
Der deutsche Batteriespeicherhersteller Sonnen aus Wildpoldsried im Allgäu hat am Donnerstag, 22. Oktober 2026, einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen bestätigte den Schritt gegenüber dem Handelsblatt. Rund 400 Beschäftigte am Standort Wildpoldsried wurden über die Entwicklung informiert. Der Insolvenzantrag erfolgt nur etwa zwei Monate nach dem Verkauf durch den britischen Energiekonzern Shell an den Investor Tiven.
Die Insolvenz bei Sonnen betrifft einen der bekanntesten deutschen Hersteller von Batteriespeichern für Privathaushalte. Nach Informationen des Handelsblatts soll der Kundendienst für mehr als 150.000 Bestandskunden zunächst fortgeführt werden. Gleichzeitig stehen erhebliche Veränderungen in der Unternehmensstruktur bevor.
Demnach sollen mehrere Tochtergesellschaften abgewickelt werden oder Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen. Künftig soll nur noch ein Produktionsstandort bestehen bleiben. Welche Standorte und Gesellschaften im Einzelnen betroffen sind, war zunächst nicht vollständig geklärt.
Auch wichtige Einzelheiten des Insolvenzverfahrens waren am Donnerstag zunächst offen. Eine bestätigte gerichtliche Entscheidung über die Eröffnung des Verfahrens sowie die Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters lagen zunächst nicht vor.
Für Besitzer einer Sonnen-Batterie stellt sich vor allem die Frage nach Wartung, Reparaturen und bestehenden Garantieansprüchen. Sonnen hat für bestimmte Speichersysteme Herstellergarantien mit einer Laufzeit von zehn Jahren oder bis zu 10.000 Ladezyklen angeboten. Dabei wurde unter anderem eine verbleibende Batteriekapazität von mindestens 80 Prozent zugesichert.
Welche Garantiebedingungen gelten, hängt vom jeweiligen Produkt und dem abgeschlossenen Vertrag ab. Eine verbindliche Aussage darüber, wie Sonnen seine Garantieverpflichtungen während des Insolvenzverfahrens erfüllen wird, lag zunächst nicht vor.
Rechtlich ist zwischen Herstellergarantie und gesetzlicher Gewährleistung zu unterscheiden. Die Gewährleistung richtet sich grundsätzlich gegen den Verkäufer des Produkts. Eine zusätzliche Herstellergarantie begründet dagegen Ansprüche gegen den jeweiligen Garantiegeber.
Hat ein Kunde seinen Speicher bei einem rechtlich eigenständigen Fachhändler gekauft, bleiben seine gesetzlichen Gewährleistungsansprüche gegenüber diesem Händler grundsätzlich von einer Insolvenz des Herstellers unberührt. Ob Ansprüche aus einer Herstellergarantie erfüllt werden können, hängt hingegen von der Situation des Garantiegebers und gegebenenfalls vom Insolvenzverfahren ab.
Die Insolvenz folgt auf einen erst kürzlich abgeschlossenen Eigentümerwechsel. Shell hatte den deutschen Batteriespeicherhersteller 2019 übernommen und in sein Geschäft mit erneuerbaren Energien und dezentraler Stromversorgung eingegliedert.
Im August 2026 bestätigte Shell den Verkauf an Tiven. Bei dem Käufer handelt es sich um ein Family Office mit Verbindung zum Investor Gert Purkert, einem Mitgründer der Investmentgesellschaft Aurelius. Der Kaufpreis wurde von den Beteiligten nicht offiziell veröffentlicht.
Bereits 2023 hatte Shell nach einem Käufer gesucht. Mit dem abgeschlossenen Verkauf im August 2026 endete die Zugehörigkeit des Batteriespeicherherstellers zum britischen Energiekonzern. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags war Sonnen somit keine Shell-Tochtergesellschaft mehr.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Herstellers bestanden bereits vor dem jüngsten Eigentümerwechsel. Nach den veröffentlichten Jahresabschlussdaten erwirtschaftete die Sonnen GmbH 2024 einen Umsatz von rund 78,4 Millionen Euro. Der Jahresfehlbetrag belief sich auf etwa 106,6 Millionen Euro.
Im Jahr 2023 hatte der Umsatz noch rund 263,5 Millionen Euro erreicht. Damit gingen die Erlöse innerhalb eines Jahres erheblich zurück. Das Unternehmen beschäftigte 2024 im Jahresdurchschnitt rund 690 Menschen. Diese Zahl bezieht sich auf die Sonnen GmbH und nicht auf die gesamte internationale Unternehmensgruppe.
Aktuelle, vergleichbare Geschäftszahlen für das gesamte Jahr 2025 und die ersten Monate 2026 lagen zunächst nicht vor. Die genaue wirtschaftliche Entwicklung unmittelbar vor dem Insolvenzantrag war damit noch nicht abschließend nachvollziehbar.
Sonnen wurde 2010 von Christoph Ostermann und Torsten Stiefenhofer gegründet. Das Unternehmen entwickelte Batteriespeicher, mit denen Privathaushalte selbst erzeugten Solarstrom auch dann nutzen können, wenn ihre Photovoltaikanlage gerade keinen Strom produziert.
Aus dem Unternehmen in Wildpoldsried entwickelte sich ein international tätiger Anbieter. Neben Deutschland erschloss Sonnen unter anderem Märkte in den USA und Australien. Bereits 2020 waren nach damaligen Unternehmensangaben mehr als 50.000 Sonnen-Batterien weltweit installiert.
Zum Geschäftsmodell gehören nicht nur Heimspeicher, sondern auch Stromtarife und die digitale Vernetzung einzelner Batteriesysteme. Solche Zusammenschlüsse werden als virtuelle Kraftwerke bezeichnet. Sie können gespeicherte Energie gebündelt bereitstellen und damit zur Stabilisierung der Stromversorgung beitragen.
Die Insolvenz fällt in eine Phase, in der Batteriespeicher in Deutschland weiter an Bedeutung gewinnen. Nach einer am 22. Oktober veröffentlichten Auswertung des Bundesverbands Solarwirtschaft wurden in den ersten neun Monaten 2026 mehr als 500.000 neue Batteriespeicher installiert.
Ihre gemeinsame Kapazität erreichte rund 8,2 Gigawattstunden. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum entsprach dies einem Zuwachs von 91 Prozent. Besonders stark entwickelte sich der Markt für große Batteriespeicher.
Aber auch bei Heimspeichern stieg die neu installierte Kapazität um 20 Prozent auf rund 3,2 Gigawattstunden. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband einen Speicherzubau von deutlich mehr als zehn Gigawattstunden.
Gleichzeitig haben mehrere Unternehmen der Solar- und Speicherbranche wirtschaftliche Probleme. Bereits im September 2026 wurde für den Konstanzer Batteriespeicheranbieter RCT Power ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Das Amtsgericht Freiburg bestellte Rechtsanwalt Jan Plathner zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
Anfang Oktober wurde außerdem die Insolvenz des Leipziger Solaranlagenanbieters Energiekonzepte Deutschland bekannt. Das Unternehmen hatte zuvor mehr als 45.000 Solaranlagen für Privathaushalte installiert.
Die Entwicklungen verdeutlichen, dass ein wachsender Speichermarkt nicht automatisch die wirtschaftliche Stabilität einzelner Anbieter gewährleistet. Im Fall Sonnen stehen nun insbesondere die weitere Produktion, die Arbeitsplätze und die Versorgung der zahlreichen Bestandskunden im Mittelpunkt.
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