
Die Bundeswehr will ihre Fähigkeiten mit unbemannten Systemen deutlich ausbauen und dafür erstmals ein eigenes Drohnenregiment aufstellen. Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte den neuen Verband am Donnerstag, 1. Oktober 2026, auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen an. Das Drohnenregiment der Bundeswehr soll im Laufe des Jahres 2027 aufgebaut werden und langfristig eine Stärke von rund 600 Soldatinnen und Soldaten erreichen.
Geplant ist zunächst eine deutlich kleinere Anfangsstruktur. Nach Angaben des Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, soll bis Ende 2027 eine erste Befähigung mit etwa 300 Soldatinnen und Soldaten erreicht werden. Anschließend soll der Verband auf eine Zielstärke von rund 600 Angehörigen anwachsen. Wo das neue Regiment stationiert wird, ist noch nicht entschieden.
Der neue Verband soll unterschiedliche unbemannte Systeme zusammenführen. Dazu gehören nach den bisher veröffentlichten Plänen sowohl fliegende Drohnen als auch unbemannte Fahrzeuge für den Einsatz am Boden. Die vorgesehenen Fähigkeiten sollen von kurzen Entfernungen im unmittelbaren Einsatzraum bis zu Reichweiten von rund 500 Kilometern reichen.
Pistorius erklärte bei der Vorstellung, dass Landstreitkräfte den Einsatz unbemannter Systeme beherrschen müssten, um sich in modernen militärischen Auseinandersetzungen behaupten zu können. Das Regiment soll deshalb Fähigkeiten bündeln, die bislang auf verschiedene Bereiche verteilt sind. Zusätzlich ist eine eigene Kompanie für den elektromagnetischen Kampf vorgesehen. Dabei geht es unter anderem um die Nutzung des elektromagnetischen Spektrums für militärische Zwecke sowie um Maßnahmen gegen gegnerische Kommunikation und Sensorik.
Zur konkreten technischen Ausstattung gibt es bislang noch keine abschließende Entscheidung. Freuding erklärte, dass die Auswahl der Systeme Gegenstand der kommenden Monate sein werde. Beschaffungsentscheidungen sollen nach den derzeitigen Planungen rechtzeitig getroffen werden, damit die erste Einsatzbefähigung 2027 erreicht werden kann.
Zum geplanten Fähigkeitsspektrum gehört auch sogenannte Loitering Munition. Dabei handelt es sich um unbemannte Systeme, die über einem Einsatzgebiet kreisen oder dort nach einem Ziel suchen können und bei einem Angriff selbst als Wirkmittel eingesetzt werden. Solche Systeme werden bei der Bundeswehr derzeit erprobt. Ihre Einführung in die Truppe ist für 2027 vorgesehen.
Die Bundeswehr hatte die praktische Erprobung dieser Systeme bereits im Frühjahr 2026 intensiviert. Bei Tests wurden unter anderem Aufklärung, Zielerfassung und Wirkung miteinander verknüpft. Parallel baut das Heer in Munster einen Ausbildungs- und Übungsstützpunkt für Drohnen auf. Dort werden Einsatzverfahren entwickelt und Soldatinnen und Soldaten für den Umgang mit unbemannten Systemen ausgebildet.
Das neue Regiment soll nicht die einzige Struktur für unbemannte Systeme bleiben. Das Heer plant parallel, Drohnen und andere unbemannte Systeme stärker direkt in vorhandene Verbände einzubauen. Freuding kündigte an, dass bereits zum Jahreswechsel 2026/2027 in Verbänden der Jägertruppe, der Aufklärungstruppe und der Panzertruppe entsprechende Fähigkeiten aufgebaut werden sollen.
Damit verfolgt die Bundeswehr zwei Ansätze gleichzeitig. Einerseits werden spezialisierte Fähigkeiten in einem eigenen Regiment gebündelt. Andererseits sollen kleinere unbemannte Systeme zunehmend zum regulären Instrumentarium verschiedener Truppengattungen gehören. Auch bei der Drohnenabwehr baut die Bundeswehr ihre Strukturen aus. Die Luftwaffe hatte bereits 2025 ein schnelles Reaktionselement zur Abwehr unbemannter Fluggeräte eingerichtet. Seit Juli 2026 sollen alle Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche über eigene entsprechende Elemente verfügen.
Die zunehmende Bedeutung von Drohnen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die militärische Entwicklung in zahlreichen europäischen Staaten beschleunigt. Kleine Aufklärungsdrohnen, ferngesteuerte Angriffssysteme, weitreichende unbemannte Flugkörper und elektronische Gegenmaßnahmen gehören dort inzwischen regelmäßig zum Gefechtsfeld.
Auch die Bundeswehr richtet Ausbildung, Beschaffung und Truppenstrukturen stärker auf diese Entwicklung aus. Gleichzeitig sollen unbemannte Systeme klassische Fähigkeiten nicht vollständig ersetzen, sondern mit ihnen zusammenwirken. Beim Heer betrifft dies beispielsweise die Verbindung von Drohnen mit Panzertruppen, Artillerie, Aufklärung und elektronischer Kampfführung.
Der neue Verband soll nach den bei der Vorstellung genannten Planungen der 10. Panzerdivision zugeordnet werden. Die konkrete Zusammensetzung steht allerdings noch nicht abschließend fest. Ebenso offen ist der künftige Standort. Nach Angaben des Heeres spielen dabei auch die infrastrukturellen Möglichkeiten eine Rolle, weil das Regiment möglichst viele seiner Systeme am Standort selbst erproben und einsetzen können soll.
Mit der geplanten Aufstellung 2027 schafft das Heer damit erstmals einen eigenständigen Großverband, dessen Schwerpunkt vollständig auf unbemannten Systemen liegt. Ob die Struktur später auch auf weitere Divisionen übertragen wird, soll von den Erfahrungen mit dem ersten Regiment abhängen.






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