Elif Eralp war Mitglied der Roten Hilfe und trat 2025 aus

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Die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp war über mehrere Jahre Mitglied des Vereins Rote Hilfe. Die inzwischen zur Fraktionsvorsitzenden aufgestiegene Spitzenkandidatin ihrer Partei für das Rote Rathaus trat nach Angaben der Berliner Linken im Jahr 2025 aus dem Verein aus. Die Rote Hilfe wird vom Verfassungsschutz dem linksextremistischen Spektrum zugerechnet. Der Berliner Verfassungsschutz weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass daraus nicht folgt, dass jedes einzelne Vereinsmitglied selbst verfassungsfeindliche Ziele verfolgt.

Die frühere Mitgliedschaft war nicht verborgen. In einem Handbuch des Berliner Abgeordnetenhauses wurde Eralp unter anderem als Mitglied von Verdi, Amnesty International, der VVN-BdA und der Roten Hilfe aufgeführt. In ihren aktuellen Angaben beim Abgeordnetenhaus ist die Rote Hilfe nicht mehr enthalten.

Damit sind Elif Eralp und die Rote Hilfe wenige Tage nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl zum Gegenstand einer neuen politischen Debatte geworden. Die Linke hatte bei der Wahl am 20. September 25,7 Prozent der Zweitstimmen erhalten und war damit stärkste Kraft geworden. Eralp strebt das Amt der Regierenden Bürgermeisterin an.

Berliner Linke bestätigt Austritt im Jahr 2025

Der Berliner Landesverband der Linken bestätigte am Dienstag, dass Eralp mehrere Jahre der Roten Hilfe angehörte und im vergangenen Jahr austrat. Landesgeschäftsführer Bjoern Tielebein erklärte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, Eralp sei während ihres Jurastudiums in Hamburg Mitglied geworden.

Nach Darstellung der Partei wollte sie damit Menschen unterstützen, die sich für linke und soziale Anliegen engagierten und sich einen juristischen Beistand nicht selbst leisten könnten. Eralp sei über Jahre lediglich passives Mitglied gewesen.

Als Grund für ihren späteren Austritt nannte Tielebein teilweise unterschiedliche politische Auffassungen. Der Austritt sei 2025 und damit noch vor Eralps Nominierung zur Spitzenkandidatin erfolgt. Eine weitergehende persönliche Stellungnahme Eralps zu einzelnen Positionen oder Tätigkeiten der Roten Hilfe war in der am Dienstag veröffentlichten Erklärung nicht enthalten.

Die Parteiführung verwies zugleich darauf, dass Eralps Mitgliedschaft öffentlich angegeben worden sei. Tatsächlich findet sich die Rote Hilfe in früheren veröffentlichten Angaben zu ihren Mitgliedschaften beim Berliner Abgeordnetenhaus. In der derzeit abrufbaren Fassung fehlt sie.

Warum der Verfassungsschutz die Rote Hilfe beobachtet

Die Rote Hilfe bezeichnet sich selbst als linke Schutz- und Solidaritätsorganisation. Sie unterstützt Menschen, die wegen politischer Betätigung mit Strafverfahren konfrontiert sind, unter anderem finanziell und juristisch.

Die Verfassungsschutzbehörden bewerten den Verein deutlich kritischer. Der Berliner Verfassungsschutz bezeichnete die Berliner Ortsgruppe in seinem Bericht für 2024 als mit Abstand größte linksextremistische Organisation der Stadt. Für Berlin wurden damals rund 2.600 Personen dem entsprechenden Potenzial zugerechnet. Nach Angaben der Behörde war der Zuwachs des linksextremistischen Personenpotenzials in Berlin 2024 vor allem auf das Unterstützungspotenzial der nicht gewaltorientierten Roten Hilfe zurückzuführen.

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz führt die Rote Hilfe im Bereich Linksextremismus. Im Bundesbericht für 2024 wurden bundesweit rund 14.400 Mitglieder genannt. Das Bundesamt wirft der Organisation unter anderem vor, Personen aus dem linksextremistischen Spektrum bei Strafverfahren finanziell und politisch zu unterstützen und dadurch den Zusammenhalt innerhalb der Szene zu stärken.

Für die Bewertung der früheren Mitgliedschaft Eralps ist jedoch eine Einschränkung der Berliner Behörde wesentlich. Der Landesverfassungsschutz hält ausdrücklich fest, dass trotz der extremistischen Ausrichtung der Organisation nicht alle Mitglieder selbst verfassungsfeindliche Zielsetzungen verfolgen. Grund für die Beobachtung seien die Ausrichtung der Organisation und ihrer Entscheidungsträger.

Zeitpunkt des Austritts fällt vor Eralps Spitzenkandidatur

Auch die zeitliche Abfolge lässt sich nachvollziehen. Die Rote Hilfe taucht noch in früheren Angaben Eralps beim Abgeordnetenhaus auf. Nach Angaben der Linken erfolgte ihr Austritt 2025. Im September 2025 beschloss der Landesvorstand der Berliner Linken, Eralp für die Abgeordnetenhauswahl 2026 als Spitzenkandidatin vorzuschlagen. Im November wurde sie auf einem Landesparteitag als Spitzenkandidatin bestätigt.

Eine Verbindung zwischen ihrem Austritt und der späteren Kandidatur behauptet die Partei nicht. Sie erklärt ausdrücklich, Eralp habe den Verein wegen teilweise abweichender politischer Ansichten verlassen. Welche konkreten Positionen damit gemeint waren, wurde zunächst nicht näher erläutert.

Debatte trifft Linke während der Regierungsbildung

Politische Bedeutung erhält die frühere Mitgliedschaft vor allem durch den Zeitpunkt ihrer erneuten öffentlichen Thematisierung. Die Linke gewann die Berliner Wahl mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen. CDU, AfD, Grüne und SPD folgten mit niedrigeren Ergebnissen. Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden.

Die Linke hat nach ihrem Wahlsieg Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung mit Grünen und SPD angestoßen. Auf einem Landesparteitag am 25. September stimmten die Delegierten für entsprechende Sondierungen. Eralp hatte dort zugleich Vorwürfe gegen Teile ihrer Partei im Zusammenhang mit Antisemitismus zurückgewiesen und erklärt, jüdisches Leben stärken und Antisemitismus bekämpfen zu wollen.

Die nun thematisierte frühere Mitgliedschaft bei der Roten Hilfe ist davon als eigener Sachverhalt zu unterscheiden. Belegt ist, dass Eralp dem Verein angehörte, die Mitgliedschaft öffentlich angegeben hatte und 2025 austrat. Ebenfalls belegt ist die Einstufung und Beobachtung der Roten Hilfe durch die Verfassungsschutzbehörden.

Eine Einstufung Eralps selbst als Linksextremistin durch den Berliner Verfassungsschutz ergibt sich daraus nicht. Im Gegenteil unterscheidet die Behörde ausdrücklich zwischen der Bewertung der Organisation und der möglichen Haltung einzelner Mitglieder.

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