
Deutschland erweitert die Luftverkehrsrechte für Fluggesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und öffnet damit den Weg für eine neue Emirates-Verbindung zwischen Berlin und Dubai. Die Airline aus dem Emirat Dubai darf den Hauptstadtflughafen BER künftig als fünftes Ziel in Deutschland anfliegen. Bislang war Emirates auf Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg beschränkt.
Die neue Regelung erlaubt am zusätzlichen deutschen Flughafen bis zu sieben Flüge pro Woche. Damit sind grundsätzlich tägliche Emirates-Flüge ab Berlin möglich. Weiterflugrechte von Berlin in Drittstaaten sind mit der Erweiterung allerdings nicht verbunden. Emirates kann die Hauptstadt somit mit seinem Drehkreuz Dubai verbinden, von Berlin aus aber keine zusätzlichen Strecken in andere Länder betreiben. Ein konkreter Starttermin für die neue Verbindung war zunächst noch nicht offiziell bekanntgegeben.
Die bisherigen Verkehrsrechte zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten begrenzten Emirates auf vier deutsche Flughäfen. Die Gesellschaft nutzte diese Möglichkeit bereits vollständig aus. Berlin und Stuttgart gehörten deshalb trotz wiederholter Ausbaupläne nicht zum regulären deutschen Streckennetz der Airline. Emirates hatte im Juni erklärt, für tägliche Verbindungen nach beiden Städten bereit zu sein, sofern die erforderlichen Genehmigungen erteilt würden.
Mit der nun vereinbarten zusätzlichen Destination erhält zunächst Berlin einen neuen direkten Zugang zum Emirates-Drehkreuz in Dubai. Für Reisende aus der Hauptstadtregion bedeutet das nicht nur eine weitere Nonstop-Verbindung in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dubai ist zugleich eines der großen internationalen Umsteigezentren für Verbindungen nach Südasien, Südostasien, Afrika und Australien. Emirates kann deshalb insbesondere mit Umsteigeverbindungen konkurrieren, die bislang häufig über andere europäische oder nahöstliche Drehkreuze führen.
Die Marktöffnung fällt in eine Phase, in der auch die Lufthansa Group ihr Angebot in Richtung Dubai wieder ausbaut. Lufthansa will ab dem 25. Oktober 2026 fünfmal pro Woche von München nach Dubai fliegen. Einen Tag später soll die Verbindung von Frankfurt folgen, ebenfalls mit bis zu fünf Flügen pro Woche. Die Strecken gehören zur schrittweisen Wiederaufnahme von Verbindungen der Gruppe in den Nahen Osten.
Auch andere Konzerngesellschaften planen Dubai-Flüge. Swiss will ab dem 27. Oktober täglich zwischen Zürich und Dubai verkehren, Austrian Airlines ab dem 12. Dezember fünfmal pro Woche von Wien. Für Berlin besonders relevant ist Eurowings: Die Lufthansa-Tochter plant ab dem 1. November eine tägliche Verbindung zwischen dem BER und Dubai. Zusätzlich sind Flüge von Köln/Bonn und Stuttgart vorgesehen.
Damit dürfte auf der Strecke Berlin-Dubai künftig unmittelbarer Wettbewerb entstehen, sobald Emirates seine Verbindung tatsächlich aufnimmt. Reisende könnten dann zwischen mehreren Direktangeboten wählen. Welche Auswirkungen dies auf Ticketpreise und Flugpläne hat, lässt sich daraus allerdings nicht automatisch ableiten. Preise im Luftverkehr hängen unter anderem von Saison, Nachfrage, Kapazität, Treibstoffkosten und Buchungszeitpunkt ab.
Die Ausweitung der Verkehrsrechte war in Deutschland seit Jahren umstritten. Lufthansa lehnt zusätzliche Rechte für Emirates ab und verweist auf unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen. Auch in der Politik wurden vor der Entscheidung mögliche Folgen für deutsche Drehkreuze und deren Zubringerverkehr thematisiert. Befürchtet wird, dass ein größerer Teil des internationalen Umsteigeverkehrs über Dubai statt über europäische Hubs abgewickelt werden könnte.
Auf der anderen Seite erhöht ein zusätzlicher Anbieter die Auswahl für Passagiere und verbessert die direkte internationale Anbindung Berlins. Gerade der BER verfügt im Vergleich zu Frankfurt und München über ein deutlich kleineres interkontinentales Streckennetz. Die Begrenzung auf höchstens sieben wöchentliche Flüge sowie der Ausschluss von Weiterflugrechten ab Berlin bilden dabei einen politischen Kompromiss: Emirates erhält zusätzlichen Zugang zum deutschen Markt, kann Berlin aber nicht als Ausgangspunkt für ein eigenes Streckennetz innerhalb Europas oder zu anderen Drittstaaten nutzen.
Die Entscheidung fällt während des Staatsbesuchs des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohamed bin Zayed Al Nahyan, in Deutschland. Die Bundesregierung hatte für die Gespräche mit Bundeskanzler Friedrich Merz ausdrücklich die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen und den Ausbau der strategischen Partnerschaft auf die Tagesordnung gesetzt. Die Partnerschaft zwischen beiden Ländern besteht seit 2004 und umfasst inzwischen unter anderem Handel, Investitionen, Energie und Klimapolitik.
Die wirtschaftlichen Verbindungen sind bereits umfangreich. Nach Daten von Germany Trade & Invest exportierte Deutschland 2025 Waren im Wert von rund 11,4 Milliarden Euro in die Vereinigten Arabischen Emirate. Die deutschen Importe lagen bei knapp 1,9 Milliarden Euro. Damit erreichte allein der bilaterale Warenhandel ein Volumen von mehr als 13 Milliarden Euro. Hinzu kommt ein erheblicher Dienstleistungsaustausch. Rund 2.000 deutsche Unternehmen sind nach Angaben des Auswärtigen Amts in den Emiraten vertreten, viele davon nutzen Dubai oder Abu Dhabi als Ausgangspunkt für Geschäfte in der gesamten Region.
Für die deutsch-emiratischen Beziehungen ist die neue Flugverbindung damit mehr als eine zusätzliche touristische Strecke. Direkte Luftverkehrsverbindungen spielen auch für Geschäftsreisen, Investitionen und den internationalen Warenverkehr eine Rolle. Dubai ist ein bedeutendes Handels-, Finanz- und Logistikzentrum und dient zahlreichen Unternehmen als Standort für Aktivitäten im Nahen Osten, in Asien und Teilen Afrikas.
Für den deutschen Luftverkehr verschärft die Öffnung zugleich den Wettbewerb um internationale Umsteiger. Lufthansa setzt traditionell auf die Drehkreuze Frankfurt und München, während Emirates Passagiere über Dubai in sein weltweites Netz führt. Mit Berlin kommt nun ein weiterer großer deutscher Einzugsmarkt hinzu. Die Entscheidung erweitert deshalb nicht nur das Langstreckenangebot am BER, sondern verändert auch die Bedingungen im Wettbewerb zwischen einem der größten europäischen Airline-Konzerne und einer der bedeutendsten Golf-Fluggesellschaften.
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