Nach DreiMeister-Insolvenz: Belgischer Unternehmer plant Neustart mit alter Technik

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der insolvente Pralinenhersteller DreiMeister aus Werl könnte unter neuer Regie zumindest als Marke eine Zukunft haben. Ein belgischer Unternehmer hat nach Angaben eines am Verkauf beteiligten Beraters die Markenrechte und Produktionsanlagen erworben. Die Fertigung soll künftig in Belgien stattfinden. Für den bisherigen Standort in Deutschland bedeutet das allerdings keine Rückkehr zur Produktion. Die zuletzt 101 Beschäftigten hatten bereits im Sommer ihre Kündigungen erhalten.

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Belgischer Käufer will Produktion Anfang 2027 starten

Hinter dem geplanten Neustart steht der belgische Unternehmer Jo Ballet. Er hat in Waregem in der Nähe von Gent das Unternehmen Belgian Chocolate Studio gegründet. Dort sollen künftig Pralinen und weitere Schokoladenprodukte hergestellt werden. Die Gesellschaft ist seit September 2026 in Belgien registriert und führt die Herstellung von Kakao, Schokolade und Süßwaren als Geschäftstätigkeit.

Nach Angaben eines vom Käufer mit der Kommunikation beauftragten Unternehmensberaters umfasst die Übernahme nahezu sämtliche Maschinen sowie Bestandteile der acht bisherigen Produktionslinien von DreiMeister. Die Anlagen sollen in Belgien modernisiert und anschließend wieder aufgebaut werden. Ein Produktionsbeginn ist spätestens für Januar 2027 vorgesehen.

Die Demontage der Maschinen am bisherigen Standort in Werl-Westönnen hat demnach bereits begonnen. Ab Ende Oktober sollen zwischen 25 und 30 Lastwagen benötigt werden, um die technischen Anlagen nach Belgien zu transportieren. Die Angaben zu Umfang und Zeitplan stammen von dem beteiligten Berater.

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101 Beschäftigte verloren nach Insolvenz ihren Arbeitsplatz

Für die ehemalige Belegschaft von DreiMeister bringt der geplante Neustart keine Rückkehr der Arbeitsplätze nach Werl. Bereits am 1. Juli 2026 hatte das Amtsgericht Arnsberg das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet.

Insolvenzverwalter Michael Schütte informierte die verbliebenen 101 Beschäftigten gemeinsam mit der bisherigen Geschäftsführung über das Ende des Unternehmens. Alle erhielten ihre Kündigung. Zu diesem Zeitpunkt stand die Produktion bereits seit mehreren Wochen still.

Zuvor hatten sich mehrere potenzielle Investoren mit einer Übernahme beschäftigt. Ein wirtschaftlich umsetzbares Fortführungskonzept kam jedoch nicht zustande. Nach damaligen Angaben des Insolvenzverwalters fehlte unter anderem die notwendige Finanzierung, um die Produktion wieder aufzunehmen.

Wie viele Arbeitsplätze beim Belgian Chocolate Studio entstehen sollen, ist bislang nicht bekannt. Ebenso gibt es keine bestätigten Angaben darüber, ob ehemalige DreiMeister-Beschäftigte künftig für das belgische Unternehmen arbeiten werden.

Gestiegene Kakaopreise verschärften die wirtschaftlichen Probleme

Die Insolvenz von DreiMeister folgte auf eine Phase größerer Investitionen. Das Unternehmen hatte seine Produktionskapazitäten erweitert und zusätzliche Maschinen angeschafft. Gleichzeitig stiegen die Preise für wichtige Rohstoffe, insbesondere für Kakao, erheblich.

Insolvenzverwalter Schütte hatte die zeitliche Überschneidung von Expansion und steigenden Materialkosten als wesentlichen Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten beschrieben. Die höheren Kosten konnten nicht vollständig an Kunden weitergegeben werden.

Hinzu kamen Probleme bei der Finanzierung des laufenden Betriebs. Für den Einkauf neuer Rohstoffe wäre zusätzliches Kapital notwendig gewesen. Die erforderlichen Zwischenkredite standen dem Unternehmen jedoch nicht zur Verfügung. Damit fehlte eine zentrale Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Fertigung.

DreiMeister-Marke könnte im Handel weiterbestehen

Mit dem Erwerb der Markenrechte erhält der belgische Unternehmer nach Angaben des beteiligten Beraters die Möglichkeit, Produkte weiterhin unter dem Namen DreiMeister anzubieten. Zum Kauf sollen auch die Rechte an den sogenannten Golddublonen gehören, einer Produktreihe aus Schokoladentalern.

Ob die Marke tatsächlich in ihrer bisherigen Form weitergeführt wird, ist noch offen. Das Belgian Chocolate Studio entwickelt derzeit seine künftige Produkt- und Vertriebsstrategie. Auch bestehende Kundenbeziehungen des früheren Herstellers könnten nach den Plänen des Käufers genutzt werden.

Für den Süßwarenhandel würde ein Produktionsstart in Belgien die Möglichkeit eröffnen, erneut Produkte aus den früheren DreiMeister-Anlagen zu beziehen. Eine Fortsetzung des bisherigen Unternehmens ist damit allerdings nicht verbunden. Die insolvente Gesellschaft wird abgewickelt, während in Belgien eine neue Produktion aufgebaut werden soll.

Zukunft des ehemaligen Werks in Werl bleibt offen

DreiMeister blickt auf eine mehr als 50-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Die Ursprünge reichen bis zum Café Schröder in Werl in den 1950er-Jahren. Im Jahr 1973 gründete Hans Schröder das Unternehmen DreiMeister Spezialitäten. Seit 1988 befand sich der Produktionsstandort in Werl-Westönnen.

Im Jahr 2016 wechselte die Unternehmensführung zu Markus Luckey. Unter seiner Leitung wurden neben klassischen Pralinen und Trüffeln weitere Produktlinien entwickelt.

Die Immobilien am bisherigen Standort gehören nicht zur Insolvenzmasse. Sie befinden sich in einer eigenständigen Gesellschaft des früheren Geschäftsführers Markus Luckey. Eine Entscheidung über die künftige Nutzung der Gebäude ist bislang nicht bekannt.

Damit zeichnet sich eine Trennung zwischen der wirtschaftlichen Zukunft der Marke und dem bisherigen Produktionsstandort ab. Während die Maschinen in Belgien wieder eingesetzt werden sollen, endet die industrielle Fertigung von DreiMeister in Werl. Ob Verbraucher künftig erneut Pralinen unter dem bekannten Namen kaufen können, hängt von den noch nicht abgeschlossenen Produkt- und Vertriebsplanungen des neuen Unternehmens ab.

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