Evonik erwägt milliardenschweren US-Zukauf und gerät an der Börse unter Druck

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Spezialchemiekonzern Evonik soll eine mögliche Übernahme des amerikanischen Wettbewerbers Ashland prüfen. Das berichtet das Handelsblatt am Donnerstag, 22. Oktober 2026, unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen. Während Evonik damit selbst einen milliardenschweren Zukauf ins Auge fassen könnte, bemüht sich der deutlich größere Chemiekonzern BASF um eine Übernahme des Essener Unternehmens. An der Börse reagierte die Evonik-Aktie mit deutlichen Verlusten.

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Evonik soll Übernahme von Ashland prüfen

Nach Informationen des Handelsblatts beschäftigt sich Evonik bereits seit mehreren Monaten mit größeren Übernahmen außerhalb Europas. Besonders der US-Spezialchemiekonzern Ashland soll dabei eine Rolle spielen. Für die Suche nach geeigneten Übernahmezielen habe Evonik die Investmentbanken Perella Weinberg Partners und JPMorgan eingeschaltet.

Die Überlegungen sollen bereits vor dem Bekanntwerden des Übernahmeinteresses von BASF begonnen haben. Damit wären sie nicht erst als Reaktion auf den Vorstoß des deutschen Wettbewerbers entstanden.

Eine offizielle Bestätigung für konkrete Kaufverhandlungen mit Ashland lag zunächst nicht vor. Evonik erklärte gegenüber dem Handelsblatt, Marktgerüchte grundsätzlich nicht zu kommentieren. Auch die genannten Investmentbanken äußerten sich demnach nicht zu den Angaben. Ob bereits ein konkretes Angebot vorbereitet wird, blieb offen.

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Evonik-Aktie verliert zeitweise mehr als drei Prozent

Die Nachrichten über einen möglichen US-Zukauf belasteten am Donnerstag den Aktienkurs von Evonik. Das im MDax notierte Papier weitete seine Verluste im Tagesverlauf deutlich aus und näherte sich zeitweise der Marke von 20 Euro.

Nach Angaben der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX von 13:22 Uhr notierte die Evonik-Aktie bei 20,16 Euro. Das entsprach einem Rückgang von rund 3,5 Prozent gegenüber dem Vortag. Am Mittwoch hatte die Aktie den Xetra-Handel bei 20,90 Euro beendet.

In den vergangenen Wochen hatte dagegen vor allem das Übernahmeinteresse von BASF den Aktienkurs beeinflusst. Nach Bekanntwerden der ersten Annäherung Ende September waren die Evonik-Papiere zunächst deutlich gestiegen. Am 9. Oktober erreichten sie zwischenzeitlich 21,54 Euro und damit den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2025.

Ashland ist auf Spezialchemikalien ausgerichtet

Ashland gehört zu den international tätigen Herstellern von Spezialchemikalien und Zusatzstoffen. Das amerikanische Unternehmen beliefert unter anderem die Pharmaindustrie, Hersteller von Körperpflegeprodukten sowie die Beschichtungsindustrie.

Nach eigenen Angaben beschäftigt Ashland weltweit rund 2.900 Menschen und ist in ungefähr 100 Ländern vertreten. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 1,82 Milliarden US-Dollar.

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das Ende Juni abgeschlossen wurde, erreichte Ashland einen Umsatz von 497 Millionen US-Dollar. Das entsprach einem Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei 109 Millionen US-Dollar.

Mit einer Übernahme von Ashland würde Evonik sein bestehendes Spezialchemieportfolio um weitere Geschäftsaktivitäten ergänzen. Allerdings sind weder ein möglicher Kaufpreis noch die Finanzierung einer solchen Transaktion bestätigt.

BASF hat eigenes Übernahmeinteresse an Evonik bestätigt

Parallel zu den möglichen Überlegungen in den USA steht Evonik selbst im Mittelpunkt einer größeren Übernahmedebatte.

Am 25. September bestätigte BASF offiziell, dass der Konzern mit Evonik und dessen Großaktionärin RAG-Stiftung Möglichkeiten einer Übernahme sondiert habe. Evonik erklärte am selben Tag in einer Ad-hoc-Mitteilung, eine unverbindliche Ansprache von BASF erhalten zu haben. Diese bezog sich auf einen möglichen Erwerb sämtlicher Evonik-Aktien.

Ende September berichteten Reuters und die Financial Times, BASF habe zunächst rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie angeboten. Das hätte einem Kaufpreis von etwa 10,3 Milliarden Euro für das Aktienkapital entsprochen. Evonik habe den Vorschlag als zu niedrig zurückgewiesen.

Offiziell bestätigten die Unternehmen die genannte Angebotshöhe nicht. Auch eine verbindliche Übernahmevereinbarung besteht bislang nicht.

Anfang Oktober berichtete Reuters unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen, BASF könne unter bestimmten Voraussetzungen ein höheres Angebot erwägen. Voraussetzung dafür seien weitere Gespräche mit Evonik. Eine entsprechende Vereinbarung wurde zunächst nicht bekanntgegeben.

RAG-Stiftung spielt bei möglicher Übernahme zentrale Rolle

Für die Zukunft von Evonik ist auch die Position der RAG-Stiftung entscheidend. Die Stiftung hält rund 43,8 Prozent der Aktien und ist damit mit Abstand größte Anteilseignerin des Unternehmens.

Das Kuratorium der Stiftung befasste sich am 9. Oktober mit dem Übernahmeinteresse von BASF. Konkrete Ergebnisse dieser Beratungen wurden nicht veröffentlicht.

Die RAG-Stiftung finanziert aus den Erträgen ihres Vermögens langfristige Verpflichtungen, die aus dem früheren deutschen Steinkohlebergbau entstanden sind. Über den Umgang mit ihrer Beteiligung an Evonik entscheidet sie deshalb auch vor dem Hintergrund dieser finanziellen Aufgaben.

Deutsche Chemieindustrie steht vor weiteren Veränderungen

Die möglichen Übernahmen fallen in eine Phase erheblicher Veränderungen innerhalb der europäischen Chemieindustrie. Hohe Energiekosten, internationaler Wettbewerbsdruck und eine schwache Nachfrage in mehreren industriellen Absatzmärkten belasten die Unternehmen.

Sowohl BASF als auch Evonik haben bereits umfangreiche Restrukturierungen eingeleitet. BASF konzentriert sich stärker auf ausgewählte Kerngeschäfte und trennt sich von weiteren Unternehmensbereichen. Evonik baut ebenfalls Stellen ab und verändert sein Geschäftsportfolio.

Eine Übernahme von Ashland würde Evonik vor zusätzliche strategische und finanzielle Entscheidungen stellen. Zugleich ist weiterhin ungeklärt, ob BASF seine eigenen Übernahmebemühungen fortsetzt und unter welchen Bedingungen sich beide Unternehmen auf eine Transaktion verständigen könnten.

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