
Die Europäische Union und China haben sich auf eine Begrenzung chinesischer Hybridauto-Exporte nach Europa verständigt. Nach zweitägigen Verhandlungen in Peking stellte EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič am Freitag, 9. Oktober 2026, die Ergebnisse vor. Die Vereinbarung könnte dazu führen, dass in den kommenden vier Jahren mehrere Millionen Fahrzeuge weniger in die EU geliefert werden als bislang prognostiziert. Für deutsche Autobauer wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz ist die Entwicklung von Bedeutung, weil chinesische Hersteller ihre Marktanteile in Europa zuletzt erheblich ausgebaut haben.
Im Mittelpunkt der Gespräche stand der zunehmende Handel mit Hybridfahrzeugen. Dabei geht es sowohl um klassische Hybridautos als auch um Plug-in-Hybride, deren Batterien zusätzlich an einer Steckdose geladen werden können. Beide Fahrzeugarten verbinden einen Verbrennungsmotor mit einem elektrischen Antrieb.
Der Kompromiss sieht vor, dass China seine Exporte dieser Fahrzeuge in die Europäische Union künftig begrenzt. Šefčovič erklärte nach den Verhandlungen, die Liefermengen könnten dadurch um mehr als die Hälfte niedriger ausfallen als ohne eine entsprechende Vereinbarung erwartet. Über einen Zeitraum von vier Jahren würde das nach Berechnungen der EU-Kommission mehrere Millionen Fahrzeuge betreffen.
Die Prozentangabe bezieht sich allerdings auf die erwartete Entwicklung der chinesischen Exporte ohne neue Beschränkungen. Sie bedeutet nicht, dass sich die tatsächlichen Lieferungen gegenüber 2025 oder dem laufenden Jahr automatisch halbieren. Eine verbindliche jährliche Exportmenge wurde zunächst nicht öffentlich festgelegt.
Auch die konkrete Umsetzung ist noch nicht abgeschlossen. Welche Verfahren die Ausfuhren begrenzen sollen und wie die Einhaltung kontrolliert wird, blieb zunächst offen. In ihrer gemeinsamen Erklärung betonen beide Seiten, dass die Verständigung mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO vereinbar sein soll.
Hinter der Verständigung steht der wachsende Wettbewerbsdruck auf die europäische Automobilindustrie. Chinesische Hersteller wie BYD und Geely haben ihr Angebot in Europa erweitert und konnten insbesondere bei elektrifizierten Fahrzeugen deutlich zulegen.
Nach Angaben des europäischen Automobilherstellerverbands ACEA erreichten chinesische Marken im ersten Halbjahr 2026 einen Marktanteil von 14 Prozent bei klassischen Hybridfahrzeugen. Im Jahr 2024 waren es noch zwei Prozent. Bei Plug-in-Hybriden stieg der Anteil chinesischer Marken im selben Vergleich von zwei auf 25 Prozent.
Zugleich gewinnen beide Antriebsarten insgesamt an Bedeutung. Zwischen Januar und August 2026 entfielen laut ACEA bereits 36,6 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen in der EU auf klassische Hybridfahrzeuge. Weitere zehn Prozent waren Plug-in-Hybride. Damit betrifft die Verständigung ein besonders wichtiges Segment des europäischen Automarktes.
Für Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz könnte die Exportbegrenzung den Wettbewerbsdruck auf dem europäischen Heimatmarkt verringern. Wenn weniger chinesische Hybridfahrzeuge angeboten werden als bislang erwartet, könnte dies den europäischen Herstellern mehr Spielraum bei Absatz und Preisgestaltung verschaffen. Wie groß dieser Effekt tatsächlich ausfällt, hängt allerdings von der konkreten Umsetzung ab.
Der Verband der Automobilindustrie begrüßte die Verständigung grundsätzlich. VDA-Präsidentin Hildegard Müller bezeichnete sie als erstes positives Signal. Zugleich machte sie deutlich, dass eine abschließende Bewertung erst möglich sei, wenn die Einzelheiten und wirtschaftlichen Folgen feststehen.
Dabei geht es für deutsche Hersteller nicht ausschließlich um den europäischen Markt. China ist zugleich ein wichtiger Absatzmarkt, Produktionsstandort und Innovationspartner. Der VDA setzt deshalb weiterhin auf einen offenen, regelbasierten Handel und warnt vor den Folgen einer handelspolitischen Abschottung.
