
Für die Beschäftigten im Einzelhandel in Schleswig-Holstein gibt es einen neuen Tarifabschluss. Die Gewerkschaft Verdi und der Handelsverband Nord haben sich nach vier Verhandlungsrunden auf höhere Löhne und Gehälter verständigt. Rund 124.000 Beschäftigte der Branche sind betroffen. Die erste Erhöhung gilt rückwirkend zum 1. August 2026.
Die Tarifeinigung im Einzelhandel sieht zunächst drei Prozent mehr Entgelt vor. Zum 1. Mai 2027 folgt eine weitere Erhöhung um zwei Prozent. Für Beschäftigte in den unteren Entgeltgruppen sowie für Auszubildende wurden darüber hinaus überproportionale Steigerungen vereinbart. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 25 Monaten.
Die erste Entgeltstufe greift nicht erst mit dem Abschluss Ende September. Die Löhne und Gehälter werden vielmehr rückwirkend zum 1. August um drei Prozent angehoben. Damit umfasst die neue Regelung auch die beiden Monate vor der Einigung.
Im kommenden Jahr folgt die zweite Stufe. Ab dem 1. Mai 2027 steigen die Tarifentgelte um weitere zwei Prozent. Die vereinbarte Laufzeit von insgesamt 25 Monaten verschafft Beschäftigten und Unternehmen damit für gut zwei Jahre einen festen tariflichen Rahmen.
Für untere Entgeltgruppen fällt die Entwicklung stärker aus als die allgemeinen prozentualen Erhöhungen. Nach Angaben von Verdi wurde ein tariflicher Mindeststundenlohn von 14,20 Euro rückwirkend zum August vereinbart. Ab Mai 2027 soll diese tarifliche Untergrenze auf 14,90 Euro pro Stunde steigen.
Überproportionale Verbesserungen gibt es auch bei den Ausbildungsvergütungen. Die Erhöhungen für Auszubildende fallen stärker aus als die allgemeinen Entgeltsteigerungen von drei Prozent ab August 2026 und weiteren zwei Prozent ab Mai 2027. Konkrete Eurobeträge für die einzelnen Ausbildungsjahre wurden zunächst nicht genannt.
Die besondere Behandlung der unteren Lohngruppen und der Auszubildenden war bereits bei anderen Tarifabschlüssen im Einzelhandel ein zentraler Bestandteil. Auch für den Hamburger Einzelhandel hatten der Handelsverband Nord und Verdi wenige Tage zuvor drei Prozent mehr Geld rückwirkend ab August sowie weitere zwei Prozent ab Mai 2027 vereinbart. Dort bestätigte der Arbeitgeberverband ebenfalls überproportionale Anhebungen für niedrige Entgeltgruppen und Ausbildungsvergütungen.
Die Verhandlungen in Schleswig-Holstein liefen seit Mai. Bereits in den vorherigen Runden hatten beide Seiten über die Höhe und den Zeitpunkt möglicher Entgeltsteigerungen gestritten. Noch Ende Mai hatte die Arbeitgeberseite lediglich eine zweistufige Steigerung von insgesamt 3,5 Prozent bei 24 Monaten Laufzeit angeboten. Vorgesehen waren damals zwei Prozent ab November 2026 und weitere 1,5 Prozent ab August 2027.
Der jetzt vereinbarte Abschluss liegt deutlich darüber. Verdi hatte die Tarifrunde mit Forderungen nach kräftigeren Entgeltsteigerungen begleitet. Im Verlauf der Auseinandersetzung kam es auch zu Streikaktionen von Beschäftigten des Einzelhandels. Verdi-Verhandlungsführer Bert Stach führte den erzielten Abschluss ausdrücklich auch auf diesen Druck zurück. Der Arbeitgeber-Verhandlungsführer Michael Fink verwies nach der Einigung zugleich auf die Bedeutung der stärkeren Anhebung niedriger Einkommen und der Ausbildungsvergütungen.
Die Tarifverhandlungen im deutschen Einzelhandel werden nicht in einem einzigen bundesweiten Vertrag abgeschlossen. Stattdessen gibt es regionale Tarifgebiete, in denen Gewerkschaft und Arbeitgeberverbände jeweils Vereinbarungen treffen. Deshalb können Abschlusszeitpunkte und einzelne Regelungen zwischen den Bundesländern voneinander abweichen.
In mehreren Tarifgebieten haben sich die Parteien 2026 jedoch auf ähnliche Grundstrukturen verständigt. Für Hamburg bestätigte der Handelsverband Nord bereits am 22. September einen Abschluss mit drei Prozent mehr Entgelt ab August 2026 und zwei Prozent zusätzlich ab Mai 2027. Auch dort beträgt die Laufzeit 25 Monate.
Mit der Einigung in Schleswig-Holstein ist nun auch für die rund 124.000 Beschäftigten des dortigen Einzelhandels die Tarifrunde abgeschlossen. Für tarifgebundene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet das eine rückwirkende Entgeltsteigerung ab August und bereits fest vereinbarte weitere Verbesserungen im kommenden Jahr.






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