
Die Linke steht vor einem Bundesparteitag, der personelle und programmatische Entscheidungen bündelt. Von Freitag an beraten die Delegierten in Potsdam über den Leitantrag, weitere Sachanträge, Satzungsfragen und die Neuwahl des Parteivorstands. Der Parteitag beginnt am 19. Juni 2026 um 14 Uhr und endet voraussichtlich am 21. Juni um 15 Uhr.
Im Mittelpunkt steht die künftige Führung der Partei. Jan van Aken hatte angekündigt, aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut für den Parteivorsitz zu kandidieren. Für den Parteivorsitz waren nach der veröffentlichten Kandidaturenliste Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano angemeldet. Die Entscheidung fällt auf dem Parteitag.
Der Bundesparteitag findet in der Metropolis Halle in Potsdam statt. Am ersten Beratungstag stehen die Eröffnung, die Rede der Parteivorsitzenden, Berichte und die Generaldebatte auf dem Programm. Ab Freitagabend soll zudem über den Leitantrag und weitere Anträge beraten werden.
Am Samstag ist die Wahl des Parteivorstands vorgesehen. Am Sonntag soll unter anderem die Nachwahl der Bundesschiedskommission folgen. Für den Mittag ist eine Rede der neu gewählten Parteivorsitzenden eingeplant. Damit verbindet der Parteitag organisatorische Entscheidungen mit der politischen Standortbestimmung der Partei.
Jan van Aken hatte im April erklärt, sein Amt zum Parteitag niederzulegen. Er begründete den Schritt öffentlich mit gesundheitlichen Gründen und kündigte zugleich an, sein Bundestagsmandat weiter ausüben zu wollen. Bis zum Parteitag blieb er gemeinsam mit Ines Schwerdtner Parteivorsitzender.
Für die Nachfolge beziehungsweise die neue Doppelspitze sind Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano angemeldet. Pantisano sitzt für Die Linke im Bundestag und gehört dort zur Fraktionsführung. Die Wahl ist deshalb mehr als eine Personalfrage. Sie entscheidet auch darüber, mit welchem Führungsteam die Partei ihren Kurs nach der Bundestagswahl 2025 fortsetzt.
Der programmatische Schwerpunkt liegt auf dem Leitantrag „Die Linke als Steinhaus bauen“. Darin beschreibt der Parteivorstand den Anspruch, die Partei stärker in Betrieben, Stadtteilen, Kommunen und sozialen Auseinandersetzungen zu verankern. Inhaltlich stehen Sozialstaat, Mieten, Preise, Rente, Pflege, öffentliche Investitionen und der Umgang mit Rechtsruck und Militarisierung im Vordergrund.
Die Partei will damit ihren Aufschwung nach der Bundestagswahl stabilisieren. Bei der Wahl 2025 kam Die Linke auf 8,8 Prozent der Zweitstimmen und zog mit 64 Abgeordneten in den Bundestag ein. Für die Partei ist der Parteitag deshalb auch ein Test, ob sich Wahlerfolg, Mitgliederzuwachs und parlamentarische Arbeit in eine längerfristige Strategie übersetzen lassen.
Ein weiterer Antrag des Parteivorstands betrifft die Bezüge von Abgeordneten. Vorgesehen ist, die monatlichen Bezüge aus Bundestags- und Europaparlamentsdiäten auf ein Arbeitnehmerbrutto in Höhe des aktuellen Durchschnittslohns zu begrenzen. Der Antrag nennt dafür 64.441 Euro im Jahr beziehungsweise 5.370 Euro im Monat brutto.
Zusätzliche Regelungen sind für Abgeordnete mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen vorgesehen. Übersteigende Beträge sollen in Sozialfonds fließen oder an soziale und politische Initiativen vor Ort gehen. Steuerfreie Kostenpauschalen sollen davon ausgenommen bleiben. Es handelt sich um eine parteiinterne Regelung, nicht um eine gesetzliche Änderung für alle Abgeordneten.
Der Parteitag ist überregional relevant, weil Die Linke seit der Bundestagswahl wieder mit einer größeren Fraktion im Bundestag vertreten ist. Ihre Entscheidungen in Potsdam betreffen nicht direkt Regierungshandeln, können aber die Schwerpunktsetzung der Opposition beeinflussen. Besonders bei Sozialpolitik, Mieten, Pflege, Rente, Preisentwicklung und Außenpolitik will die Partei eigene Akzente setzen.
International fügt sich die Debatte in eine breitere Entwicklung linker Parteien in Europa ein. Viele von ihnen suchen nach Antworten auf steigende Lebenshaltungskosten, gesellschaftliche Polarisierung, Sicherheitsfragen und den Erfolg rechter Parteien. Der Parteitag in Potsdam zeigt, welchen Weg Die Linke in diesem Umfeld einschlagen will.
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