Eine kurzfristige Verbesserung der Verkaufszahlen oder Gewinne deutscher Hersteller lässt sich aus der Verständigung bislang nicht ableiten. Ebenso wenig gibt es eine belastbare Grundlage für konkrete Aussagen über zusätzliche Arbeitsplätze oder gesicherte Produktionsstandorte.
Die neue Vereinbarung betrifft einen anderen Teil des Automarktes als die europäischen Sonderzölle auf chinesische Elektroautos. Bereits im Oktober 2024 hatte die EU zusätzliche Ausgleichszölle auf bestimmte rein batteriebetriebene Elektrofahrzeuge aus China eingeführt.
Je nach Hersteller liegen diese zusätzlichen Zölle zwischen 7,8 und 35,3 Prozent. Grundlage war eine Untersuchung der EU-Kommission zu staatlichen Subventionen in der chinesischen Elektroautoindustrie. Hybridfahrzeuge fallen dagegen nicht unter diese spezifischen Ausgleichszölle.
An den bestehenden Maßnahmen für reine Elektroautos ändert die neue Verständigung zunächst nichts. Allerdings wollen Brüssel und Peking ihre Gespräche über mögliche Preisverpflichtungen einzelner chinesischer Hersteller fortsetzen. Dabei könnten vereinbarte Mindestimportpreise unter bestimmten Voraussetzungen eine Alternative zu den zusätzlichen Zöllen darstellen. Entsprechende Verfahren sind jedoch gesondert zu prüfen.
Der Besuch von EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič in Peking am 8. und 9. Oktober beschränkte sich nicht auf die Automobilindustrie. Gemeinsam mit Chinas Handelsminister Wang Wentao verhandelte er über weitere Handelshemmnisse und den Zugang europäischer Unternehmen zum chinesischen Markt. Außerdem traf er den chinesischen Vize-Ministerpräsidenten He Lifeng.
Ein weiterer Teil der Verständigung betrifft niedrigere chinesische Einfuhrzölle auf bestimmte europäische Produkte. Nach Angaben von Šefčovič geht es unter anderem um Autoteile, Olivenöl und Schuhe. Die betroffenen europäischen Exporte haben derzeit einen Wert von knapp vier Milliarden Euro. Durch mögliche Zollsenkungen könnten nach Berechnungen der Kommission mindestens 225 Millionen Euro eingespart werden. Die gemeinsame Erklärung sieht allerdings zunächst weitere Prüfungen möglicher Zollreduzierungen vor.
Auch bei seltenen Erden und Permanentmagneten verständigten sich beide Seiten auf eine engere Zusammenarbeit. China erklärte sich bereit, Exportgenehmigungen für Lieferungen an europäische Unternehmen weiterhin über ein beschleunigtes Verfahren zu erleichtern. Für die Autoindustrie sind diese Materialien unter anderem bei Elektromotoren und weiteren technischen Komponenten von Bedeutung.
Eine vollständige Aufhebung der chinesischen Exportkontrollen wurde nicht vereinbart. Vielmehr sollen bestehende Verfahren verbessert und Lieferungen für Unternehmen berechenbarer werden.
Die Ergebnisse des Treffens sollen auf europäischer Ebene weiter behandelt werden. Šefčovič kündigte an, die Verständigung EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und den Staats- und Regierungschefs vorzulegen. Diese kommen am 15. und 16. Oktober in Brüssel zusammen.
Erst danach sollen weitere Schritte zur praktischen Umsetzung folgen. Eine wichtige Frage betrifft die rechtliche und technische Ausgestaltung der Exportbegrenzung. Auch die genaue Verteilung möglicher Liefermengen auf Hersteller und einzelne Jahre ist bislang nicht öffentlich geklärt.
Für Januar 2027 vereinbarten beide Seiten eine weitere Gesprächsrunde auf Ministerebene per Videokonferenz. Im März 2027 soll das nächste persönliche Treffen der Handels- und Investitionskonsultationen stattfinden.
Der EU-China-Kompromiss zu Hybridautos ist damit ein erster Schritt zur Entspannung der Handelsbeziehungen zwischen beiden Wirtschaftsräumen. Für die deutsche Automobilindustrie eröffnet die Verständigung die Aussicht auf geringeren Importdruck. Ob daraus tatsächlich bessere Wettbewerbsbedingungen entstehen, wird sich erst zeigen, wenn die vereinbarten Maßnahmen konkret umgesetzt werden.
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