
Ralph Siegel will noch einmal zum Eurovision Song Contest. Der Komponist hat nach eigenen Angaben einen neuen Beitrag für eine Neuauflage von Dschinghis Khan beim deutschen Auswahlverfahren für den ESC 2027 eingereicht. Einen Platz im deutschen Finale hat die Formation damit allerdings noch nicht sicher. Der zuständige Südwestrundfunk bestätigt einzelne Bewerbungen während des laufenden Verfahrens nicht.
Der 80-jährige Siegel sagte dem Musikportal Schlagerpuls, die Bewerbung sei noch rechtzeitig eingereicht worden. Die offizielle Frist des SWR endete am 21. September 2026. „Jetzt sind wir sehr gespannt“, sagte Siegel in dem Interview. Sein Wunsch sei zunächst, mit dem neuen Beitrag überhaupt für die deutsche Entscheidung ausgewählt zu werden.
Damit zeichnet sich möglicherweise eine Rückkehr zu einer der bekanntesten Verbindungen der deutschen ESC-Geschichte ab. Ralph Siegel will zum ESC mit jenem Bandnamen, mit dem er bereits 1979 international erfolgreich war.
Noch ist Dschinghis Khan kein bestätigter Act für den deutschen Vorentscheid. Der SWR sucht für den Wettbewerb 2027 sowohl etablierte Künstler als auch Newcomer. Voraussetzung für die Bewerbung war jeweils eine Kombination aus Act und Song. Alle Musikrichtungen waren ausdrücklich zugelassen.
Die Auswahl erfolgt nach Angaben des Senders in mehreren Stufen. Ein externes Team aus der Musikbranche begleitet das Verfahren. Erst die ausgewählten Acts treten schließlich bei „Eurovision Song Contest – Das Deutsche Finale 2027“ gegeneinander an. Die Live-Sendung ist nach bisheriger Planung für Februar 2027 vorgesehen. Ein genauer Termin und weitere Details stehen noch nicht fest.
Auch Siegels Bewerbung erhält deshalb zunächst keinen Sonderstatus. Auf Anfrage zu dem konkreten Beitrag verwies der SWR darauf, während des laufenden Auswahlprozesses keine Auskunft zu einzelnen Bewerbungen zu geben.
Unabhängig von der ESC-Bewerbung arbeitet Siegel bereits seit Monaten an einer neuen Ausgabe von Dschinghis Khan. Im Juni wurde eine Formation unter der Bezeichnung „The Next Generation“ für eine Deutschlandtour im Jahr 2027 angekündigt. Veranstalter bewerben sie als neue Besetzung, die bekannte Titel mit neu arrangierten Fassungen und neuen Liedern verbinden soll.
Die Konzertserie soll im März 2027 beginnen. Aufgeführt werden unter anderem Termine in Erding, Hof, Bad Neustadt an der Saale, Berlin, Euskirchen, Langen und Aalen. Für mehrere Veranstaltungen läuft der Vorverkauf bereits.
Welche Mitglieder der neuen Besetzung gegebenenfalls auch beim deutschen ESC-Auswahlverfahren auf der Bühne stehen würden, war zunächst nicht offiziell bekannt. Auch der Titel des eingereichten Wettbewerbsbeitrags wurde zunächst nicht veröffentlicht.
Siegel beschrieb die neue ESC-Komposition gegenüber Schlagerpuls lediglich als „verhältnismäßig anspruchsvoll“. Weitere musikalische Einzelheiten nannte er zunächst nicht.
Die Verbindung von Ralph Siegel, Dschinghis Khan und dem Eurovision Song Contest reicht fast fünf Jahrzehnte zurück. Für die deutsche Vorentscheidung 1979 stellte Siegel eigens eine sechsköpfige Formation zusammen. Das von ihm komponierte und von Bernd Meinunger getextete Lied trug ebenfalls den Namen „Dschinghis Khan“.
Die Gruppe gewann die deutsche Auswahl und trat anschließend beim Eurovision Song Contest in Jerusalem an. Dort belegte sie unter 19 Teilnehmern den vierten Platz und erhielt 86 Punkte.
Auch kommerziell entwickelte sich das Projekt erfolgreich. „Dschinghis Khan“ erreichte in Deutschland Platz eins der Singlecharts. Der folgende Titel „Moskau“ kam bis auf Platz drei. Weitere Singles schafften ebenfalls hohe Platzierungen, darunter „Hadschi Halef Omar“ auf Rang sieben und „Loreley“ auf Rang sechs.
1986 tauchte der Name noch einmal im deutschen Auswahlverfahren auf. Als Dschinghis Khan Family trat eine Formation mit „Wir gehör’n zusammen“ an, konnte sich jedoch nicht für den internationalen Wettbewerb qualifizieren.
Für Ralph Siegel wäre eine Teilnahme 2027 die Fortsetzung einer außergewöhnlich langen ESC-Geschichte. Der Komponist war bereits in den 1970er-Jahren mit Beiträgen bei internationalen Wettbewerben vertreten. Nach Platz vier mit Dschinghis Khan 1979 folgten unter anderem zweite Plätze mit Katja Ebstein 1980 und Lena Valaitis 1981.
Seinen größten ESC-Erfolg erreichte Siegel 1982. Nicole gewann mit dem von ihm komponierten und von Bernd Meinunger getexteten „Ein bisschen Frieden“ zunächst den deutschen Vorentscheid und anschließend den Eurovision Song Contest. Es war der erste deutsche Gesamtsieg bei dem Wettbewerb.
Fast 45 Jahre später versucht Siegel nun erneut, mit Dschinghis Khan durch das deutsche Auswahlverfahren zu kommen. Ob seine neue Formation tatsächlich im deutschen Finale antreten darf, entscheidet jedoch erst das laufende Auswahlverfahren des SWR.
Der Eurovision Song Contest 2027 wird nach dem bulgarischen Sieg von 2026 in Burgas ausgetragen. Deutschland sucht seinen Beitrag zuvor im nationalen Auswahlverfahren. Für Siegel und Dschinghis Khan steht damit zunächst die erste Hürde fest: die Auswahl für das deutsche Finale.






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