentenniveau zu verwechseln.
Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis einer gesetzlichen Standardrente zum durchschnittlichen Einkommen von Beschäftigten. Die DataPulse-Analyse untersucht dagegen, wie weit eine durchschnittliche staatliche Altersrente zur Deckung angenommener Lebenshaltungskosten reicht.
Zudem handelt es sich nicht um eine offizielle Feststellung der Europäischen Union. DataPulse hat Daten von Eurostat ausgewertet und für den internationalen Vergleich zusammengeführt. Das Ergebnis liefert Hinweise darauf, dass hohe Lebenshaltungskosten und insbesondere hohe Wohnkosten die finanzielle Lage älterer Menschen in Deutschland belasten. Eine persönliche Rentenberechnung kann die Modellrechnung jedoch nicht ersetzen.
Die Analyse zeigt, dass nicht nur die Höhe der gesetzlichen Rente über den Lebensstandard im Alter entscheidet. Entscheidend sind auch die regelmäßigen Ausgaben, die Wohnsituation und vorhandene zusätzliche Einkünfte.
Betriebliche und private Altersvorsorge können dazu beitragen, die persönliche Versorgungslücke zu verkleinern. Gleichzeitig können hohe Mieten einen großen Teil der zusätzlichen Einnahmen aufzehren. Besonders betroffen können Menschen sein, die lange in Teilzeit gearbeitet, niedrige Einkommen bezogen oder ihre Erwerbstätigkeit über längere Zeit unterbrochen haben.
Ob die gesetzliche Rente reicht, lässt sich daher nur individuell beurteilen. Die errechnete Rentenlücke von 33 Prozent zeigt vor allem, dass die durchschnittliche staatliche Altersrente in Deutschland nach diesem Modell deutlich unter den angenommenen Lebenshaltungskosten liegt.
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